Autos und Mopeds mit Charakter

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Ottmar Günther schreibt nicht nur über Oldtimer, sondern sammelt auch welche: auf einem Treppenabsatz parkt eine NSU-Pony aus dem Jahr 1941.

Urberach - „Fünf Pfund Eisen, fünf Pfund Lack - fertig ist der Hanomag!“ In den fünfziger Jahren baute die deutsche Industrie robuste Autos mit Charalter, aber ohne technischen Firlefanz und elektronische Spielereien. Die Traditionsmarken der Wirtschaftswunder-Zeit haben es Ottmar Günther angetan. Von Michael Löw

Der 56-jährige Neu-Urberacher widmet ihnen ein Buch, das Ende 2009 erscheinen soll. Blut geleckt - eigentlich müsste man sagen: Benzin geschnuppert - hat er vor mehr als 30 Jahren in Sprendlingen. Da gründete er mit ein paar Schnauferl-Freunden den Fahrzeugveteranen-Verein Dreieich. 2007 veröffentlichte Günther sein erstes Buch „Die Region Dreieich wird mobil“, das die Zeit von 1900 bis etwa 1950 beleuchtet.

Info-Ecke

Ottmar Günthers Erstlingswerk „Die Region Dreieich wird mobil“ erschien im Hayn-Verlag, 63303 Dreieich.

Es kostet 15 Euro und kann über jede Buchhandlung bestellt werden.

Auch der Verlag selbst vertreibt es.

In Stadtarchiven hatte er nach frühen Auto- und Motorradbesitzern gefahndet und etliche Anekdoten rund Holzvergaser, Hundebomben und echte Volks-Wagen ausgegraben. Hundebomben sind übrigens Feuerwerkskörper, die man vor 100 Jahren ungestraft aus dem seinerzeit meist offenem Automobil werfen durfte, wenn Bello & Co. zur Attacke übergingen.

Geschichten wie diese sind das Tuning im Autobuch.

Leser unserer Zeitung - egal, von wo sie kommen - sind herzlich eingeladen, über ihre Fahrzeuge der fünfziger Jahre zu berichten. Ottmar Günther freut sich unter 0160 93231418 auf Anrufe.

Die fünfziger Jahre interessierten Ottmar Günther dann aus zweierlei Gründen. „Zu Zeiten des Wirtschaftswunders war die Vielfalt an Fahrzeugen am größten“,denkt er fast schon wehmütig an Goggomobile, Käfer mit Brezelfenster oder Kadetten und Kapitäne von Opel zurück. Außerdem will er in seinem zweiten Buch beleuchten, wie wachsender Wohlstand den Durchschnitts-Deutschen mobil machte.

Auch seine Eltern kauften damals ihr erstes Auto: eine BMW-Isetta. Nicht den allseits bekannten Fronteinstiegler mit zwei, sondern das Familienmodell mit fünf Sitzen. Die Garage bauten die Günthers exakt passend für dieses Auto, für den Nachfolger war sie schon so klein. Aber das, so Ottmar Günther, sei vielen in diesen Jahren so gegangen, denn mit dem Sparkonto wuchs auch das Auto.

Rechtzeitig zur Verlobung am 31. Mai 1959 hatte Josef Sturm aus Urberach seinen Hanomag, Baujahr 1934, wieder aufgemöbelt. Bis Oktober 1962 versah der Fahrzeug-Veteran treue Dienste in Sturms Geschäft.

Zu den Zeitzeugen, die er für sein neues Buch interviewte, gehörten auch seine Schwiegereltern Josef und Hildegard Sturm aus der Darmstädter Straße. „Mit dem Hanomag ins Eheglück“ hat Ottmar Günther dieses Kapitel überschrieben. Besagten Hanomag, Baujahr 1934, hatte Josef Sturm für 1 200 Mark von seinem Cousin Edmund Müller gekauft. 1958 ließ Sturm ihn generalüberholen: Die Chromteile wurden erneuert, Dellen wurden ausgebeult, die Karosserie wurde grün lackiert. Rechtzeitig für die Verlobung am 31. Mai 1959 erstrahlte das gute Stück wieder im alten Glanz. Hildegard Sturm beeindruckten die hellen Ledersitze: „Man saß wie auf einem Sofa. Vergleichbare Sitzgelegenheiten hatten wir erst wieder viel später in unserer Wohnung.“

Quelle: op-online.de

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