Sorgen um 20-Meter-Kiefer

Angst vor dem nächsten Sturm

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Übersteht die Kiefer auf dem verwilderten Nachbargrundstück den nächsten Sturm? Rainer Wendlandt hofft das inständig, denn sonst ist's ums Dach seines Hauses geschehen.

Messenhausen - Rainer und Rosita Wendlandt blicken bei jedem stärkeren Wind besorgt Richtung Nachbargrundstück. Im zugewucherten Garten steht eine Kiefer, die bei heftigen Luftbewegungen bedenklich schwankt. Von Michael Löw

Schon der nächste Sturm, so die Furcht der Wendlandts, könnte den 20-Meter-Baum auf ihr Haus werfen. Die Kiefer ist aber längst nicht das einzige Ärgernis des seit Jahren leer stehenden Anwesens in der Nordendstraße: Brombeerranken hängen weit auf den Bürgersteig, im Winter räumt niemand Schnee, neugierige Kinder haben das Haus entdeckt. Rainer Wendlandt: „Ein vielleicht sechsjähriger Junge hat mir mit leuchtenden Augen erzählt, es wäre ein tolles Abenteuer, in dem Zauberhaus zu spielen!“ Dass offene Lichtschächte oder das verrottende Schwimmbad gefährlich sind, vergessen die kleinen Entdecker. Das Grundstück gehört einer zerstrittenen Erbengemeinschaft, bei der die Nachbarn keinen Ansprechpartner finden. Wendlandt informierte die Stadt über die Missstände, worauf auch einmal die Kehrmaschine durch die Straße fuhr. Ansonsten sei noch nicht viel passiert. „Dieses Grundstück bereitet seit Jahren Probleme“, sagte Bürgermeister Roland Kern auf Nachfrage unserer Zeitung. Aber von städtischer Untätigkeit könne keine Rede sein. Allerdings habe das Ordnungsamt die gleichen niederschmetternden Erfahrungen wie die Nachbarn gemacht.

Von den acht Erben fühle sich niemand verantwortlich, und angesichts einer erfolglosen Versteigerung des „wertlosen Grundstücks“ sei bei ihnen auch nichts zu holen. Jeder kann Grundstück oder Haus nach Belieben verlottern lassen. Nur wenn das Haus einsturzgefährdet ist, kann nach Auskunft des Bürgermeisters die Bauaufsicht eingreifen. Die Kiefer und die anderen Bäume auf dem Grundstück sind laut Stadt gesund, also droht von ihnen nach amtlicher Definition keine Gefahr. Kern rät den Wendlandts, sich einen Anwalt zu nehmen und „falls überhaupt möglich für eine ausreichende Versicherung zu sorgen, da ein Ansatz für ein öffentlich-rechtliches Einschreiten nicht gegeben ist“. Was in den Ohren von Versicherungsberater Wendlandt wie Hohn klingt: Die eigene Gebäudeversicherung zahlt nur, wenn ein Sturm von mindestens Windstärke acht die gesunde Kiefer umwirft. Alles andere müsste er mit den Erben regeln. Doch dort - und da ist sich Wendlandt mit dem Bürgermeister einig - ist kein Cent zu holen.

Quelle: op-online.de

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