Aufstiegskandidat im Jubiläumsjahr

Die Meistermannschaft von 1957/58: Der Hessenpokal zählt zu den größten Erfolgen.

Urberach - (fma) 1909 war sportlich gesehen ein ereignisreiches Jahr. Es war die Geburtsstunde des Giro d‘Italia, eines der größten Etappenrennen des Radsports, und des Ballspielvereins Borussia Dortmund. Und in der südhessischen Provinz gründete eine Gruppe von Fußballverrückten den FC Viktoria 09 Urberach. Zehn Dekaden später feiert der Verein sein 100-jähriges Bestehen.

Damit es überhaupt so weit kommen konnte, waren Glück, Durchhaltevermögen und vor allem Leidenschaft vonnöten. Denn im frühen 20. Jahrhundert genoss der Fußball eine schwache Reputation; seine Anhänger wurden von den auf Ordnung bedachten Bürgern stets kritisch beäugt. Damals galt es als undiszipliniert und geradezu unmoralisch, einem kleinen Lederball hinterherzurennen, noch dazu in kurzen Hosen. Volkssport war das Turnen, das als Ideal für die Leibesertüchtigung angesehen wurde.

Bei so manchem Bürger muss der berühmte Dorn im Auge wohl ziemlich tief gesteckt haben. Denn sogar vor Boykottmaßnahmen wie dem Durchsägen von Torpfosten oder der Verleumdung von Spielern schreckten viele nicht zurück. Doch der FC Viktoria konnte sich der Unterstützung des Pfarrers Josef Becker sicher sein, der sich, selbst ein Freund des runden Leders, immer wieder für die Fußballer einsetzte. Becker war es auch, der dem Verein kostenlos ein Gelände auf dem Pfarrgut am Bergweg zur Verfügung stellte.

So überstand die Viktoria die schwierigen Anfangsjahre unbeschadet. 1914 zählte sie bereits 60 Mitglieder und nahm erstmals am regulären Spielbetrieb des DFB teil. Auch der Erste Weltkrieg, auf dessen Schlachtfeldern viele Viktoria-Sportler ihr Leben ließen, konnte der Liebe zum Fußball keinen Abbruch tun.

Mithilfe von Krediten schafften es die Urberacher 1921 dann, eine eigene Sportstätte an der Dieburger Straße zu errichten. Dort wurden in den folgenden Jahren tolle Erfolge gefeiert. Der Pokal des Süd-Main-Kreises und der Gaumeistertitel 1926 waren die ersten Titel, die die Viktoria gewann. Der Weg führte steil nach oben und wurde 1929 mit dem Aufstieg in die Bezirksliga Hessen gekrönt. In der damals höchsten deutschen Spielklasse (die Bundesliga wurde erst 1963 gegründet) hielten sich die Urberacher immerhin drei Jahre. Dem Abstieg 1933 folgte eine schwierigere Phase, in der sich die Viktoria wegen der zahlreichen Auf- und Abstiege den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft erwarb.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging es für die Urberacher wieder bergauf. 1957 stieg die Mannschaft in die höchste deutsche Amateurliga auf. Im ersten Jahr sorgten die Urberacher ähnlich wie heute die TSG Hoffenheim für Furore. Der sensationelle zweite Platz und der Hessenpokal 1958 gehören zu den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte.

In den 60-er Jahren veränderte sich das Gesicht des Vereins zunehmend. Der Bau des Clubheims (1961), der Gaststätte (1965) und eines zweiten Spielgeländes mit Flutlicht (1969) schufen ideale Rahmenbedingungen für erfolgreichen Amateursport.

Anfang der 80-er Jahre endete die Ära des reinen Fußballvereins Viktoria. 1981 nahm die Tennisabteilung auf vier eigenen Plätzen den Spielbetrieb auf und gehört seitdem zum Besten, was im Kreis Offenbach dem Filzball hinterherjagt. Zudem bietet die Viktoria ein ausgewogenes Gymnastikprogramm.

Dank ihrer guten Jugendarbeit schaffen es die Urberacher bis heute, in jeder Saison eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Nicht umsonst gehört die Viktoria derzeit zu den heißesten Kandidaten auf den Aufstieg in die Regionalliga. Es wäre ein glanzvoller Erfolg im Jubiläumsjahr, der allerdings aufgrund der strengen Statuten des DFB für die Urberacher kaum zu stemmen ist. Dennoch, die Gründerväter wären sicher stolz, wenn sie wüssten, dass allein in ihrem Verein knapp 600 Mitglieder dem Fußballsport verbunden sind; ganz zu schweigen von den knapp 6,5 Millionen Fußballfreunden im DFB.

DATEN

 Die akademische Feier ist heute, Samstag, um 19 Uhr in der MTV-Halle.

 Der Friedhofsgang findet am 26. April statt.

 Vom 18. bis 22. Juni feiert die Viktoria an fünf Abenden mit verschiedenen Bands.

 Der Festumzug ist am Sonntag, 21. Juni.

 Die Bayern-München-Allstars spielen am 21. August gegen eine Auswahl von Germania und Viktoria.

Quelle: op-online.de

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