Bahnhof Ober-Roden

Aufwertung beiderseits der Gleise

+
Erfolgreich versuchte sich Bürgermeister Roland Kern gestern als Baggerfahrer und nahm den ersten Spatenstich für die Parkplätze mit maschineller Hilfe vor. 

Ober-Roden - Stillstand und Verfall am Ober-Röder Bahnhof sind bald Vergangenheit. Bürgermeister Roland Kern stieg gestern in den Bagger und startete den Bau von 45 Pendler-Parkplätzen nördlich des verwaisten Empfangsgebäudes.

Eine Mischung aus öffentlichen und privaten Investitionen soll das Bahnhofs-Umfeld zu einem Entrée für Ober-Roden machen.

Die Parkplätze, ein Radweg bis zur Schranke und die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes kosten nach Auskunft von Verwaltungschef Kern rund 660 000 Euro. Schwermetalle, Schlacke und Mauerreste im Boden verteuerten das Projekt um 225 000 Euro. Kern geht davon aus, dass jetzt aber keine Altlasten mehr entdeckt werden: „Jeder Kubikzentimeter Ober-Röder Boden wurde mehrfach beprobt.“

Laufen die Arbeiten nach Plan, können Mitte September die ersten Bahnkunden ihre Autos auf dem rund 2 600 Quadratmeter großen Geländestreifen abstellen. Die Parkplätze sind genormte 2,40 Meter breit. Dass solche Vorgaben kaum mehr der Realität entsprechen und große Autos Probleme haben, in die Lücken zu kommen, haben ADAC & Co. in mehreren Tests bewiesen. Doch normgerechte Parkplätze seien auch eine Frage des Geldes, sagte der Leiter der Rödermärker Bauverwaltung, Thomas Kron.

Apropos Geld

Apropos Geld: Magistrat und Verwaltung hatten überlegt, Gebühren für den neuen Parkplatz zu verlangen. Von diesen Plänen rückte Kern gestern vorsichtig ab. Er befürchtet, dass das Land dann seinen Zuschuss von 325 000 Euro teilweise oder ganz zurückfordert.

Auch auf der anderen Seite der Gleise könnten bald Bagger anrücken: Ein Investor will die Bahnhäuser in der Eisenbahnstraße sanieren.

Die Parkplätze sind der erste Schritt für eine groß angelegte Umgestaltung des lang gestreckten Areals beiderseits der Gleise. Am 14. Mai, so Kern, wollen der Magistrat und der Urberacher Projektentwickler Hans-Jörg Vetter den Kaufvertrag für das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude und etwa 250 Quadratmeter Vorplatz unterzeichnen. Vetter plant einen Mix aus Geschäften, einen Servicestore für Dienstleistungen der Bahn, Wohnungen und Gastronomie. Damit die Besucher genug Platz haben, lässt Vetter den Güterschuppen in moderner Interpretation, also mit viel Stahl und Glas, wieder aufbauen.

Bis zu den Sommerferien stehen vorbereitende Arbeiten zwischen Bahnhof und dem Bahnübergang Dieburger Straße auf dem Plan. Am Bahnübergang müssen Kanalrohre unter der Dieburger Straße verlegt werden, die deshalb vom 9. bis 12. Mai in beiden Richtungen gesperrt wird. In einem zweiten Bauabschnitt wird während der Ferien der Bahnhofsvorplatz umgestaltet. Der Platz muss dafür zeitweilig gesperrt werden, die werden Buslinien müssen umgeleitet.

In 150 Wohnungen umgewandelt

Noch mindestens zwei Jahre gehen ins Land, bevor das stillgelegte Galvanikwerk Hitzel & Beck in 150 Wohnungen umgewandelt werden könnte. Entsprechende Pläne hat die Früchtenicht GmbH aus Babenhausen Anfang März im Bauausschuss vorgelegt. Politiker aller Fraktionen reagierten positiv. Das Firmengelände ist hochgradig mit Produktionsresten verseucht, der Investor verpflichtet sich zu einer umfangreichen Bodensanierung. Weil Gefahr in Verzug war, hatte das Regierungspräsidium Darmstadt im Mai 2001 eine Zwangssanierung angeordnet und seither rund zwei Millionen Euro an Steuergeldern ausgegeben. Unter anderem wurden 420 Kubikmeter giftiger Chemikalien abtransportiert.

Lesen Sie auch:

Bahnhofsverkauf geht in die Verlängerung

Ein weiterer Investor hat Interesse an den beiden Backsteinhäusern in der Eisenbahnstraße bekundet. Unter Denkmalschutz steht nach den bisherigen Erkenntnissen der Stadt lediglich ein früheres öffentliches Klohäuschen auf dem Gelände, das der Bahn gehört. Am Denkmalschutz scheiterte bekanntlich vor zehn Monaten der Verkauf des Bahnhofs an eine Steuerberatungsgesellschaft aus Ober-Roden.

Quelle: op-online.de

Kommentare