Von Amts wegen ein Neutrum

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Ihr Steuerberatungsbüro hat Vorrang vor der Politik: Maria Becht zieht sich aus dem Stadtparlament zurück.

Ober-Roden (lö) - Schwarz-Grün will am Montagabend den Vorsitzenden des Sozialausschusses Jörg Rotter (CDU) zum Stadtverordnetenvorsteher wählen. Das neue Bündnis hat im Parlament eine satte Mehrheit, nämlich 29 von 39 Stimmen.

Die CDU gewann bei der Kommunalwahl 16 Mandate, die AL 13. Die übrigen Sitze verteilen sich auf SPD (6) sowie FDP und Freie Wähler (je 2). Wir sprachen vorm Start in die Legislaturperiode 2011/2016 mit der bisherigen Stadtverordnetenvorsteherin Maria Becht. Die CDU-Politikerin wurde am 6. Dezember 2002 an die Spitze des Parlaments gewählt und 2006 im Amt bestätigt. Ein drittes Mal wollte sie nicht mehr antreten.

Die Rödermärker haben sie vom selbstgewählten letzten Listenplatz auf einen der ersten Nachrückerplätze kumuliert und panaschiert. Bleibt’s trotzdem bei Ihrem Abschied aus der Stadtverordnetenversammlung?

Im März 2010 habe ich mich entschieden, nicht mehr für die Stadtverordnetenversammlung zu kandidieren. Weil ich meine Verbundenheit zur CDU deutlich machen wollte, habe ich den letzten Listenplatz gewählt in der Annahme, dass keine Wahrscheinlichkeit besteht von dort aus auf einen aussichtsreichen Platz zu kommen. Dass mich die Bürger dieser Stadt um 20 Plätze vorgewählt haben, ist für mich eine besondere Ehre und Verpflichtung. Aus beruflichen Gründen und auch zugunsten junger Kandidaten bleibt es allerdings bei meiner Entscheidung. Ich werde das Mandat nicht annehmen, obgleich mir diese Entscheidung besonders schwer fällt. Aber es ist immer gut zur rechten Zeit aufzuhören.

Wie sieht Ihre politische Zukunft aus?

Ich werde weiterhin dem Vorstand der CDU Rödermark angehören und dort meine bisherige Arbeit fortsetzen. Das Kreistagsmandat werde ich annehmen. Dort werde ich insbesondere finanzpolitische Themen bearbeiten und mich der Haushaltskonsolidierung widmen. Es gibt genug zu tun.

Haben die Jahre an der Spitze des Stadtparlaments immer Spaß gemacht?

Da in meinen Adern politisches Blut fließt, war ich immer mit Leib und Seele Stadtverordnetenvorsteherin. Größtenteils hat mir dieses Ehrenamt großen Spaß bereitet. Insbesondere die Nähe zu den vielfältigen und großartigen Vereinen in dieser Stadt hat viel Freude bereitet.

Wo waren die Höhen?

Die Veranstaltungen der musiktreibenden Vereine, insbesondere die Weihnachtskonzerte sowie die Jugendarbeit, haben mich tief beeindruckt. Öffentliche Veranstaltungen wie die Einbürgerungsfeiern hab ich gerne begleitet. Als Höhen habe ich auch die vielen interfraktionellen einstimmigen Entscheidungen empfunden, bei denen man erkennen konnte, dass alle Stadtverordneten ein Hauptziel, nämlich das Wohl der Stadt, im Sinn haben.

...und wo die Tiefen?

Es ist für mich als politische Tiefe zu beurteilen, wenn in einer ehrenamtlichen Tätigkeit Rechtsstreitigkeiten geführt werden müssen, sei es mit dem Bürgermeister, sei es mit der FDP-Fraktion. Der Rechtsstreit mit dem Bürgermeister wurde ohne Urteil beendet, der Rechtsstreit mit der FDP-Fraktion wurde glücklicherweise von mir gewonnen. Wenig erfreulich waren auch die unqualifizierten Rücktrittsforderungen von Herrn Rädlein.

Wie haben Sie den Spagat zwischen überparteiischer Amtsführung und ihrer CDU-Mitgliedschaft bewältigt?

Ich habe es immer als meine Aufgabe empfunden, eine neutrale Amtsführung zu gewährleisten. Das führt dazu, dass man sich manchmal als politisches Neutrum fühlt. Gerne hätte ich hie und da auch meine politische Meinung geäußert. Der Spagat ist nur gelungen, weil ich darauf verzichtet habe und versucht habe Konsens herzustellen. Das wird auch für meinen Nachfolger nicht einfach sein.

Welchen Ratschlag geben Sie Jörg Rotter auf den Weg?

Er wird seine Arbeit gut machen. Dennoch macht es Sinn, sich intensiv mit der Hessischen Gemeindeordnung zu beschäftigen und den Versuch zu starten, einvernehmliche Lösungen zu finden.

Welchen Ratschlag geben Sie Ihrer Partei mit in die neue Legislaturperiode?

Eigenes Profil schärfen und bewahren zum Wohle der Stadt. Die CDU muss als CDU erkennbar sein und sich treu bleiben.

Vermissen Sie die Sitzungen dienstagabends? Was tun Sie stattdessen?

Sportmachen oder faulenzen. Gelegentlich werde ich auch als Gast an Stadtverordnetensitzungen teilnehmen. Ich freue mich auf mehr Freizeit für meine vielfältigen privaten Interessen. Beim Bund katholischer Unternehmer und an der Uni Mannheim fühle ich mich sehr wohl. Meine Familie und mein privater Freundeskreis haben auch den Wunsch, mich öfter zu sehen. Diese Wünsche möchte ich erfüllen.

Quelle: op-online.de

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