Das Bauland soll billiger werden

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Ein Bild mit Symbolcharakter: Wohnen muss in Rödermark für alle Generationen erschwinglich sein - bestenfalls mit der Oma unter einem Dach. Damit junge Familien mit Kindern nach Rödermark ziehen, hat die Stadt die Preise für kommunales Bauland gesenkt. Aber auch die Generation der rüstigen Großeltern meldet sich zu Wort und fordert bezahlbare Mietwohnungen mit der Möglichkeit zu Betreuung im hohen Alter.

Rödermark - (lö) Was genau ist eigentlich eine junge Familie? Wie viel Kinder gehören dazu? Braucht‘s beide Elternteile oder zählt auch eine alleinerziehende Mutter mit Kind(ern) dazu? Wie hoch darf das Einkommen sein?

So recht mochte niemand diesen Begriff definieren, und trotzdem sind sich Magistrat und Parlament weit gehend darüber einig, dass junge Familien die bevorzugte Zielgruppe kommunaler Politik sein sollen. Denn, so Erster Stadtrat Alexander Sturm, eine durchschnittliche junge Familie bringt der Stadtkasse rund 3000 Euro Gemeindeanteil an der Einkommensteuer pro Jahr. Angesichts eines Elf-Millionen-Euro-Defizits im Haushalt 2010 hat der Kämmerer die Vorzüge besagter Gruppe bewusst einmal auf den finanziellen Aspekt beschränkt.

Nun sollen verbilligte Bauplätze junge Familien nach Rödermark locken. Im Urberacher Neubaugebiet „An den Rennwiesen“ hat die Stadtverordnetenversammlung den Preis ihrer Grundstücke auf 200 Euro je Quadratmeter gesenkt. Üblich sind 320 Euro aufwärts. „Die Preise sollen so gestaltet werden, dass es für junge Familien attraktiv ist, in Rödermark zu bauen oder ein Eigenheim zu kaufen“, hatten die Fraktionsvorsitzenden von CDU und FDP, Michael Gensert und Hans Gensert, gefordert.

Kritik: „Umverteilung von unten nach oben“

Auf Antrag der Koalition - und mit Zustimmung der AL - hatte das Parlament die Einkommensobergrenze für begünstigte Familien von bisher 60.000 Euro im Jahr gekappt. Norbert Schultheis (SPD) kritisierte das als „Umverteilung von unten nach oben“, denn theoretisch kämen so auch Gehaltsmillionäre in den Genuss subventionierter Bauplätze - sofern sie nur verheiratet sind und mindestens ein Kind haben.

Zu einer sozial ausgewogenen Siedlungspolitik in Rödermark fehlen nach Ansicht der SPD außer Einkommensgrenzen auch Steuerungsinstrumente wie Erbpacht oder Stundung des Kaufpreises während der ersten fünf Jahre, um „Schwellenhaushalten“ den Kauf eines Bauplatzes zu erleichtern.

Förderprogramme stießen nicht immer auf erhoffte Resonanz

Der Koalition war das zu viel Bürokratie, die AL warnte vor übertriebenen Hoffnungen: „Traum vom Eigenheim ist nicht für jeden finanzierbar!“ AL-Fraktionsvorsitzender Stefan Gerl befürchtet, dass die Ersparnis von einigen zehntausend Euro beim Grundstückskauf auch Familien, die es sich eigentlich nicht leisten können, zum Abenteuer Hausbau treibt.

Die Stadt Rödermark hat in der Vergangenheit schon mehrere Förderprogramme für junge Familien aufgelegt - sie stießen nicht immer auf die erhoffte Resonanz. Sieben Käufern gewährte die Stadt einen Zuschuss von bis zu 20.000 Euro beim Grunderwerb, erläuterte Richard Hampel, der Leiter der Bauverwaltung. Nach langem Suchen fand die Stadt 2006 einen Investor, der am Karnweg fünf Niedrigenergiehäuser baute, und die passenden Käufer. Sie erhielten 100 Euro Nachlass je Quadratmeter.

Beirat macht Druck

Der Seniorenbeirat macht Druck beim Umbau des Hauses am Mühlengrund, dem 1967 errichteten städtischen Altenwohnheims. Vorsitzender Heinz Weber vermisst nach wie vor die Möglichkeit zum Betreuten Wohnen zur Miete.

Der Beirat hatte das Thema bei seiner jüngsten Sitzung mit Bürgermeister Roland Kern diskutiert. Hintergrund: Die Eigentumswohnungen in der Residenz am Badehaus sind nach Erkenntnissen des Beirats zu rund 70 Prozent von Auswärtigen belegt. Bei vielen handelt es sich um Senioren, deren Kinder in Rödermark leben.

Mietwohnungen am Mühlengrund sollten mit den Einnahmen aus dem Verkauf des T&N-Parkplatzes finanziert werden, doch voran gekommen seien die Planungen noch nicht. Bürgermeister Kern bedauerte dies ebenfalls und versicherte jedoch, dass bis zur Diskussion des Haushalts 2010 Anfang Dezember eine erste Entscheidung gefallen sein müsse. Derzeit werde über die Einbeziehung eines leer stehenden Nachbargebäudes diskutiert, um die während der Umbauphase notwendigen Umzüge reibungsloser gestalten zu können.

Seniorenbeirat und städtischer Sozialdienst haben zudem eine Umfrage unter rund 1 200 Rödermärkern über 50 Jahren gestartet: Wie wollen Sie im Alter wohnen? Rund 300 Bürger schickten die Bögen zurück, bis Dezember sollen sie ausgewertet werden.

(chz)

Quelle: op-online.de

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