Lob für Anstrengungen von Stadt und Ehrenamtlichen

Bestnoten für die Integration

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Das „SchillerHaus“ ist nach Ansicht des Kreises ein Grund für die gute Integrationsarbeit in Rödermark. „Ruheinseln“ heißt das neueste Projekt, bei dem immer mittwochs von 9 bis 11 Uhr Kinder, Jugendliche und Erwachsene Bänke zu Kunstobjekten machen. Wer mitmalen will, sollte sich unter s  0176 14911131 anmelden. 

Rödermark - Der Kreis bescheinigt Rödermark eine „vorbildliche Integrationsarbeit“. Von Michael Löw 

Er lobt unter anderem die schon seit den Balkan-Kriegen Anfang der neunziger Jahre gepflegte Willkommenskultur, die daraus resultierende breit aufgestellte ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung, das „SchillerHaus“ und Angebote wie Sprach- oder Elternlotsen. Das Gutachten weist aber auch auf Mängel wie die Abkapselung älterer Migranten und Fremdenfeindlichkeit unter der deutschen Bevölkerung hin.

Auf knapp 40 Seiten hat der Kreis Offenbach die Integrationsarbeit in Rödermark beleuchtet. „Integration wird hier gelebt“, begründet die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger die Bestnoten auf vielen Gebieten. Die Stadt habe ihre Integrationsbemühungen schon vor zehn Jahren - also vor dem großen Flüchtlingsansturm 2015/2016 - inhaltlich und konzeptionell gestärkt. Dabei konnte sie sich auf die Arbeit des 1991 gegründeten Vereins Flüchtlingshilfe (heute: Netzwerk für Flüchtlinge) stützen.

Nach und nach wurden Initiativen gestartet, die das Zusammenleben von Migranten und Alteingesessenen förderten. Der Flüchtlingszustrom ab dem Sommer 2015 traf Rödermark zwar ebenso unvorbereitet wie viele andere Städte. Doch dank vieler Verbindungen ging die Unterbringung von mehr als 350 Menschen in Rödermark viel einfacher über die Bühne als andernorts. Ein Positivbeispiel für Bürgermeister Roland Kern: Die Stadt fand für viele Flüchtlinge Wohnungen und musste nicht eine Sammelunterkunft nach der anderen eröffnen. Die es natürlich auch gibt - unter anderem im Gewerbegebiet Ober-Roden.

Sowohl diese Flüchtlinge als auch Migranten, die schon länger in Rödermark leben, profitieren laut Kreis von einer ausgeprägten Willkommenskultur. Dazu gehören eine Integrationsbeauftragte, deren Stelle die Stadt 2015 von 19,5 auf 25,5 Stunden pro Woche aufstockte, eine Arbeitsgruppe Integration innerhalb der Verwaltung und ehrenamtliche Helfer wie Sprach- und Seniorenlotsen. Erst vor zwei Wochen hießen Stadt und Kreis 23 neue Freiwillige aus mehr als zehn Ländern willkommen.

Dass die Begrüßungsfeier im „SchillerHaus“ stattfand, war natürlich kein Zufall. Das Stadtteilzentrum im Urberacher Norden bietet seit 2011 Beratung und Begegnungsmöglichkeiten über Kultur- und Generationengrenzen hinweg.

Fazit des Kreises: Die Integrationsarbeit ist in vielen Bereichen vorbildlich. Doch selbst Gutes lässt sich noch verbessern. Das Gutachten fordert weitere Stadtteilzentren in Ober-Roden und Waldacker sowie mehr Mitarbeiter ausländischer Herkunft bei der Stadt. Von den rund 450 städtischen Bediensteten hätten nur etwa zehn Prozent einen Migrationshintergrund (überwiegend in den Kitas und im Bauhof). Dieser Anteil liege weit unter dem Anteil aller Rödermärker mit ausländischen Wurzeln (23,2 Prozent).

Studie: Deutschland heißt Zuwanderer freundlicher willkommen

Luft nach oben sieht der Kreis auch bei der Integrationsarbeit in den Vereinen. Sieht man einmal vom Fußball und Schwimmen ab, sind Migranten hier eine verschwindende Minderheit. Vor allem ältere Ausländer und Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch läuft, kapseln sich vom Rest der Bevölkerung ab, stellt das Integrationsbüro des Kreises fest. Diese Gruppen könne man meist nur durch persönliche Ansprache oder niederschwellige Angebote wie Gesundheits- oder Ernährungsberatung erreichen.

Die größten Integrationshindernisse sind laut Kreis nicht die Sprach- und Bildungsdefizite der Neuankömmlinge. Das sehen nur 18 Prozent der fürs Gutachten befragten Vertreter aus Politik, Verwaltung, Bildungseinrichtungen und Beratungsstellen so. Auf jeweils 28 Prozent kamen fehlendes Geld und Personal sowie Skepsis der Aufnahmegesellschaft - sprich: der deutschen Rödermärker. Die Neuauflage des 2009 beschlossenen Integrationskonzeptes und eine „konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema“ seien angesichts der aktuellen Entwicklung (mehr Flüchtlinge und zugleich fremdenfeindliche Tendenzen innerhalb der Bevölkerung), sinnvoll und notwendig.

Quelle: op-online.de

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