Bahnhofskäufer schiebt Frust

Ober-Roden - Kauf und Umbau des Ober-Röder Bahnhofs werden für Investor Andreas Reusch zur immer unerfreulicheren Hängepartie. Von Michael Löw

Der Geschäftsführer der Steuerberatungsgesellschaft ConTrust wartet seit Ende Oktober auf eine rechtsverbindliche Unterschrift der Stadt unter dem Kaufvertrag für das Gebäude. Noch schlimmer: Erst jetzt erfährt er, dass es unter Denkmalschutz steht.

Diese Information habe sein Architekt Anfang November aus dem Kreisbauamt mitgebracht. Größtes Problem: ConTrust darf den Bahnhof nicht von außen dämmen, sondern muss den Wärmeschutz von innen auf die Wände bringen. Das kostet wertvolle Quadratmeter im ohnehin knapp bemessenen Raumkonzept, klagt Reusch. Dämmt er andererseits nur auf Sparflamme, bleibt der rund 100 Jahre alte Bahnhof ein Energiefresser.

„Wir wissen noch nicht genau, welche weiteren Konsequenzen sich daraus ergeben“, wartet Reusch ab. Sein Architekt soll zunächst mit der Kreisdenkmalbehörde klären, was von den Plänen umsetzbar ist und was nicht.

Bürgermeister Roland Kern sieht in Auflagen des Denkmalschutzes „keine unüberwindlichen Hindernisse“. Außerdem habe ConTrust seinerzeit den Vorzug vor der Fitnessstudio-Kette „Killer Sports“ erhalten, weil die Steuerberatungsgesellschaft sich zum „Erhalt des Gebäudebildes“ verpflichtet habe.

Stadt hatte den Bahnhof 2008 für 400.000 Euro gekauft

Dass die Bahn den Ober-Röder Bahnhof wie praktisch alle alten Stationsgebäude ins Denkmal-Kataster aufnehmen ließ, hat nach Aussage des Bürgermeisters alle Beteiligten überrascht: „Keiner wusste davon.“ Die Stadt hatte den Bahnhof 2008 für 400.000 Euro gekauft. Damals habe die Bahn versichert, dass er nicht unter Denkmalschutz stehe.

Der Bürgermeister räumte ein, dass bei der notariellen Beurkundung nur eine Mitarbeiterin der Bauverwaltung die Stadt vertreten habe. Das sei „normales Geschäft“. Die rechtsverbindliche Unterschrift folge, sobald - in Absprache mit ConTrust - Bauverwaltung beziehungsweise Denkmalschutz grünes Licht zur Planung signalisieren.

Für SPD-Fraktionsvize Armin Lauer sind das alles nur Schutzbehauptungen. Das ganze Bahnhofsgeschäft ist in seinen Augen ein „einziger Dilettantismus“. Lauer erinnerte an alte Grundbuchlasten, Wegerechte und für den Bahnbetrieb unverzichtbare Kabel im Gebäude, die die Stadt auf Kosten des Steuerzahlers verlegen musste.

„Hier wurde tief und fest gepennt“

„Hier wurde tief und fest gepennt“, kritisiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Junge die neue Panne. Schließlich sei öffentlich bekannt, dass viele zum Verkauf stehende Bahnhöfe wegen ihres Alters oder ihrer Architektur unter Denkmalschutz stünden: „Dass diese Frage nicht mit den Behörden geklärt wurde, ist unverzeihlich.“

Die Genossen fordern deshalb einen Akteneinsichtsausschuss, der die Ungereimtheiten klären soll. Außerdem, so Lauer, solle die Stadt prüfen, ob sie die Bahn auf Schadenersatz verklagt, sollte die beim Verkauf falsche Aussagen in Sachen Denkmalschutz gemacht haben.

ConTrust-Geschäftsführer Andreas Reusch jedenfalls fühlt sich von der Stadt allein gelassen. „Wir versuchen, das Projekt wieder einmal zu retten - wie schon so oft“, machte er deutlich, dass seine Geduld langsam zu Ende ist. An einen Ausstieg denkt er - noch - nicht: „Wir haben viel Zeit, Nerven, Enthusiasmus und einen fünfstelligen Betrag investiert!“

Quelle: op-online.de

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