Beispielhaftes Ehrenamt

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Sie treffen sich auch weiterhin: die Mütter des Helferkreises für Behinderte Lilo Haag (unten rechts), daneben Traudl Helferich (jetzt Offenthal), Irene Bogner (rechts) und Agnes Hitzel, beide aus Ober-Roden.

Waldacker ‐ An ihrem 30. Geburtstag am 1. Januar löste sich still und unbemerkt eine Einrichtung auf, die vielen Menschen das Leben erleichtert und für Spaß und Abwechslung gesorgt hat: der Betreuerkreis für die Behinderten in Rödermark. Von Christine Ziesecke

Im Oktober 1980 wurde der Erlös eines Hüttenabends des CDU-Ortsverbandes Urberach den Behinderten in Rödermark zugedacht - kurz danach fragte der damalige erste Stadtrat und heutige Ehrenbürgermeister Walter Faust bei Lilo Haag an, ob sie gemeinsam mit Hans Bittner die erste Behindertenfreizeit leite. Die heute 73-Jährige, die zur Zeit durch einen Knöchelbruch sehr eingeschränkt in ihrer überschäumenden Lebendigkeit ist, war natürlich dabei, und ganz oder fast von Anfang an waren auch dabei Traudl Helferich (heute 56), deren älteste Tochter Melanie (35) durch mangelnde Sauerstoffzufuhr bei der Geburt geschädigt war und die damals in Urberach und jetzt in Offenthal lebt, sowie Agnes Hitzel (75), deren Tochter Lydia mit acht Jahren bei einem Autounfall auf der Ober-Röder Hauptstraße hatte und nun seit 42 Jahren im Rollstuhl sitzt.

Mit Erlösen und Spenden über Wasser gehalten

Ab dem zweiten Ausflug war auch die Ober-Röderin Irene Bogner (70) dabei, deren von Geburt an behinderte Tochter Christine heute 43 ist. Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe (in der intensivsten Zeit rund 25 Behinderte und ihre Betreuer) wollten nie ein Verein werden, um Bürokratie und Beiträgen zu entgehen. So hielt sich die Gruppe ausschließlich mit Spenden und den Erlösen eigener Veranstaltungen wie etwa der großen Basare über Wasser. Nur für Fahrten ins Ausland gab‘s 2,50 Mark pro Tag und Person als Zuschuss der Stadt - mangels der Berechtigung, Spendenquittungen auszustellen, auch das längst nicht mehr. Doch so mancher Bürger ließ den Behinderten etwa anlässlich Geburtstagsfeiern etwas zukommen. So konnten die jährlichen Freizeiten mitfinanziert werden. Die erste ging 1981 nach Schmitten im Taunus, und von Reichenau über Saalfelden, Rauris, Bodajk oder Dresden ging‘s alle Jahre einmal ins In- oder Ausland, 2009 nach Reichelsheim. Dazu kamen Tagesausflüge, Faschingsveranstaltungen in St. Gallus und im Bürgertreff, Stände bei evangelischen Gemeindefesten oder auf dem Urberacher und Ober-Röder Weihnachtsmarkt und natürlich der alljährliche große Basar zugunsten der Behinderten. Die Handarbeiten und Basteleien, der Kaffee- und Kuchenverkauf sowie die große Tombola, für die zuvor von Geschäft zu Geschäft gelaufen wurde, waren die besten Einnahmequellen.

Treffen werden als Stammtisch weiterlaufen

Dazwischen trafen sich einmal monatlich die Angehörigen zum Austausch, nur an Weihnachten auch mit den Behinderten, wobei auch zunehmend Senioren dabei waren. Diese Treffen werden auch als Stammtisch weiterlaufen. „Vieles wird weitergehen, schließlich sind wir ja eine große Familie geworden und es sind auch mehrere Pärchen daraus hervorgegangen“, sind sich die langjährigen Organisatoren einig. „Wir haben so viel erlebt, es war immer lustig, wenn wir fort waren, und wir haben oft kaum ein Bett gesehen!

Zum 1. Januar 2010 waren die 30 Jahre erreicht und Lilo Haag setzte der offiziellen Gruppe ein Ende - theoretisch zumindest, denn eigentlich geht vieles wohl weiter. Wie bisher natürlich nur auf privater Basis.

Quelle: op-online.de

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