Billig-Kredit aus Berlin nur ein Trostpflaster

Rödermark (lö) - Morgen weiht Rödermark seinen zweiten Mini-Kindergarten innerhalb weniger Wochen ein - ein Kraftakt für die finanziell arg gebeutelte Kommune. In der Bruchwiesenstraße entstehen 30 neue Plätze für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren.

Damit ist die Vorgabe der Bundesregierung, bis August 2013 35 Prozent aller Kleinkinder in so genannten U3-Einrichtungen aufnehmen zu können, praktisch erfüllt.

So weit, so gut. Doch Erster Stadtrat Alexander Sturm (CDU) bekräftigte gestern noch einmal, dass die Vorgabe der schwarz-gelben Bundesregierung allenfalls halbherzig sind. Denn er geht - wie beispielsweise auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund - davon aus, dass im Rhein-Main-Gebiet mindestens 70 bis 80 Prozent der Eltern ihren Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz geltend machen. Sturms Befürchtung: Eltern klagen ihren Nachwuchs in die Tagesstätten oder fordern vor Gericht Zuschüsse für die Betreuung durch Tagesmütter.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will mit billigen Krediten den schleppenden Kita-Ausbau beschleunigen. 350 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Das klingt zunächst recht viel. Doch auf die Einwohnerzahl herunter gebrochen, kämen nach Sturms Berechnungen nur gut 100 000 Euro als Darlehen in Rödermark an. Jede der neuen U3-Kitas hat aber knapp eine Million Euro gekostet.

„Wer neu baut, wird bestraft“, hat Sturm noch eine Umgereimtheit in den Richtlinien aus Berlin entdeckt. Dann nämlich müssen die Kita-Träger die Gruppenstärke von zwölf auf zehn Kinder senken. In Rödermark kostet jeder Platz in einem Mini-Kindergarten etwa 13.000 Euro im Jahr. Zwischen 3000 und 5000 Euro bekommt die Stadt über Landeszuschüsse und Elternbeiträge wieder in die Kasse. Der große Rest muss aus den allgemeinen Einnahmen - also von allen Steuerzahlern - finanziert werden.

Trotz immenser Folgekosten will Rödermark bei der Kleinkind-Betreuung nicht knausern. In der Halle Urberach („Rappelkiste“) und in der Odenwaldstraße („Stoppelhobbser“) sollen weitere Plätze entstehen.

Quelle: op-online.de

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