Der Orthopäde Dr. Michael May geht in den Ruhestand

Ein Arzt für Generationen

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Im Ruhestand wird Dr. Michael May genug zu tun haben: Er renoviert gerade sein Haus.

Ober-Roden -  Die Ära des Orthopäden Dr. Michael May im Ärztehaus in Ober-Roden geht zu Ende. 28 Jahre lang sorgte er in Ober-Roden für seine Patienten. Anfang dieser Woche wurde er 65; Ende nächster Woche geht er in den Ruhestand.

Ganze Generationen von Kindern und Jugendlichen haben sich in seiner Praxis untersuchen lassen, haben sich mit Sport- und Arbeitsunfällen hierher geschleppt, haben mit Krücken oder Gips die Praxis wieder verlassen, fühlten sich aber immer gut aufgehoben. Sie haben über stundenlanges Sitzen im Wartezimmer geflucht, aber waren froh, nicht erst in die Ambulanz einer der umliegenden Kliniken fahren zu müssen.

Vor einem Jahr hatte May seine Praxis, die er seit fünf Jahren alleine führte, an die Asklepios-Kliniken verkauft, mit rund 150 Gesundheitseinrichtungen Europas größter Klinikbetreiber. Damit wurde die Praxis ein Teil des Medizinischen Versorgungszentrums. Die Kliniken haben das Personal vollständig übernommen und haben auch eine Nachfolgerin für den Orthopäden, gefunden: Dr. Hrissanthi Hatzivassiliou, Fachärztin für Orthopädie, arbeitet seit Anfang Dezember bereits in der Praxis. Die gebürtige Griechin, die in Deutschland studierte und eine Zeit lang in Hanau praktizierte, führt die orthopädische Praxis ab Januar weiter.

Dr. Michael May kann sich nicht vorstellen, nach diesem Abschied noch einmal in die medizinische Versorgung zurückzukehren: „Die Einzelpraxis ist heutzutage ohnehin tot. Der Verwaltungsaufwand alleine durch Dokumentationen etwa ist so sehr angestiegen, dass immer weniger Zeit für den Patienten übrig bleibt“, bedauert der scheidende Arzt. Er freut sich aber, dass die Versorgung der Bevölkerung in Rödermark und Umgebung weiter gesichert ist. Das sei nicht in jeder Praxis gegeben, wie die Nachfolgersuche mehrerer Rödermärker Ärzte in letzter Zeit zeigte.

„Es gibt für Hausärzte kaum mehr Nachfolger – das ist für jüngere potenzielle Patienten nicht so schlimm, wohl aber für die älteren, die nicht mehr so flexibel sind“, sagt Dr. May. Er hat das Glück, dass er seine Patienten an seine Nachfolgerin weitergeben kann – die Asklepios-Kliniken wollten den Standort Rödermark, genau zwischen den Klinikstandorten Langen und Seligenstadt gelegen, nicht verlieren und haben sich deshalb lebhaft um die Nachfolge bemüht. „Der Standort bleibt, weil der Bedarf ja deutlich vorhanden ist.“

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

28 Jahre war Dr. Michael May Anlaufstelle für alle orthopädischen Problemfälle, viele Jahre davon mit Dr. Varde und teilweise auch mit Dr. Ljutkus gemeinsam, inzwischen aber schon fünf Jahre lang alleine in der Praxis im ersten Stockwerk des Ärztehauses im Breidert. Wenn er am 2. Januar nicht mehr an seinen Schreibtisch und zu seinen Röntgengeräten zurückkehrt, muss man sich aber keine Sorgen machen, dass er in das berüchtigte Loch fallen könnte: Der Frankfurter Bub, der nach dem Studium über Groß-Umstadt, Nürnberg und Aschaffenburg nach Nieder-Roden und anschließend nach Rödermark gekommen war, steckt gemeinsam mit seinen Söhnen mitten im Renovieren seines Hauses, „da brauche ich locker noch ein Jahr dafür“.

Der Mediziner kocht leidenschaftlich gerne, vor allem für private Veranstaltungen. Er kocht auch mal bei Ferienfreizeiten und hat auch schon einen Kinderkochkurs mitveranstaltet. Er spielt Golf. Und er erkundet die Welt auf Studienreisen. Wenn der Orthopäde Michael May die Praxis nächste Woche verlässt, plant der Mensch Michael May längst schon seine Zukunft. (chz)

Quelle: op-online.de

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