Autorität am Ball und in der Bütt

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So kennen ihn die meisten Rödermärker und darüber hinaus viele Menschen in der Region: Boris Reisert mit seinen schier endlosen, rasanten Redesalven in der Bütt.

Ober-Roden ‐ Premiere für Schiedsrichter Boris Reisert auf internationaler Ebene: am kommenden Dienstag, 16. November, pfeift er das Freundschaftsländerspiel der U18 Deutschland gegen Türkei in Bingen. Von Christine Ziesecke

Seine sportliche Karriere begann er bei der TG Ober-Roden. Inzwischen ist er einer von zwei namhaften Referees im Fußballkreis Dieburg.

Deutschland gegen Türkei – wird ihm da nicht etwas mulmig? „Das gibt keine Probleme, da muss man nur konsequent sein. Die zwei Mannschaften wollen gewinnen und ich will gut pfeifen – also kein Problem“, sagt der Mann für Freistoß und Elfmeter selbstbewusst. Leider wird das Freundschaftsspiel nicht im Fernsehen übertragen, da zeitgleich ein Qualifikationsspiel der U 19 läuft.

Normalerweise ist der 24-Jährige Woche für Woche bundesweit in der dreigeteilten A-Jugend-Bundesliga unterwegs. Trotzdem wimmelt er bescheiden ab: „Deshalb bin ich jetzt aber noch lange kein Bundesliga-Schiedsrichter“ – noch nicht, aber es bleibt wohl abzuwarten, wenn alles gut geht.

Wie kommt man plötzlich zur Leitung eines Länderspieles? „Nach der Schiedsrichteraffäre um Manfred Amerell hat sich einiges geändert, der neue Ansetzer setzt jetzt ab und zu auch Jugendschiedsrichter bei internationalen Partien ein.“

So kennen ihn wohl die wenigsten Rödermärker: als einen der beiden einzigen Schiedsrichter aus der Region auf bundesweitem Parkett. Boris Reisert pfeift am kommenden Dienstag mit der U18-Partie Deutschland-Türkei sein erstes Länderspiel.

Zwei Spiele pfeift Boris Reisert im Schnitt pro Woche. Außer der A-Jugend-Bundesliga sind das noch zahlreiche Einsätze in der A- und B-Jugend Hessenliga. Zusätzlich wird er noch deutschlandweit in der nächst-höheren Klasse, der Regionalliga, als Schiedsrichterassistent eingesetzt und muss sich dafür auch richtig fit halten. Reich wird der Student davon sicher nicht – neben den Reisekosten gibt es pro Spiel eine kleine Aufwandsentschädigung. Die Liebe zum Fußball und das Können steckt bei Familie Reisert im Blut: auch Bruder Michi, gerade 14 geworden, wandelt auf Boris’ Spuren: er pfeift inzwischen auch, ab Dezember sogar in der C-Jugend, wo er sich gegenüber etwa gleichaltrigen 13- bis 15-Jährigen spielend und pfeifend Respekt verschafft.

Der 16. November ist für Boris Reisert ein schöner Schritt nach vorn. Doch auch der gerade vergangene 11. 11. war für den wortgewandten jungen Mann wieder ein Stichtag. Das Eigengewächs der TG steht seit seinem siebenten Lebensjahr nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch auf der Bühne, ebenso wie seine Eltern und seine Brüder.

Seine messerscharfen und geschliffenen schnellzüngigen Büttenreden begeistern seit fast zehn Jahren schon in den Fremdensitzungen. Mittlerweile sind sie ein Höhepunkt des Abends.

Am gestrigen Freitag hat er auch diese frische Kampagne mit einem Auftritt in Offenbach-Rumpenheim eröffnet.

Mit dem wortgewaltiger Beitrag „Der Umzug“, dessen unvergleichlicher Charme auf nicht enden wollenden Aufzählungen beruht und die Zuhörer fast an die Grenzen des Zuhörens bringt, hat Boris Reisert im vergangenen Jahr den Sprung ins Fernsehen geschafft.

Auch dieses Jahr steht er wieder in der Auswahl für die hessische Fassenacht: „Ich hab aber vor Januar keine Zeit, meinen neuen Vortrag zu schreiben – bis dahin bin ich erst mal mit meiner Examensarbeit beschäftigt“, sagt er und lächelt dabei fast ein bisschen verlegen. Schließlich studiert Boris Reisert ganz nebenbei auch noch Mathe und Geschichte fürs Lehramt.

Quelle: op-online.de

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