Arbeitslosigkeit macht die Psyche kaputt

Ober-Roden (rob) - Nur etwa ein Drittel aller Klienten des Psychosozialen Zentrums „Die Brücke“ hat einen normalen Job. Mehr als ein Drittel bedarf der Unterstützung durch Hartz IV, weitere zehn Prozent beziehen Arbeitslosengeld oder Grundsicherung.

20 Prozent leben von Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrente. Somit sieht sich die Diakonie in ihrer Ansicht bestätigt, dass Arbeits- und Perspektivlosigkeit psychisch krank machen.

Wie aus dem Arbeitsbericht für 2010 hervorgeht, betreute die Psychosoziale Kontakt und Beratungsstelle (PSKB) im vorigen Jahr 225 Menschen. Der Altersschwerpunkt lag bei 40 bis 50 Jahren; wie auch in den Jahren zuvor suchten mit 57 Prozent mehr Frauen als Männer die Beratungsstelle auf. 70 Prozent der Klienten kommen aus Rodgau und Rödermark, 21 Prozent aus Dietzenbach, die übrigen 9 Prozent setzen sich aus Menschen aus Heusenstamm, Mainhausen, Seligenstadt, Obertshausen und Neu-Isenburg zusammen, auch aus anderen Teilen des Kreises kommen Ratsuchende in „Die Brücke“.

Über ein Drittel der PSKB-Klienten leiden an Neurosen und Belastungsstörungen. Ein weiteres Drittel haben affektive Störungen. An Persönlichkeitsstörungen leiden 18 Prozent, und an Schizophrenie sind 16 Prozent erkrankt.

834 Beratungsgespräche geführt

Mit den Klienten haben Leiterin Gudrun Pfahl und ihre Kollegen 834 Beratungsgespräche geführt, es fanden sowohl Einzel- und Paargespräche als auch Familienberatungen statt. Dabei wurde über psychologische Erkrankungen und weitere Hilfen informiert und Problem-, Konflikt- und Krisenbewältigungshilfen erarbeitet.

Im Vergleich zum Jahr 2009 fällt auf, dass Leistungen wie zum Beispiel Hausbesuche und Begleitungen zu Ärzten, Behörden und anderen Diensten zugenommen haben. So waren die Mitarbeiter im Jahr 2009 nur 13 Mal als Begleitung mit den Klienten unterwegs, im Jahr 2010 mussten sie 20 Mal mit zum Arzt oder zu einer Behörde.

Viele Arbeitslose sind sozial isoliert und haben Drogenprobleme. Auch Depressionen und Antriebslosigkeit sorgen dafür, dass sie nur selten oder überhaupt keinen Ausweg aus der Spirale von Arbeitslosigkeit und psychischer Erkrankung finden.

„Die Brücke“ hat deshalb mit dem kommunalen Jobcenter „Pro Arbeit“ das Projekt „Arbeitsförderung mit gesundheitlicher Ausrichtung“ (AmigA) ins Leben gerufen. Es soll Langzeitarbeitslose mit psychischen Erkrankungen bei der Jobsuche unterstützen. Diese Menschen sind auf regulärem Weg nur schwer zu vermitteln.

Zu Beginn wird nach einer eingehenden Diagnostik die Problemlage erfasst. Dann folgt eine Beratung zur Verbesserung der Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit des Klienten. Die Mitarbeiter versuchen, die Betroffenen zu motivieren, sich in medizinische und/oder psychotherapeutische Behandlung zu begeben, um eine emotionale Stabilisierung herbeizuführen. Ist die psychologische Situation abgeklärt, wird begonnen, ein erwerbsbezogenes Leistungsbild der Person zu erstellen. Dieses Leistungsbild hilft dem Fallmanager von „Pro Arbeit“, einen Arbeitsplatz zu finden, der den Fähigkeiten entspricht.

Kochen, Backen oder Fahrradwerkstatt

DATEN & FAKTEN:

Das Psychosoziale Zentrum „Die Brücke“ bietet Hilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen und für Menschen, die von psychischer Erkrankung bedroht sind. Es ist eine Einrichtung des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau. 

- Die Adresse: „Die Brücke“, Wittenberger Straße 1, 63322 Rödermark, Tel: 06074 865440, E-Mail: psz.roedermark@diakonie-of.de. 

- Bürozeiten: Montag: 9 bis 15 Uhr, Dienstag bis Donnerstag: 9 bis 16 Uhr, Freitag: 9 bis 12 Uhr 

- Regelmäßige Termine: Montag, 9 bis 10 Uhr: Frühstück, Dienstag und Donnerstag, 15.30 bis 17.30 Uhr: Offener Treff, Sonntag, 14.30 bis 16.30 Uhr: Sonntags-Café, erster Dienstag im Monat, 19 bis 20.30 Uhr: Angehörigengruppe. 

- Unter der Leitung von Gudrun Pfahl kümmern sich ein Dutzend Diakonie-Mitarbeiter um psychisch Kranke und ihre Angehörigen.

In einer Tagesstätte bietet „Die Brücke“ beschäftigungstherapeutische Angebote. In einem lebenspraktischen Training kochen und backen die Klienten. Für arbeitsthearpeutische Behandlungsverfahren stehen eine Druckerei, eine Holz- und eine Fahrradwerkstatt zur Verfügung. Freizeitangebote wie Ausflüge und Kinobesuche runden das Programm ab.Auch Betreutes Wohnen bietet die Diakonie für mehr als 70 Klienten an. Dort wird den Menschen die Möglichkeit gegeben, Struktur in ihren Tagesablauf zu bringen und kreativ zu arbeiten. Auch hier wird mit lebenspraktischem Training der Umgang mit alltagstypischen Situationen gelernt.Betreutes Wohnen findet bei der „Brücke“ nicht bloß in Wohngemeinschaften statt, auch Hausbesuche in der eigenen Wohnung sind möglich. So unterstützen die Mitarbeiter psychisch erkrankte Menschen dabei, in ihrer gewohnten Umgebung so selbstständig wie möglich zu leben.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare