Eine einzige Nacht ist schuld

Apfelernte von Streuobstwiesen ist ausgesprochen schlecht

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Der Äppler im Gerippten der Kelterfreunde Ober-Roden stammt aus der letztjährigen Ernte - in diesem Jahr sieht’s auch hier auf ihrem Gelände beim Schützenhaus Diana gar nicht gut aus mit der neuen Ernte.

Rödermark - Keine Straußwertschaft an Pfingsten 2017 in der Bachgasse – diese Nachricht alarmierte viele Äpplerfreunde aus Rödermark und Umgebung. Den Ausfall mussten die „Wirte“ der Familien Weckesser, Hofmann und Rickert wegen der fehlenden Ernte im Vorjahr verkünden – gleich erweitert um die vage Befürchtung, dass es dieses Jahr nicht viel besser aussehen könnte. Von Christine Ziesecke

Ob am Kallemannsberg oder an alten Dieburger Weg: auf den Grundstücken der Urberacher Kelterer rund um die Familien Hofmann, Rickert und (im Bild) Alfons Weckesser siehts sehr traurig aus, was den kommenden Äppler betrifft: Der Frost hat alle Blütenträume vernichtet.

Und so ist es – auch für das Pfingstfest 2018 gibt’s keine guten Nachrichten: Kein Bembel wird im Kränzje überm Hoftor hängen und damit verbunden auch kein kleines dialektbetontes, südhessisches Kulturfest stattfinden. Die Lage ist nicht besser: Es gibt auf den drei Grundstücken der Familien und einigen Streuobstwiesen von Freunden so gut wie keine Äpfel, auch in diesem Jahr. Schuld ist weitgehend eine einzige Nacht: Jene vom 19. auf den 20 April, als eine absolut ungewöhnliche Kälte die Blüten an den in diesem Jahr ausnehmend früh blühenden Bäumen zerstörte. Was in Franken allen Winzern und am Bodensee fast allen Obstplantagen-Besitzern die Jahresernte kaputtmachte, traf ebenso die Kelterer: Eine eisige Nacht und der zu warme Frühling machten alle Hoffnungen zunichte.

Was war passiert? Hätte es doch nur geschneit in jener Nacht. Stattdessen verzogen sich die Wolken, es wurde klirrend kalt. Ein Großteil der Obsternte 2017 wurde in dieser einen Nacht vernichtet, so die erste Einschätzung. Tiefe Minusgrade wurden gemessen; die Blatttemperatur liegt dazu üblicherweise noch zwei Grad unter der Umgebungstemperatur. Eine Blüte hält aber nur null Grad aus. Nicht nur die Äpfel hat’s dabei erwischt, auch das Steinobst hat sehr gelitten.

Am Beispiel seines Grundstücks in der Römerstraße/Alter Dieburger Weg zeigt Alfons Weckesser das Problem: die alten wie die neu gesetzten Apfelbäume tragen mal ein, zwei Äpfel, sind aber meist so gut wie leer, ebenso jene von Familie Kuhrau am Kallemannsberg: kein einziger Apfel. Überrascht entdeckt der Hobbykelterer Weckesser einen einzigen Baum, der im oberen Kronendrittel gesunde grüne Äpfel trägt: „Der hat danach offensichtlich eine zweite Blüte angesetzt. Das ist fein, da haben wir wenigstens etwas Lagerobst.“ Fürs Pfingstfest 2018 reichts jedenfalls nicht, obwohl alle drei Familien von Alfons Weckesser, Martin Hofmann und Gilbert Rickert so gerne wieder zwei, drei Tage lang im Garten in der Bachgasse eigenes Stöffchen ausschenken würden: „Aber Ankaufen kommt für uns nicht in Frage; wir haben uns immer nur für die heimische Streuobstkultur interessiert und dabei bleiben wir auch.“

Der größte Bembel der Welt

Nicht ganz so hart, aber auch massiv hat es die Kelterfreunde Rödermark getroffen, die weitgehend in Ober-Roden rund um das alte Haus von Stefan Hornung an der Frankfurter Straße ihre Kelter und im Herbst auch ihren Straßenausschank aufbauen. Bei einem Besuch eines ihrer Streuobst-Grundstücke in der Nähe vom Schützenhaus Diana wird klar: Die manchmal bis zum Abbrechen voll hängenden Zweige der unterschiedlichen alten und ebenso unterschiedlich tragenden Apfelbäume sind dünn bestückt; es wird zwar für ein paar Liter reichen, aber an die letztjährige Menge von 1450 Litern Äppler, an drei Öffnungstagen meist in Kanistern an Genießer verkauft, wird’s nicht heranreichen. „Für unseren traditionellen Kelter- und Ausschanktermin am 3. Oktober wird’s reichen, was darüber hinaus möglich ist, müssen wir abwarten“, bedauern Ingo Teike, Michael Wahl und Stefan Hornung.

Zwar haben sie noch einige Obstbäume in Raibach und Umgebung stehen, doch gut schaut’s nirgend aus. Sie wünschen sich aber, dass sich einige selbst nicht am Keltern interessierte Rödermärker Besitzer von gut tragenden Apfelbäumen melden (manche Bäume an geschützten Stellen haben da bessere Ausbeute) – die Kelterfreunde kommen gerne zum Ernten und entlohnen auch in flüssiger Form. Und ihr Stöffchen ist ausgezeichnet, im wahrsten Wortsinn: Erst im April gewannen sie die Apfelweinprämierung der NABU Gruppe Rodgau, deren Stöffchen von der Geschmacksrichtung „Sauerampfer“ bis zum „exzellenten Tröpfen“ gingen. Kontakt: kelterfreunde@gmx.de oder stefan.hornung@gmx.net

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Quelle: op-online.de

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