Begleitung auf dem letzten Weg

+
Fotograf Dieter Gölzenleuchter und Susanne Krause, Abteilungsleiterin des ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes der Johanniter-Unfallhilfe in Rodgau, bei der Eröffnung der Ausstellung „Tod und Begleitung“ in der Evangelischen Kirche Ober-Roden.

Ober-Roden (chz) - Schwarzweiß-Fotografien rund um ein Thema, das jeder Mensch lieber verdrängt: der Tod und seine Begleitung, oder besser die letzten Dinge, die damit zu tun haben.

Zwanzig Bilder aus einer rund 50 Exponate umfassenden Wanderausstellung zeigt der Büttelborner Fotograf Dieter Gölzenleuchter derzeit in der Evangelischen Kirche Ober-Roden. Bilder, mit denen er nicht schockieren will, sondern sich behutsam und respektvoll des Themas Tod und Geleit annimmt.

Gestapelte Einfach-Särge in einer Großschreinerei, eine Collage von Trauerkarten, zwei Urnen, ein Abschiedsraum in einem Krankenhaus oder eine Aussegnungshalle. Nie stehen die Verstorbenen direkt im Zentrum, es bleibt bei der Annäherung an die damit verbundenen letzten Dinge und Menschen. Ein paar vorbereitete Seile am offenen Grab, Grabsteine, ein Steinmetz bei der Arbeit, einzig ein paar gefaltete Hände lassen die Fantasie der Betrachter weitergleiten.

Durch Zufall zu diesem Thema

Fotos in einer Kirche? Bilderverbot in der Bibel? Pfarrer Carsten Fleckenstein näherte sich diesem Thema bei der Vernissage. Keine Götzenbilder, kein Einfrieren und Festhalten von Lebendigem, sich Veränderndem – das mag sein. Doch Tote verändern sich nicht mehr; der Fotograf zeigt Gesichter des Todes anhand unterschiedlicher Objekte zum Thema Sterben, Bilder vom Tod als Appell an die Lebenden.

Dieter Gölzenleuchter kam mehr durch Zufall zu diesem Thema – der Hobbyfotograf und freie Mitarbeiter beim Darmstädter Echo stellte nach vielen Ausstellungsbesuchen fest, dass es keine Ausstellung zum großen Tabu Tod und Sterben gibt. So machte er sich mit der Kamera auf den Weg.

Mit seinem Ergebnis wurde er zum Vermittler hin zur Hospizarbeit. „Hospizarbeit heißt einen Menschen auf seinem letzten Lebensabschnitt begleiten, seinen Angehörigen zur Seite zu stehen, aber vor allem, das Sterben mit auszuhalten“, erläuterte bei der Ausstellungseröffnung Susanne Krause, Abteilungsleiterin des ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes der Johanniter-Unfall-Hilfe in Rodgau (JUH), die sich mit um die Ausstellung in den bemüht hat. „Dieter Gölzenleuchter beleuchtet mit eindringlicher Genauigkeit letzte Dinge und Begleiter rund um den Tod.“

Themen Abschied, Sterben, Tod und Trauer aus der Tabuzone holen

Zwischen der JUH und der Evangelischen Kirche Ober-Roden gibt es länger schon gute Kontakte, etwa durch Gedenkgottesdienste, mit denen haupt- und ehrenamtliche Hospizmitarbeiter der von ihnen begleiteten Toten gedenken und gemeinsam mit deren Familien Abschied nehmen. „Wir hatten im vergangenen Jahr 124 verstorbene Patienten – da brauchen wir auch ein Ritual des Abschieds.“

Sie ist noch bis Freitag, 27. April, jeweils von 10 bis 11.30 Uhr und von 16 bis 18 Uhr zu sehen und wird von Mitarbeitern der JUH Hospizarbeit begleitet. Die vollständige Ausstellung mit allen Exponaten ist ab der Eröffnung am Montag, 7. Mai, um 19 Uhr in den Räumen der JUH in Nieder-Roden zu sehen.

Hospizarbeit leistet einen Beitrag, schwerstkranke und sterbende Patienten ganzheitlich in der häuslichen Umgebung zu versorgen, gemeinsam mit Hausärzten, Seelsorgern, Pflegediensten, Psychologen, Palliativteam und Apotheken. Die JUH Hospizarbeit hat derzeit rund 50 ausgebildete Hospizhelfer in Rodgau/Rödermark und Dreieich. Die Mitarbeiter der JUH Hospizarbeit werden in einer 100-stündigen Schulung in der Winkelsmühle Dreieich auf diese Begleitung vorbereitet. Deren Themen richten sich nach den Bedürfnissen der Sterbenden – soziale, spirituelle und geistige ebenso wie körperliche Bedürfnisse.

„Hospizarbeit ist eine Bürgerbewegung und hat das gesellschaftliche Ziel, die Themen Abschied, Sterben, Tod und Trauer aus der Tabuzone zu holen und Berührungsängste abzubauen“, erläutert Susanne Krause. Gerade deshalb ist die Ausstellung der Fotographien von Dieter Gölzenleuchter so wertvoll. Sie ermöglicht es, über das Betrachten ins Gespräch zu kommen. Eine Bilderbuchausstellung der Stadtbücherei zum Thema Umgang mit Kindern rund ums Thema Tod ergänzt die Ausstellung.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare