Bald mit Vollgas durchs Internet?

Rödermark (lö) - Der Odenwald ist nicht unbedingt Deutschlands High-Tech-Region Nummer eins. Doch im beschaulichen Erbach werden gerade Pläne geschmiedet, wie ganz Rödermark mit schnellen Datenleitungen versorgt werden kann.

Die Odenwald Regionalgesellschaft (OREG) beziehungsweise deren Tochter Brenergo will den Ausbau des Breitbandnetzes vorantreiben, den Telekom & Co. mehr als zögerlich angehen. Geschäftsführer Jürgen Walther stellte das Projekt im Magistrat vor, berichtete Bürgermeister Roland Kern (AL). Bis Mitte des Monats will Walther ein detailliertes Angebot auf den Tisch legen.

Das Problem ist bekannt: In reinen Wohngebieten, vornehmlich dem Breidert und Waldacker, aber auch auf der Bulau, im Taubhaus und Bienengarten, ist der schnelle Internetanschluss reines Wunschdenken. Mit einer Geschwindigkeit von 1,5 Mbit pro Sekunde („DSL 1500“) wird das Herunterladen größerer Datenmengen zur Geduldprobe, 16 Mbit sind anderswo Standard. Die FDP fordert schon seit mehr als zwei Jahren den Ausbau des Netzes. „Die Mangelversorgung führt dazu, dass Menschen mit Homeoffice abwandern“, klagt Fraktionsvorsitzender Tobias Kruger.

Die Brenergo verspricht das „Netz von übermorgen“ mit einer Leistung von 50 Mbit je Sekunde. Und zwar an jedem Punkt im Stadtgebiet, der nicht weiter als 800 Meter von einem Schaltkasten entfernt ist. Im Odenwald hat sie 20 Millionen Euro investiert und ein Glasfasernetz verlegt, das auch riesige Datenmengen schnell transportiert. Das Projekt zählt zu den zehn innovativsten in Deutschland, Walther hat eine Einladung zum IT-Gipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel erhalten. Sein Credo: „Es darf keine digitale Spaltung zwischen Land und ballungsraum geben.“

Odenwälder Modell auf Rödermark übertragen

„Aktionäre der großen Telekommunikationsanbieter wollen nach drei oder vier Jahren Rendite sehen. Wir sehen den Ausbau des Glasfasernetzes jedoch als regionale Wirtschaftsförderung, und da reicht auch eine Rentabilität von 13 oder 14 Jahren“, erläuterte Walther im Gespräch mit unserer Zeitung den entscheidenden Unterschied. Land und Bund sehen‘s ähnlich. Hessens Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch hat eine Bürgschaft von 200 Millionen Euro für solche Projekte in Aussicht gestellt.

Das Odenwälder Modell kann nach Ansicht vorn Bürgermeister Kern auf Rödermark übertragen werden. Hier wie dort gebe es viele Anbieter, von denen aber keiner an den Ausbau seines Netzes denke. Die HEAG Medianet würde allerdings ihr vorhandenes Netz mit in das Projekt einbringen.

Im Gegensatz zu den 15 vergleichsweise kleinen Odenwald-Gemeinden wäre Rödermark groß genug für ein eigenes Netz in kommunaler Trägerschaft. Walter schlägt dem Magistrat die Gründung einer städtischen Betreibergesellschaft vor - also eine Art Internet-Stadtwerke. Geben Magistrat und Parlament grünes Licht, könnte das 50 Mbit-Netz in Rödermark innerhalb eines Jahres stehen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Tommy S./pixelio.de

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