Gericht stellt Verfahren wegen Unterschlagung ein

Prozess: Drei Pflegehunde im Eiltempo vermittelt

Urberach/Langen - Unterschlagung von drei Hunden: So lautete die Anklage gegen zwei Frauen aus Urberach und Flörsheim, die gestern vorm Amtsgericht Langen standen. Das Verfahren wurde eingestellt. Von Michael Löw

Ihnen sei das Wohl der Tiere wichtiger gewesen als der Pflegevertrag mit dem Besitzer, dessen Eignung zur Hundehaltung selbst Richter Volker Horn vorsichtig anzweifelte. Für eine 41-Jährige aus Urberach ist eine vermeintlich gute Tat zum Bumerang geworden. Sie stand vorm Amtsgericht Langen, weil sie angeblich drei Magyar Vizsla, bis zu 65 Zentimeter große ungarische Hütehunde, unterschlagen hatte. Mitangeklagt war eine Frau (54) aus Flörsheim, die die Hunde weiter vermittelt hatte.

Die 41-Jährige hatte im Sommer 2015 per Vertrag die Pflege der drei Magyar Vizsla übernommen. Ihr Besitzer, den sie vom Gassigehen mit ihrem Hund kannte, hatte sie darum gebeten. Er habe einen Job in der Schweiz bekommen und könne die Tiere nicht mitnehmen. „Sie werden mit einem Privatjet abgeholt“, versprach er. Dann schloss er mit der Urberacherin einen Pflegevertrag ab, der vom 24. Juli bis 30. August 2015 galt. Den Flug in die Schweiz hatte der Mann da wohl schon vergessen: Sollte er die Hunde Ende August nicht abgeholt haben, verzichte er auf die Rückgabe. Außerdem enthielt der Vertrag einen Passus, wonach die Urberacherin Hunde an weitere Pflegestellen abgegeben darf.

Dass sie’s alleine nicht schafft, wurde ihr schnell klar. Das Trio - eine Mutter mit zwei Junghunden - war ängstlich und alles andere als stubenrein. Die „Tierhilfe aktiv“ aus Dreieich, die sie bei der Formulierung des Vertrags unterstützt hatte, brachte die Flörsheimerin ins Spiel, die als Fachfrau für in Not geratene Magyar Vizsla gilt und eigenen Angaben zufolge seit 30 Jahren aktive Tierschützerin ist. Sie nahm noch im Juli die Junghunde an sich und vermittelte sie über die „Tierhilfe aktiv“ noch vorm Ende der vereinbarten Pflegezeit an neue Besitzer. Auch die Hündin, die lange in Urberach blieb, wurde vor dem 30. August vermittelt. Auf diesen Daten basierte letztlich die Anklage.

Leserbilder zum Welthundetag 2017 (Teil 1)

„Verträge sind für mich völlig unwichtig“, begründete die Flörsheimerin die Weitergabe. Ihr liege nur das Wohlergehen der Hunde am Herzen, und da lag offensichtlich einiges im Argen. Der Urberacher habe die Magyar Vizsla in einem Keller gehalten. Sie hätten noch nie einen Vogel gesehen und seien völlig abgemagert zu der 41-jährigen gekommen, erklärte sie.

Richter Volker Horn hatte keinen Zweifel am Zustand der Hunde. Er hielt der Flörsheimerin aber „Anmaßung“ vor: „Haben Sie nie daran gedacht, die Behörden zu informieren?“ Statt die Hunde voreilig weiterzugeben, hätte die Frau sich seiner Ansicht nach ans Rödermärker Ordnungsamt wenden müssen. Dennoch regte der Richter die Einstellung des Strafverfahrens an, Staatsanwältin und Verteidiger stimmten zu. Auch wenn Horn es diplomatisch formulierte, teilte er die Bedenken der Tierschützerinnen gegen den Hundehalter. Der hatte nie versucht, die Tiere durch einen Zivilprozess zurückzubekommen, und meldete sich einen Tag vorm Prozess krank.

Das Verfahren gegen die Urberacherin wurde ohne Auflagen eingestellt. Die Flörsheimerin muss 250 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Das Geld soll der Kinderschutzbund im Westkreis Offenbach bekommen. Tierschutzvereine hatte Richter Horn wegen der „eher unrühmlichen Rolle“ der „Tierhilfe aktiv“ ausgeschlossen.

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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