23-jährige Autorin schildert Leben mit Colitis ulcerosa

Rödermark: Mila Quirin schreibt Roman über chronische Darmkrankheit

Auf ihr „Bauchflüstern“ hat Mila Quirin gehört und ihren ersten Roman geschrieben.
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Rödermark: Auf ihr „Bauchflüstern“ hat Mila Quirin gehört und ihren ersten Roman geschrieben.

Die rührige Rödermärker Literaten-Szene ist um einen Namen reicher geworden. Mila Quirin hat ihren ersten Roman über ein Thema geschrieben, das man normalerweise im Sachbuch-Regal sucht. „Bauchflüstern“ erzählt die (Leidens)-Geschichte einer jungen Frau mit einer chronischen Darmentzündung, Colitis ulcerosa.

Rödermark - Mila Quirin ist Autorin und fast namensgleiche Hauptperson Mina in einem. Die inzwischen 23-jährige Biologiestudentin hat Colitis ulcerosa, seit sie 16 ist. „Bauchflüstern“ gibt viel vom Leben der Ober-Röderin preis, die unter einem Pseudonym schreibt. Sie will informieren, weil selbst enge Freunde oder Kommilitonen noch nie von Colitis ulcerosa gehört haben. „Keine Ahnung, wie sich deine Krankheit auf den Alltag auswirkt“, kriegt sie immer wieder zu hören.

Mila Quirin hat viele Medikamente probiert. Die Entzündung bekam sie mit einem Immunsuppressivum in Griff, dessen Antikörper wirkten. Mit einem geschwächten Immunsystem gehört sie zur Risikogruppe und kann immerhin auf eine schnellere Corona-Impfung hoffen als alle anderen 23-Jährigen. Viele aus dieser Altersgruppe ernähren sich vegetarisch oder vegan. Mila Quirin dagegen verträgt wegen ihrer Krankheit weder Obst noch Gemüse. „Alles, was ballast- und zellstoffreich ist, ist meinem Darm zu anstrengend“, sagt sie. Nudeln, Fleisch, Fisch und Nüsse bestimmen ihren Speiseplan.

„Bauchflüstern“ ist der erste Roman auf dem deutschen Buchmarkt, der sich in einer zusammenhängenden Geschichte mit Verdauung und Darm auseinandersetzt. Selbst viele der mehrere hunderttausend Colitis ulcerosa-Patienten in Deutschland reden nicht gern über ihre Krankheit.

Mila Quirins Hauptperson Mina sagt aber, was Sache ist. Zum Beispiel, wenn der nächste Durchfall im Bauch rumort: „Glücklicherweise war der Bus schon in Darmstadt angekommen und lediglich zwei Haltestellen vom Luisenplatz entfernt. Das angrenzende Einkaufscenter war stets ihre Notfalllösung im Hinterkopf. Nun hieß es, Pobacken zusammenkneifen und Ruhe bewahren.“

Wie die echte Mila kämpft auch die erfundene Mina aus Ober-Roden mit – oder gegen? – Körper und Psyche und der Frage, wie sie ihr Leben wieder unter Kontrolle bringt. In beiden Fällen hilft Hund „Einstein“. Er ist der positive Gegenpol zur Krankheit und schafft es, die Wende im Leben der jungen Frauen einzuleiten.

Mila Quirins Biostudium ist übrigens kein Zufall. „Ich will verstehen, was in meinem Körper vorgeht“, sagt sie und nennt ihr Berufsziel: „Ich will in die Darmforschung gehen.“ Lebenshilfe nur mit Literatur ist ihr zu wenig.

„Bauchflüstern – Liebe und andere Komplikationen“ ist am 6. Dezember vorigen Jahres erschienen. Möglich gemacht hat"s Crowdfunding. Eine Menge Kleinstanleger, die Crowd, bringen das Startkapital von oft nur ein 2 000 oder 3 000 Euro zusammen.

Die ersten Leserstimmen bestätigen Mila Quirins Entscheidung. „Ich sitze selten da wegen einem Buch und weine, aber sie hat es geschafft. Ich liebe die Einblicke in ihre Gedankenwelt, die meiner sehr ähnlich sind“, steht in einer E-Mail. Und eine andere Leserin schreibt: „Es hat mich gefesselt wie noch kein anderes Buch zuvor. Und ich habe einiges erkannt, was ich bisher nicht so gesehen habe.“ (Michael Löw)

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