85 Jahre Friseursalon Beckmann

Die erste Heißwelle war der Hit

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Klaus und Inge Hilger sind Stammkunden bei Rainer Beckmann in der Rathausstraße und haben schon mehrere kosmetische Veränderungen des Salons miterlebt.

Ober-Roden/Waldacker - Eine Beurkundung aus dem Jahr 1979 macht’s deutlich: Vor 85 Jahren - nachweislich im Juli 1929 - hat Karl Andreas Beckmann seinen ersten Friseursalon als Gewerbe in der Rathausgasse in Ober-Roden angemeldet. Von Christine Ziesecke

Mittlerweile hat dieser Salon - einer der letzten Traditionsbetriebe in Ober-Roden - einen selbständigen „Ableger“ in Waldacker. Doch wie es mit diesen teilweise in der dritten Generation geführten Geschäften weiter geht, ist völlig ungewiss. Die Zeit wird es weisen.

Karl Andreas Beckmann hatte einst in Münster bei Erich Keil sein Handwerk gelernt. Die Keilsche Familie ist dort schon in fünfter Generation tätig. Karl Andreas Beckmann heiratete seine Anna Maria, und als treu sorgende Ehefrau lernte sie alles, was sie im Laden brauchte. „Als in den dreißiger Jahren die erste Heißwelle von Wella herauskam, hat unser Vater Vorführungen bei Kollegen gemacht“, erzählt Rainer Beckmann.

Der Salon war damals noch im hinteren Wohngebäude und war zweimal vergrößert worden. Erst 1951 wurde die Scheune auf dem vorderen Grundstück abgerissen und zum heutigen Salon umgebaut. 1940 kam Sohn Karl-Heinz auf die Welt, 1948 Rainer. Beide brachten es zu Meisterehren im Friseurhandwerk. Karl-Heinz holte sich seine Frau Marianne, vor kurzem erst verstorben, aus dem tiefsten Bayern. Sie war damals von ihrem Vater dem Seniorchef Karl Andreas zur Ausbildung anvertraut worden: „Und da hat sie den versprochenen Familienanschluss einfach sehr wörtlich genommen“, sagt Tochter Andrea schmunzelnd, die wie ihre Schwester Bettina ebenfalls in Vaters Fußstapfen getreten ist.

Neu gebauter Salon

Rainer Beckmann wiederum lernte beim Tanzkurs in Frankfurt seine Gisela kennen. Sie ließ sich von der Fotolaborantin zur Friseurin umschulen und zog mit ins seit etwa 1900 bestehende (Groß-)Elternhaus der Beckmanns. Der Laden lief; Rainer blieb in Ober-Roden, Karl-Heinz arbeitete mit seiner Familie ab 1963 im neu gebauten Salon im aufstrebenden Ortsteil Waldacker.

Anna Maria (genannt Nanni ) Beckmann machte schon vor Jahrzehnten ihre Kundinnen hübsch.

Nach dem Tod des Vaters übernahm Mutter Nanni die Chefrolle über beide Läden, in denen ihre Söhne als Meister arbeiteten. Erst nach deren Tod kam ein radikaler Schnitt und die Filialen wurden eigenständig. In Waldacker übernahmen die Töchter nach dem Tod von Karl-Heinz 2001 den Salon. Sind die Kinder und Enkel von Friseurmeister Karl Andreas Beckmann beruflich alle freiwillig dem Vater nachgeschlagen? „Bei meinem Bruder war’s Überzeugung, bei mir war’s etwas freiwilliger Zwang. Ich habe mich auch erst bei Wella und an vielen anderen Stellen umgeschaut, aber ich wollte schon hier bleiben“, erinnert sich Rainer. Die Töchter von Karl-Heinz in Waldacker sind sich einig : sie wollten beide nie von hier weg, und lieben ihren Beruf. Bettina hat es sogar auf dem Weg über Wettbewerbe zur hessischen Vizemeisterin im Friseurhandwerk geschafft. Inzwischen ist auch ihre Devise: „Ich mach das nur, weil’s Spaß macht.“

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Auch Rainer Beckmann in Ober-Roden stellt hochzufrieden fest: „Ich bin im Rentenalter und arbeite nur noch, wann’s mir Spaß macht und solange ich noch so nette Kunden habe.“ Entsprechend wird in seinem Salon nur noch nach Terminvereinbarung und auch da selektiv gearbeitet. Allerdings ist das Angebot großzügig, wenn jemand verhindert oder krank ist, kommt der Friseur auch mal ins Haus oder holt ab – zum gleichen Preis wie sonst. Seine Devise: er ist Frisurenberater – dafür muss er vor allem zuhören können, um zu wissen, was der Kunde will.

Ähnlich sieht es inzwischen in Waldacker aus, wo nur vormittags auf Anmeldung die Scheren und Föhne im Einsatz sind, zumal Bettina derzeit in Elternzeit ist. Doch auch hier sind trotz der vierten Generation, der Kinder Marina und David, keine großen Chancen auf Friseurnachwuchs: „Ich glaube auch nicht, dass ich das unbedingt möchte“, versichert Bettina Beckmann und lässt die Zukunft der Salons damit weiterhin offen.

Quelle: op-online.de

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