Alte Sünden und neue Ziele

+
Ein prächtiges Bild von Urberach bis in den Odenwald bot sich den Teilnehmern am NABU-Rundgang am Sonntagmorgen von der Bulau aus.

Urberach (chz) Sonntags um 9 Uhr bei wunderschönem Wetter vom Hainches-Buckel aus über das idyllisch ausgebreitete Urberach bis in den Odenwald schauen – das kann jeder.

Doch mit Erläuterung durch die Fachleute der Rödermärker Gruppe des Naturschutzbundes (NABU) weiß der staunende Betrachter auch zuhause noch, was er eigentlich alles gesehen hat. Bei der Flurbegehung unter der Leitung von Werner Weber und Dr. Rüdiger Werner ging’s vom Hotel Odenwaldblick aus zunächst zum alten Steinbruch, dem früheren Spielplatz vieler Urberacher Kinder, woran sich auch zahlreiche Teilnehmer erinnerten.

„Schade, dass wir drei Tage zu früh hier sind: Der Kuckuck ruft erst ab dem 20. April“, bedauerte Werner Weber, wurde aber gleich aus der Gruppe eines Besseren belehrt: „Bei uns war er schon am 9. April!“ Auf der Bulau indes blieb der Kuckuck still.

Der Blick hinunter zum Umspannwerk ließ die Geschichte der frühen Keltengräber wieder auferstehen, die erst spät wirklich fachgerecht erkundet wurden. Dr. Rüdiger Werner erinnerte daran, dass es lange Jahre keinerlei Bebauungsplan in der ganzen Gegend gab. Erst für das Baugebiet Breidert in Ober-Roden wurde ein gültiger Plan aufgestellt.

Urwald-Gefühle kamen beim Weg zum alten Steinbruch auf. Foto: Ziesecke

Vorbei an zahllosen wildwachsenden Wiesenpflanzen, die sofort im Bestimmungsbuch nachgesehen wurden, führte der Weg quer durch das bekannt trockene und sandige Gelände auch vorbei an üppig blühenden Obstbäumen. „Hier haben früher viele Obstbäume gestanden, aber gerade deshalb sind sie nicht geschützt worden, weil’s hier im Verhältnis zu Ober-Roden sehr viele gab. Im Laufe der Zeit wurden alle Apfelbäume abgeholzt, weil jeder dachte: ‚Das bisschen Apfelwein, das ich brauche, kann ich auch beim Küfer kaufen’“, schilderte Werner Weber die Natursünden jener Zeit, die heute durch das Anlegen von Streuobstwiesen mühsam wieder aufgearbeitet werden.

Er erinnerte auch ans „Stoppeln“ – Äpfel, anderes Obst und Kartoffeln durften nach dem 1. November in Feld und Flur von jedem Spaziergänger geerntet werden – weshalb auch für die damals rund 800 Ziegen gut gesorgt war „Später gab’s bald weniger Ziegen – dann wurden die Ställe zu Garagen umgebaut.“

Einer der landschaftlichen Höhepunkte des Rundgangs, bei dem auch fleißig Müll am Wegrand eingesammelt wurde, war das geschützte „FFH“-Gelände („Flora, Fauna, Habitat“ – eine Richtlinie der Europäischen Union zum Erhalt natürlicher Lebensräume und der Artenvielfalt) südlich des Blockhauses auf der Bulau. Hier wachsen auf einem bewusst „mager“ gehaltenen Areal die heute selten gewordene Sandstrohblume und das Silbergras.

Der NABU betreut dieses Gelände gemeinsam mit dem Landwirtschaftsamt, lichtet den seitlich hereinwachsenden Ginster und andere Sträucher aus, um dem Boden zusätzliche Feuchtigkeit zu ersparen. „Es ist jetzt nach der Bearbeitungsphase im letzten Jahr das erste Frühjahr, wo dieses Gelände richtig toll aussieht“, freute sich Werner Weber.

Quelle: op-online.de

Kommentare