Video-Überwachung

Vorsicht, Kameras!

Ober-Roden - Neun Kameras sollen den Bahnhof Ober-Roden sicherer machen. Nach mehr als fünf Jahren Diskussion, Planung und manchen Rückschlägen unterzeichneten Stadt, Bahn und Bundespolizei den Vertrag zur Videoüberwachung.

Die Anlage soll möglichst noch im Januar in Betrieb gehen. Eine Videoüberwachung am Bahnhof Ober-Roden hatte der Verein „Bürger für Sicherheit“ seit 2008 gefordert. Er begründete dies mit einer breit angelegten Umfrage unter Bürgern. Deren Tenor: Viele Leute haben abends ein mulmiges Gefühl, wenn sie zur Bahn gehen. Dieser Auffassung schloss sich die Stadtverordnetenversammlung an und beauftragte den Magistrat mit Verhandlungen.

Nachdem der erste Anlauf vor mehr als zwei Jahren an Abstimmungsproblemen vor allem zwischen der Bundespolizei und der Bahn ins Stocken geraten war, wurden gestern Morgen die Verträge unterzeichnet. Dazu waren Rainer Willbrand von der Bundespolizei, Benjamin Schmidt von der Bahn AG und Harry Keckeis von der Polizeistation Dietzenbach ins Ober-Röder Rathaus gekommen. Noch in diesem Jahr wird die Firma Bosch Sicherheitssysteme, die nach der Ausschreibung den Zuschlag bekommen hatte, mit vorbereitenden Arbeiten beginnen. Sie installiert ihre Überwachungstechnik Anfang nächsten Jahres an den Gleisen, den Treppenabgängen und in den Unterführungen: sechs Fixkameras ohne Schwenk- und Neigevorrichtung sowie drei so genannte „Dome-Kameras“ in einem Kugelgehäuse, die in alle Richtungen bewegt werden können.

950 Meter Kabel verlegt

Auf dem Bahngelände müssen rund 950 Meter Kabel verlegt werden. 20 Hinweisschilder machen zwielichtige Gestalten und um ihre Privatsphäre besorgte Pendler darauf aufmerksam, dass grundsätzlich nichts verborgen bleibt, was sich auf dem Bahnhof und in seiner Umgebung tut. Eine Überwachung rund um die Uhr ist nicht vorgesehen, die Live-Überwachung jedoch technisch möglich. Die Aufnahmen werden aufgezeichnet, mehrere Tage gespeichert und dann automatisch gelöscht. Das Ordnungsamt, die Bundespolizei und Landespolizei haben die Möglichkeit, sich bei Bedarf aufzuschalten.

Die Stadt investiert insgesamt rund 39. 000 Euro für die Sicherheit ihrer Bürger. Jörg Rotter, Erster Stadtrat und Dezernent für öffentliche Sicherheit und Ordnung, ist höchst erfreut, dass die ursprünglichen Kosten von etwa 60.000 Euro deutlich reduziert werden konnten, ohne Abstriche an der technischen Ausstattung und Qualität der Anlage machen zu müssen. So gesehen hatte die lange Wartezeit, die immer wieder von der FDP kritisiert wurde, auch ihr Gutes.

Die Videoschutzanlage haben die Stadt mit ihrem Fachbereich Öffentliche Ordnung, die Bundespolizei und die DB AG Darmstadt im Rahmen einer Sicherheitskooperation gemeinsam konzipiert. Sie entspricht dem neuesten Stand der Technik. Dabei wurde dem Datenschutz große Beachtung geschenkt: Alle Vorgaben des Hessischen Datenschutzbeauftragten seien „in vollem Umfang“ berücksichtigt worden.

80 Prozent befürworten Videoüberwachung

Ordnungsamtsleiter Manfred Pauschert erinnerte gestern an Sicherheitsumfrage aus dem Jahr 2008, die von seiner Behörde und der Uni Frankfurt begleitet wurde: Rund 80 Prozent der Bevölkerung befürworteten demnach eine Videoüberwachung an den Rödermärker Bahnhöfen. Bei der Vorstellung der Untersuchung meldeten sich aber auch Skeptiker zu Wort. Der damalige Polizeipräsident Heinrich Bernhardt erklärte, dass der Bahnhof Ober-Roden kein Kriminalitätsschwerpunkt sei. Dieser Aussage hat bis heute kein führender Vertreter des Polizeipräsidiums Südosthessen widersprochen.

Stadt, Bahn und Bundespolizei betonten immer wieder den Präventionsgedanken: Bus- und Bahnhöfe werden landauf, landab zunehmend mit Videoanlagen kontrolliert. Die Kameras fördern das Sicherheitsgefühl, schrecken Störer und Straftäter ab. Durch ihren Einsatz könnten Straftaten wie Sachbeschädigungen, Belästigungen, Diebstähle oder Körperverletzungen reduziert werden. Überall, wo offene Videoschutzanlagen eingesetzt werden,

komme dies der kommunalen Sicherheit und damit der Attraktivität einer Stadt zugute. Auch am Bahnhof Ober-Roden, wo es in den vergangenen Jahren erhebliche Sachbeschädigungen gegeben hat - erst vergangene Woche entstand bei einem „Sprayerangriff“ auf abgestellte S-Bahnzüge ein Schaden von rund 6000 Euro -, sollen die Kameras so etwas verhindern. Bosch will trotz der Feiertage noch 2013 mit den Vorbereitungen für den Aufbau der Anlage beginnen und sie voraussichtlich Anfang nächsten Jahres in Betrieb nehmen. Das Wetter könnte die Arbeiten allerdings aus dem Zeitplan bringen, deshalb nennt das Unternehmen kein exaktes Datum für den Start der Kontrollen. Wann der Bahnhof Urberach überwacht wird, steht noch nicht fest. Die Pläne liegen aber schon in der Schublade. Die Urberacher hoffen, nicht noch einmal fünf Jahre warten zu müssen.

Quelle: op-online.de

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