Wird der Tod bald unbezahlbar?

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Der schwere Eichensarg ist kaum noch gefragt. Andererseits kommt es auch selten vor, dass ausgefallene Wünsche an die Bestatter herangebracht werden. Dennoch haben sie alle – wie etwa die Urberacher Pietät Sturm - eher ungewöhnliche Särge in ihren Ausstellungsräumen.

Rödermark (chz) - Tod und Trauer im Wandel? Die gesellschaftliche Veränderung im Umgang mit dem Sterben ändert auch die Beerdigungskultur, wie Rödermärker Bestattungsunternehmen einhellig aus ihrer Erfahrung berichten.

Nicht nur im November – für katholische Christen eher an Allerheiligen und Allerseelen, für die evangelischen Bürger am Totensonntag – ist die Veränderung auch für Besucher der Friedhöfe erkennbar: Der Hang zu opulenten Grabgestecken und teurem Blumenschmuck hat eine Umkehr erfahren. Die Gräber werden regelmäßig gepflegt, liebevoll gehegt, aber alles „im Rahmen“. Und es wird anders beerdigt.

Die Ober-Röder Pietäten Huther-Walther und Saager und die Urberacher Pietät Sturm bestätigen die Vermutung: Urnenbeisetzungen nehmen stark zu, einerseits aus Kostengründen (nicht erst seit das Sterbegeld entfallen ist), andererseits als endgültiger Abschied vom Verstorbenen. Denn bei Erdbestattungen verlängert die Grabpflege die Bindung.

Doppel-Erdgrab für 30 Jahre kostet 3260 Euro

In Rödermark kostet ein Doppel-Erdgrab für 30 Jahre derzeit einschließlich der Dienstleistungen Ausheben, Verschließen und Trauerhallennutzung 3260 Euro. Das Erd-Urnengrab (mit Platz für zwei Urnen) ist bereits für 1919 Euro und das Grab in der Urnenwand und ebenfalls zwei Plätzen für 1696 Euro zu haben.

Doch auf dem Ober-Röder Friedhof gibt’s derzeit nur noch eine Handvoll freier Nischen in den Urnenwänden, in Urberach vor der Fertigstellung des neuen Urnen-Achtecks gar keine mehr. Bis in Ober-Roden das neue Friedhofskonzept umgesetzt ist, bleibt nur die Möglichkeit, ein teureres, für Särge vorgesehenes Wiesengrab zu erwerben und darin eine Urne zu bestatten.

Das neue Konzept sieht einen Bereich mit verschlungenen Wegen und viel Grün vor, das damit auch den anderen „Konkurrenten“, den preiswerten und pflegefreien Ruheforsten oder Friedwäldern, näher kommt.

Bei Urnenbestattungen läuft der Wunsch der Angehörigen zunehmend auf eine gemeinsame Trauerfeier und Urnenbeisetzung hinaus, um Kosten und zusätzliche Wege zu sparen. Oder um alles auf einmal „zu erledigen“?

Stadt baut hinter der Ober-Röder Trauerhalle einen Abschiedsraum

Tanja Walther, deren Familie vor elf Jahren die Pietät Huther übernommen hat, sieht darin eine gute Entwicklung: „Für mich ist die innigste Form der Urnenbestattung die zeitgleiche Trauerfeier mit dem anschließenden Gang zur Beisetzung. Hier werden die Angehörigen nicht alleine gelassen, die Symbolik des Begleitens auf dem letzten Weg ist hier wesentlich stärker als bei der Beisetzung der Urne im engsten Familienkreis einige Zeit nach der Trauerfeier.“ Auch die Zahl offener Aufbarungen vor der Beerdigung, zumindest zum Abschiednehmen der engsten Familie, nimmt zu. Die Stadt baut deshalb hinter der Ober-Röder Trauerhalle einen würdevollen Abschiedsraum.

Oberste Priorität hat für die Pietäten alles, was Angehörigen den schweren Gang erleichtert – so etwa auch, die Verstorbenen wie früher bis zu 36 Stunden zu Hause zu lassen, um sie dort für die Beerdigung vorzubereiten.

Meist ist Tradition gefragt

Rita Saager von der Pietät Saager, seit 23 Jahren in Ober-Roden im Dienste der Angehörigen von Verstorbenen, weiß aus ihrer langen Erfahrung: „Es fällt auf, dass zunehmend mehr Menschen wieder zuhause sterben; immer noch seltener als in Kliniken, doch die Zunahme erklärt sich durch die gute Palliativpflege, die hier im Ort zum Beispiel die Johanniter bieten und die Angehörigen erheblich entlastet und die häusliche Pflege auch psychisch erleichtert.“

Wenig verändert hat sich nach Meinung von Heribert Sturm, alteingesessener Urberacher Schreiner und Bestatter, bei den Särgen selbst: Zwar wurde schon mal einer bemalt oder in der Modefarbe nachtblau bestellt. Doch hier ist meist Tradition gefragt, auch wenn der schwere Eichensarg überholt ist.

Ab und zu eine Seebestattung, manchmal der Wunsch nach einer Diamantschmelze der Asche, manchmal eine kleine Erinnerung in handlichen Mini-Urnen – bei rund 90 Bestattungen im Jahr erlebt jeder der Rödermärker Bestatter sehr viel Sorgen, vor allem aber Ratlosigkeit. Da ist es sicherlich eine große Hilfe – wo es möglich ist – im Vorfeld Wünsche und Erwartungen abzusprechen. Das hilft den Hinterbliebenen im Trauerfall.

Quelle: op-online.de

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