Keine Toilette, kein Container - Bahn bessert jetzt nach

Schlechte Arbeitsbedingungen am Bahnübergang

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Von Hand sichert ein Posten den Bahnübergang mit einer Girlande. Nach Reklamation unserer Zeitung bekommen die Mitarbeiter dort nun eine Toilette und einen Aufwärmplatz.

Urberach - Die Arbeitsbedingungen am Bahnübergang Am Zilliggarten sind unter aller Kanone. Das Personal, das den Übergang dort quasi als lebendige Bahnschranke mit Girlanden sichert, hat keine Toilette. Und auch keinen Container, in dem man sich aufwärmen könnte. Von Bernhard Pelka

Minus fünf Grad. Wenigstens scheint die Sonne. Trotzdem ist es lausig kalt am Bahnübergang Am Zilliggarten. Eisiger Wind beißt im Gesicht auf der Haut. Von unten kriecht die Kälte in die Schuhe. Klar: Der Boden ist gefroren. Ein Mann in knalloranger Arbeitskleidung sichert den Bahnübergang bei Zugverkehr für Autofahrer und Passanten von Hand mit einer Flattergirlande. Kommt ein Zug, hängt er das Band ein und keiner kommt drüber. Der Mitarbeiter möchte zu seinen Arbeitsbedingungen im Freien aus Loyalität seinem Arbeitgeber gegenüber nichts sagen. Der Presse schon gar nicht. Das muss er auch nicht. Jeder sieht, dass er friert. Denn einen Container zum Aufwärmen gibt es an seinem Arbeitsplatz nicht. Auch keine Toilette.

Spaziergängern ist das längst aufgefallen. Nur der Bahn nicht. Sie hat die Absicherung des Übergangs an einen Subunternehmer vergeben. Am vierten Tag nach unserer Anfrage teilt die Bahn-Pressestelle bedauernd mit: „Leider hat der mit der Sicherung des Bahnübergangs von uns beauftragte Subunternehmer nicht die arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen, die im Bahn-Konzern vorgegeben sind, eingehalten. Als Sofortmaßnahme werden wir über ein hausinternes Dienstleistungsunternehmen die Organisation einer Aufenthaltsmöglichkeit mit sanitären Anlagen veranlassen, um so die Bedingungen vor Ort für die Bahnübergangsposten – vor allem in der bereits angebrochenen kalten Witterungsperiode – zu verbessern.“

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Nach einem Verkehrsunfall (Blinklichtverstoß durch eine Pkw-Fahrerin) im September musste der Bahnübergang zunächst außer Betrieb genommen werden. Um den Bahnbetrieb aufrechterhalten zu können und zur Wahrung der Betriebssicherheit wird diese Schienenquerung seither behelfsmäßig von Posten mit Flattergirlanden, wie man sie als Saal-Schmuck aus der Fastnacht kennt, gesichert. „In der Regel begrenzt sich der Einsatz solcher übergangsweisen Sicherungsmaßnahmen auf den Zeitraum bis zur ordnungsgemäßen Entstörung/Instandsetzung der BÜ-Sicherungsanlage“, teilt die Bahn mit. Im vorliegenden Fall sei aufgrund des Schadensausmaßes allerdings eine vollständige Erneuerung der Sicherungsanlage des Bahnübergangs erforderlich. „Die hierfür notwendigen Planungen für die technische Neuausrüstung des BÜ durch die DB Netz AG laufen bereits.“ Da nach Gesprächen mit der Stadt wohl von einer Aufrechterhaltung des Straßenverkehrs dort ausgegangen werden müsse, werde die DB Netz AG auch die behelfsmäßige Postensicherung weiterhin aufrechterhalten müssen.

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Schon vor dem Unfall im September hatte der Bahnübergang im vergangenen Sommer wochenlang unter scharfer Beobachtung gestanden. Ein Anlieger hatte den Warnhinweis gegeben, die Signalanlage funktioniere nicht richtig. Wochenlang sicherten Posten den Übergang mit Flatterbändern ab, jede Zugfahrt wurde mustergültig dokumentiert, die Signalanlage nachgemessen. Es konnte kein Fehler festgestellt werden. (bp)

Quelle: op-online.de

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