Bakterien säubern Grundwasser

Urberach (lö) ‐ Bakterien sollen giftige Chlorverbindungen aus dem Grundwasser unter dem Telenorma-Gelände filtern. Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt testet die neue Technologie ab nächster Woche in einem Feldversuch, der die Sanierung beschleunigen soll. Am Montag werden die ersten Bohrungen niedergebracht.

Lösungsmittel aus der Produktion haben über Jahrzehnte das Grundwasser großflächig mit Trichlorethen verschmutzt. Das RP hat die Firma Bosch, die ihr Urberacher Werk 1996 dicht machte, zur Sanierung verpflichtet: zunächst den Boden, dann das Grundwasser. Seit 2001 werden pro Jahr etwa 50 Kilogramm Lösungsmittel herausgefiltert. Das ist, so RP-Sprecher Dieter Ohl, die übliche Menge bei solchen Verunreinigungen.

Jetzt will die Behörde Tempo machen. Biologin Anke Uhl verweist auf Untersuchungen, wonach Mikroorganismen Schadstoffe im Erdreich und im Grundwasser gut abbauen könnten. Sie setzt anaerobe Organismen ein, die völlig ohne Sauerstoff arbeiten. Sie seien in der Lage, Chlorverbindungen komplett abzubauen. Die Gefahr, dass beispielsweise krebserregende Zwischenprodukte entstehen, sei ausgeschlossen.

Der Testlauf soll ein halbes Jahr dauern und wird in einem geschlossenen System durchgeführt. Einfacher gesagt: Verdrecktes Grundwasser kann das fast sechs Hektar große Telenorma-Gelände nicht verlassen. Hat der Versuch Erfolg, werden die Mikroorganismen auf dem gesamten Areal eingesetzt.

Wann die Bakterien ihre Arbeit aufnehmen, ist allerdings noch fraglich. Sie können erst in den Boden injiziert werden, wenn der nicht mehr metertief gefroren ist.

Quelle: op-online.de

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