Ex-Wirt soll Freundin Veilchen verpasst haben

Angeklagter und Opfer schweigen: Prozess eingestellt

Ober-Roden/Langen - Ohne Strafe kam ein Ex-Wirt (52) davon, dem die Staatsanwaltschaft Darmstadt Gewalt gegen seine Lebensgefährtin vorwarf. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Das Amtsgericht Langen stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein: In einem reichlich verworrenen Prozess hatten sowohl der Angeklagte als auch sein Opfer geschwiegen. Die Frau machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Der Elefant war schuld. Das zumindest erklärt die Tochter der 40-jährigen Geschädigten am zweiten Verhandlungstag Amtsgerichtsdirektor Volker Horn in einem Prozess um häusliche Gewalt

Angeklagt war der Lebensgefährte der Hausfrau, ein 52-jähriger ehemaliger Gastronom, der ihr am 28. August 2015 nach einem Streit die Faust ins Gesicht geschlagen haben soll. Dies soll in der gemeinsamen Wohnung passiert sein. Die Mutter dreier Kinder - eins davon vom Angeklagten - erlitt ein Unterlidhämatom und wurde in das Sana-Klinikum Offenbach eingeliefert.

Die einzige Augenzeugin des Vorfalls hatte am ersten Prozesstag am 9. Januar erklärt, mit dem Angeklagten verlobt zu sein. Damit steht ihr das Aussageverweigerungsrecht zu, von dem sie in Bezug auf die Tat auch Gebrauch machte. Sowohl Staatsanwalt Knut Happel als auch Richter Horn zweifelten diesen Umstand zwar an, konnten jedoch auch nicht das Gegenteil beweisen.

Tochter: Meine Mutter wurde nur geschubst

Da zudem die 26-jährige Tochter als weitere Zeugin beim ersten Anlauf nicht erschien, musste der Prozess fortgesetzt werden. Sie bestätigte die Verlobung, durfte selbst aber nicht schweigen, weil sie nicht die Tochter des Angeklagten ist. Nun liegt die Aussage der jungen Frau vor: „Ich hatte aufgrund des Streits zwischen meiner Mutter und ihrem Freund zunächst vermutet, dass ihre Verletzung von Schlägen herrührt. Das stimmt aber nicht. Meine Mutter hat mir später erzählt, dass er sie nur geschubst hat und sie dabei unglücklich gegen einen an der Wand befestigten, zehn Zentimeter großen Deko-Elefant geknallt ist.“

Angeklagter Ex-Wirt schweigt beharrlich

Der Angeklagte selber äußerte sich mit keiner Silbe zu den Vorwürfen. Laut Aussage der 40-Jährigen wollen beide schon lange heiraten, nur die Ex-Frau steht dem noch im Weg: Der 52-Jährige lebt seit 2009 von dieser nur getrennt - die Scheidung zieht sich in die Länge. Auf die bohrenden Fragen des Gerichts zur Lage des Familienstands ihres Lebensgefährten konnte oder wollte die Verlobte keine Angaben machen.

Eine fundierte Aufklärung der Sache war damit unmöglich, ein Vorsatz der Körperverletzung nicht nachzuweisen: Der Angeklagte hätte ja nicht mit dem gefährlichen Stoßzahn rechnen können, als er sie im Affekt schubste. Richter Horn stellte das Verfahren nach Paragraf 153 der Strafprozessordnung wegen Geringfügigkeit ohne Auflagen ein.

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare