Betrüger machen Polizei Kummer

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Eine elektronische Fußfessel ist nach Ansicht der Dietzenbacher Polizisten Klaus-Peter Daube und Michael Berkefeld ein ideales Mittel, gerade junge Straftäter zu überwachen. Das geschieht zum Beispiel bei einem 19-jährigen Urberacher, der 14 Motorroller gestohlen hat und jetzt auf seinen Prozess wartet.

Rödermark ‐ Entgegen dem Trend in Land und Kreis hat die Kriminalität voriges Jahr in Rödermark zugenommen - von 1 071 auf 1 255 Straftaten. Von Michael Löw

Trotzdem leben die Menschen in Ober-Roden, Urberach, Waldacker und Messenhausen so sicher wie in kaum einer anderen Stadt im Kreis: Nur in Mainhausen und Seligenstadt liegt die Kriminalitätsrate niedriger.

Michael Berkefeld, Leiter der Ermittlungsgruppe der Polizei in Dietzenbach, und Klaus-Peter Daube, Leiter der Polizeistation Dietzenbach, erläuterten gestern die auf Rödermark herunter gebrochene Kriminalstatistik 2010. Ihre Botschaft war überwiegend positiv: steigende Aufklärungsquote (von 51 auf 53,9 Prozent), kaum Gewaltverbrechen, gute Präventionsarbeit.

Daube will das Plus von 184 Verbrechen auch nicht schönreden, verweist aber darauf, dass die Zahl der Betrugsfälle von 188 auf 331 stieg. Schuld daran sei ein Ober-Röder Internet-Dienstleister, der seine Kunden massenhaft in Abo-Fallen tappen lässt. Die Anzeigen gegen das Unternehmen machen einen Großteil der Steigerung aus. Zugenommen haben aber auch andere Betrugsdelikte wie Warenbetrug, Warenkreditbetrug, Leistungserschleichung, Schwarzfahren und Einkaufen mit gestohlenen oder manipulierten EC-Karten.

Ebenfalls gestiegen sind die so genannten Rohheitsdelikte Raub oder Körperverletzung, nämlich von 122 auf 135. Betrachtet man die Statistik etwas genauer, wurden der Polizei mehr Fälle von leichter Körperverletzung angezeigt. Besonders spektakuläre Verbrechen wie zum Beispiel Bankraub oder ausnehmend feige wie der Handtaschenraub bei der berühmten alten Dame gab‘s 2010 in Rödermark überhaupt nicht. Die Zahl der Raubüberfälle auf Straßen und Plätzen ging ebenso zurück wie die der gefährlichen Körperverletzungen in aller Öffentlichkeit.

Einbrüche werden von den Opfern bekanntlich weitaus schlimmer empfunden als beispielsweise Betrügereien oder der Diebstahl eines Autos. Die Täter dringen ja buchstäblich in das Leben ihrer Opfer ein und durchwühlen deren persönliche Habe. 60 Hausbesitzer oder Mieter (sieben weniger als 2009) machten voriges Jahr diese leidvolle Erfahrung, dazu kamen 26 Wohnungseinbrüche tagsüber (plus acht). An der Zahl hat sich also nicht viel geändert. Aber Rödermark wird für die Ganoven ein gefährlicheres Pflaster: Die Polizei erwischte sechs Tageswohnungseinbrecher (2009 keinen einzigen) und 22 Einbrecher (2009: zwei), die nachts ihr Unwesen trieben.

Die Statistik verzeichnet auch ein versuchtes Tötungsdelikt, das allerdings wenig Aufmerksamkeit erregte: Anfang März stachen fünf junge Männer am Entenweiher einen 22-Jährigen nieder und verletzten ihn lebensgefährlich. Die Kripo hatte Täter und Ursache innerhalb weniger Stunden ermittelt. Es handelte sich um eine Abrechnung unter zweifelhaften Freunden.

Berkefeld, Daube und ihre Kollegen zogen in den vergangenen vier Jahren 50 Intensivtäter aus dem Verkehr. Jedem wurden zwischen 30 und 50 Verbrechen nachgewiesen. Erfahrungsgemäß kommt eine ähnlich hohe Dunkelziffer dazu. Diesem Klientel widmen die Dietzenbacher Polizisten besondere Aufmerksamkeit: Ein überführter Täter bedeutet schließlich eine ganze Latte aufgeklärter Straftaten. Und ein Ganove, der hinter Gittern sitzt, richtet zunächst einmal keinen weiteren Schaden mehr an.

Zwei dieser Intensivtäter trieben voriges Jahr die Zahl der Mopeddiebstähle und die der Einbrüche in Kindergärten, Schulen und Vereinsheime in Rödermark kräftig nach oben. Erwischt wurden sie erst 2011. Das beweist für Daube und Berkefeld, wie sehr einzelne Täter im doch überschaubaren Rödermark die Statistik beeinflussen können.

Die Diebstahlserie hat aber auch einen sehr menschlichen Aspekt. Der 19-jährige Urberacher, der 14 Motorrollern geklaut hat, ist einer der Intensivtäter, der nach Ansicht Berkefelds „tatsächlich geläutert“ ist. Der junge Mann arbeitete bei der Aufklärung eng mit seinem quasi persönlichen Polizeibeamten zusammen. Der wiederum half bei der Suche nach einer Wohnung, um den 19-Jährigen aus seiner - vorsichtig formuliert: schwierigen - Familie herauszuholen. Er muss deshalb „nur“ eine elektronische Fußfessel tragen und wartet auf seinen Prozess Mitte April.

Quelle: op-online.de

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