Wiedereröffnung Monate später

Asbest verzögert Sporthallen-Sanierung

+
Das Thema Asbest ist für den Mini-Kindergarten „Rappelkiste“ keines. Vorstandsmitglied Stefanie Freier berichtete von Gelassenheit bei Eltern und Personal. Und selbst beim Tag der offenen Tür (Foto) fragten Eltern künftiger „Rappelkiste“-Kinder nach Betreuungszeiten und Gruppengrößen, nicht aber nach Schadstoffen. 

Urberach - Die schlechte Nachricht in Sachen Asbest vorweg: Die Sanierung der Halle Urberach dauert weit länger als geplant. Aber es gibt auch Positives zu vermelden. Von Michael Löw

Denn nicht jede verbaute Asbestplatte muss entfernt werden, und die Nutzer der unbelasteten Räume gehen überaus gelassen mit dem Problem um.

Erster Stadtrat Alexander Sturm informierte am Mittwochabend den Bauausschuss über den Stand der Dinge. Der Gutachter hat beispielsweise auch im Foyer der Halle Urberach Asbest gefunden. Aber solange nicht an diesen Bauteilen gebohrt oder gesägt wird, sieht der Experte keinen Grund zur Sorge. Sofort handeln - aber das ist seit Wochen bekannt - muss die Stadt bei den Stahlträgern in der Sporthalle. Die asbestbelastete Brandschutzverkleidung muss weg, weil sie zu Beginn der Sanierung teilweise beschädigt wurde. Dabei gelangten bis zu 5 000 Asbestfasern pro Kubikmeter in die Luft, zehnmal mehr als erlaubt.

Asbest war lange ein Universalbaustoff. Seit Jahrzehnten steht es im Verdacht, Lungenkrebs oder andere Krankheiten der Atemwege zu verursachen.

Handwerker haben Pause

Die Luft in der Sporthalle wird Sturm zufolge in den kommenden Tagen gereinigt, damit die Arbeit in den Fluren und Umkleidekabinen weitergehen kann.

In der Sporthalle haben die Handwerker Pause, bis Spezialisten alle Brandschutzplatten entfernt haben. Dazu müssen sie auch die Tribüne abbauen und machen den Zeitplan, der eine Wiedereröffnung am 19. August vorsah, zur Makulatur. „Wir bewegen uns da in ganz anderen Kategorien“, räumt Sturm ein. Im schlimmsten Fall kann die Stadt die Sporthalle erst Ende des Jahres wieder aufmachen.

Sturm, dessen Amtszeit am 30. Juni endet, will noch vor seinem Ausscheiden mit den Vereinen nach Ausweichlösungen suchen.

Während die Wogen in Politik und Verwaltung hoch schlagen, bleiben die Mieter der Nebenräume, in denen die Asbestbelastung weit unter dem Grenzwert von 500 Fasern je Kubikmeter Luft liegt, gelassen. Sauber sind das Restaurant „Zagreb“, der Keller, der Mehrzweckraum und der Mini-Kindergarten „Rappelkiste“. Denn die sind zum Teil schon saniert.

„Im Nachhinein keine gesundheitlichen Bedenken“

„Wir haben in den vergangenen Wochen keine Negativerfahrungen gemacht“, sagte Stefanie Freier vom „Rappelkiste“-Vorstand. Eltern bringen ihre Kinder ganz normal zur Betreuung. Stefanie Freier lobte den offenen Umgang der Stadt mit dem Asbestproblem. Stadtrat Sturm und Bürgermeister Roland Kern würden Fragen prompt und umfassend beantworten, „Rappelkiste“-Mitglieder waren Zeuge der Luftmessungen.

Lesen Sie hierzu:

SPD entfacht Streit um Asbest

Sanierung der Sporthalle vorläufig gestoppt

Die „Jägerblut“-Schützen sind etwas angesäuert, weil sie von der Asbestbelastung eine Etage über ihnen erst durch den Bericht in unserer Zeitung erfahren hätten. Danach sei aber auch bei ihnen gemessen worden - mit dem selben beruhigenden Ergebnis wie im Kindergarten oder im Restaurant. Was die Schützen allerdings auch nicht wundert. Denn sie erhielten den Keller Mitte der siebziger Jahre von der Gemeinde Urberach mit rohen Betonwänden und wissen, dass sie zum Ausbau nur harmlose Materialien verwendet haben.

Kein Aufreger ist das Asbest auch bei Männern, die in der Sporthalle lange ein und ausgingen. „Ich habe im Nachhinein keine gesundheitlichen Bedenken“, sagte Erwin Kuhrau. Solange Asbest hinter einer Verkleidung bleibe, gehe keine Gefahr von ihm aus. Und in den zwölfeinhalb Jahren, in denen er Hausmeister der Halle war, habe niemand diese Verkleidungen angerührt. Ähnlich sieht’s auch der Vorsitzende des BSC Urberach, dessen Handballer in der Halle trainieren und spielen: „Asbest ist nur gefährlich, wenn es geschnitten und gesägt wird. Ansonsten besteht kein Grund zur Nervosität.“

„Unverbaute Lage“ und „gut erhalten“: Das bedeuten Immobilien-Codes

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Quelle: op-online.de

Kommentare