Asbest in der Halle Urberach

Die Luft ist fast wieder rein

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Fürs Foto durfte die Schleuse einen Moment auf bleiben. Doch ansonsten ist das Gerüst rundum dicht, damit bei den letzten Arbeiten ja keine Asbestfaser mehr in die Halle gelangt.

Urberach - Gut 15 Kubikmeter Asbestplatten haben Vorarbeiter Güven Altay und seine Kollegen von der Firma Resorg von den Stahlträgern der Halle Urberach geschraubt und staubdicht verpackt. Ende der Woche soll dieser Teil der Sanierung, der heikelste, abgeschlossen sein. Von Michael Löw

Mitte Mai hatte Erster Stadtrat Alexander Sturm die so genannte Brandschutzertüchtigung gestoppt. Handwerker hatten die Verkleidung der Träger beschädigt, dabei gelangte Asbest in die Luft. 5 000 der krebsauslösenden Fasern wurden pro Kubikmeter gemessen. Der Grenzwert liegt bei 500 Fasern/Kubikmeter. Die gute Nachricht: Verschmutzt war nur Luft in der eigentlichen Sporthalle und den Umkleiden. Im Mini-Kindergarten „Rappelkiste“ und im Restaurant „Zagreb“ lief der Betrieb weiter, hier war die Luft rein. Dank Altay und seinen Männern ist sie"s jetzt auch in der Halle selbst. „Nach der Vorreinigung ergab eine Messung eine Belastung von 100 Fasern pro Kubikmeter Raumluft“, sagte Sturms Nachfolger Jörg Rotter gestern bei einem Ortstermin in der Halle. Die darf seither ohne Schutzkleidung betreten werden.

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Lediglich in zwei knapp acht Meter hohen Gerüsttürmen sind noch Atemmaske und Einwegoverall nötig. Ein solcher Turm steht an den letzten Stahlträgern, von denen die asbesthaltige Verkleidung noch entfernt werden muss. Der Turm ist hermetisch abgeschlossen, die Arbeiter dürfen ihn nur durch eine Schleuse betreten. Bei Unterdruck schrauben sie die Platten ab und verpacken sie sofort in dicke schwarze Plastiksäcke. Ein Filtersystem reinigt pro Stunde 3 200 Kubikmeter Luft in den Türmen. Seit Montag ist das Arbeiten dort ein bisschen angenehmer. „Vorige Woche hatten wir 40 bis 45 Grad. Da konnten die Leute höchstens eine Stunde arbeiten und mussten dann eine Pause machen“, schildert Architekt Christos Karawassilis.

Sind alle Asbestplatten weg, werden die Träger nochmals trocken und nass gereinigt, bevor die letzte Messung endgültig Klarheit schafft. Parallel laufen die Vorbereitungen für die Montage der neuen Lüftungszentrale, der Rauchabzugs- und Sprinkleranlage. Nach 38 Betriebsjahren musste die Halle Urberach brandschutztechnisch auf den Stand der Zeit gebracht werden, sonst wären keine Großveranstaltungen mehr möglich gewesen. Die ursprünglich kalkulierten 2,2 Millionen Euro Sanierungskosten sind längst Makulatur. Und auch die Mehrkosten von 400.000 Euro, die Sturm wegen der Asbestbelastung veranschlagte, sind nach Ansicht Rotters noch nicht das Ende der Fahnenstange. Was die Stadt letztlich für die Runderneuerung der Halle zahlen muss, könne er derzeit nicht seriös sagen.

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Denn immer wieder tauchen unliebsame Überraschungen auf. Jüngstes Beispiel: Der Betriebshof musste die Tribünen abmontieren, weil die Fachleute dahinter einen rund 10 Zentimeter breiten Asbeststreifen entdeckt hatten, der sich über die ganze Länge der Halle zog. Warum er eingebaut wurde, ist selbst Architekt Karawassilis ein Rätsel. Auch das kommt weg. „Theoretisch hätten wir es drin lassen können. Aber dann hätten wir alle fünf Jahre Luftmessungen vornehmen müssen“, beschreibt Monika Rühr, die technische Leiterin der Kommunalen Betriebe (KBR), die billigere Lösung, die gleich wieder verworfen wurde.

„Ich würde niemals nie sagen“, beantwortete Stadtrat Rotter die Frage nach weiteren möglichen Belastungen. Läuft die Sanierung von jetzt an planmäßig weiter - teilweise legen die Handwerker Nachtschichten ein -, könnte die Halle nach Weihnachten wieder öffnen. Eine Garantie geben aber weder Rotter noch die KBR-Chefin oder der Architekt. Klar ist hingegen, dass das Restaurant am 15. August wieder aufmacht. Die KBR nutzen den vierwöchigen Urlaub des Pächters, um Lüftung und Brandschutz in Küche und Lokal zu erneuern.

Quelle: op-online.de

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