Altkleider sind ein gefragtes Gut

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14 Kolping-Container steuert Murat Sapmaz bei seiner Tour durch Rödermark an. Die sind in der Regel gut gefüllt, denn die Nachfrage nach Altkleidern schießt in die Höhe.

Rödermark - Niedriglöhne und Hartz IV zwingen in Deutschland ganze Familien zum Shopping in Sozialkaufhäuser - oder gleich in die Kleiderkammer. Und rund um den Globus rauben Naturkatastrophen Millionen von Menschen das letzte Hemd. Von Michael Löw

Kein Wunder also, dass der Markt für Altkleider leer gefegt ist. Das sagt Günter Pilz, Geschäftsführer der Kolping Recycling GmbH, die in diesem Geschäft für den guten Zweck mitverdient. „All unsere Gewinne kommen karitativen Einrichtungen und sozialen Zwecken zu gute“, versichert Pilz am Badehaus. Auf dem Parkplatz steht einer von 14 orangefarbenen Sammelcontainern der Kolpingsfamilie Ober-Roden.

Sie bringen für vergleichsweise geringen Aufwand 700 Euro im Jahr. „Mit diesem Geld unterstützen wir vor Ort beispielsweise die „Aktion Lichtblicke“ für Schwangere und Alleinerziehende oder Gruppenleiterkurse der Kolpingjugend“, erläutert Vorsitzender Markus Wehner. Die Straßensammlung im Oktober bringt ebenfalls ein erkleckliches Sümmchen.

Verdrängungswettbewerb eingesetzt

In Sachen Altkleider hat aber ein Verdrängungswettbewerb eingesetzt, der Pilz und Wehner Kopfzerbrechen bereitet. Während die Kolping Recycling GmbH ihrem Rödermärker „Lieferanten“ 50 Euro pro Jahr und Standort überweist, locken gewerbliche Sammler mit utopischen Summen von bis zu 400 Euro. Ein Unternehmen aus der Schweiz hat innerhalb von nicht einmal zwei Jahren 80 Container im Kreis Offenbach verteilt.

Günter Pilz setzt große Hoffnungen auf das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz. Ab Juni müssen alle (Altkleider-)Sammlungen in den Rathäusern angemeldet werden. „Das bringt karitativen Organisationen einen Vorteil“, sagt Pilz und baut auf den guten Ruf, den Kolping, Rotes Kreuz & Co. genießen.

Bild, das die Container bieten

Damit meint er nicht nur die Verwendung des Gewinns, sondern auch das Bild, das die Container bieten. In der Diözese Mainz werden alle von Kolpingsmitgliedern betreut, die in der Nähe wohnen. Die bekommen schnell mit, wenn die Behälter voll sind und sich drumherum die Tüten stapeln. Überflüssiges Sammelgut wird umgehend in andere Container gebracht, damit niemand Schindluder treiben kann. Dass alte Textilien gut brennen, musste die Kolpingsfamilie erst vor ein paar Wochen im Breidert erfahren.

Hinterm Blech herrscht überraschend viel Ordnung. Ein Labello-Stift, eine Kaffeetasse und ein Federballspiel sind die einzigen Fremdkörper, die Murat Sapmaz an diesem Morgen aussortiert. In den fünf Jahren, die er nun schon für die Kolping Recycling GmbH fährt, hat er schon ekligere Dinge gesehen: „Einmal habe ich einen toten Hasen gefunden.“ Markus Wehner wurde schon einmal gerufen, weil nach einem Ober-Röder Vereinsjubiläum ein 50-Liter-Bierfass den Füllmechanismus eines Containers blockierte.

Immer wieder Portmonees

Murat Sapmaz purzeln immer wieder Portmonees entgegen, weil ausrangierte Jacken vorm Wegwerfen nicht ordentlich durchsucht wurden. Markus Wehner kann auch dazu ein Anekdötchen beisteuern: „Voriges Jahr rief eine Mutter bei mir an, deren Kind Rotz und Wasser heulte. Der Opa hatte nämlich ihr Lieblingskuscheltier aus Versehen in den Container geworfen!“

Solange die Säcke noch auf Sapmaz’ Siebeneinhalbtonner liegen, können Wertgegenstände und Erinnerungsstücke noch gerettet werden. Denn auf jedem Kolping-Container steht die Telefonnummer der Recycling GmbH in Fulda, die den Laster notfalls vorm Tor der Verwertungsanlage in Salzgitter stoppt. „Diesen Service finden Sie bei keinem gewerblichen Sammler“, wirbt Geschäftsführer Günter Pilz denn auch ohne falsche Bescheidenheit.

Quelle: op-online.de

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