Das Bett ist neu gemacht

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Gleich ist es geschafft: Gebannt warteten die Rodau-Gäste auf die letzte Schaufel voll Erde, die dem neuen Bachlauf noch im Weg lag.

Urberach - (chz) Nur strahlende Gesichter oder verhaltene Freude und Genugtuung gab‘s am Freitag Nachmittag bei der Eröffnung des neuen (alten) Bachbetts der Rodau zu sehen - kein Wunder, nachdem der Magistrat der Stadt 2004 ohne Gegenstimmen das Projekt genehmigt hatte, im Rahmen des Landschaftsparks „Grüne Mitte“ dem Bach wieder ein eigenes Bett zu erlauben.

Dazu wurden ihm nun Windungen und Biegungen vorgegeben, doch es wird an der Rodau selbst liegen, wie sie sich dieses Bett gestaltet.

Landschaftspfleger Claus Murmann und Diplomingenieur Thomas Trageser von der Stadt beobachteten fast überrascht das große Interesse der Besucher an dem historischen Durchbruch vom alten Bachbett ins neue. Bürgermeister Roland Kern hatte kurz zuvor extra eine Unterrichtsstunde genommen, um den kleinen Bagger selbst führen zu können. Dank seiner Vorsicht dauerte dieser Akt denn auch einige spannende Minuten, bis das Rodauwasser den freien neuen Weg fand und die rund 300 Zuschauer in ebenso befreiten Beifall ausbrachen.

Noch während der Aktion hatten Kinder schon im neuen Bachbett einen Spielplatz gefunden. Nun folgten sie ebenso wie die Besucher dem Wasserlauf, bauten erste Brückchen, hüpften über das Treibholz und schleppten Steine am teils sandigen, teils mit Mutterboden bedeckten Ufer entlang.

Kinder haben den Bach als Spielplatz entdeckt.

Wir werden sehen, wie die Rodau unsere Angebote annehmen wird“, freute sich Bürgermeister Kern, der für den 3.  November eine Rodau-Konferenz der vier anliegenden Gemeinden Rödermark, Rodgau, Obertshausen und Mühlheim ankündigte. Aus den bislang 27,4 Kilometer Länge von der Quelle in Urberach bis zur Mündung in den Main werden nun ein paar Meter mehr. Auch Vertreter der Nachbargemeinden informierten sich ein wenig neidisch vor Ort über diesen Renaturierungsabschnitt.

Im Beisein von Mitgliedern der Oberen Wasserbehörde, der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde, von Planungsbüros und Gewässerökologen galt Roland Kerns besonderer Dank der ausführenden Firma Wilhelm und der eigenen Bauverwaltung. Er stellte aber auch klar: „Wir sind erst am Anfang der Dinge, hier ist noch kein Ende. In einem Jahr ist hier vielleicht alles grün - es wird sich so verändern, wie die Natur das für richtig hält. Wir haben der Natur nur vorgegriffen.“ Noch im Spätherbst werden Weidensetzlinge und weitere Steinschüttungen folgen.

„Jetzt hot mer dich wirrer schee krumm gemoacht“: Eine Ode an die Rodau trugen die „Rodauschiffer“ vor. Das Stück hatten sie eigens für diesen Tag geschrieben.

Um das fließende Gewässer wieder in seinen Ursprung zurückzuversetzen, waren 390.000 Euro nötig. 70 Prozent davon zahlt das Land. Diese und weitere Fakten zur Historie und zu den technischen Daten der Renaturierung erläuterte Dr. Frank Volg vom Ingenieurbüro Volg/Müller-Volg anschließend an den Schautafeln und bei der Begehung der 450 Meter des neuen Bachlaufs.

Beim Bürgerfest an der Rodau durften auch die „Rodauschiffer“ nicht fehlen. Speziell für diesen Tag hatte Sänger Martin Hofmann eine Ode an die Rodau gedichtet, die jetzt zur Uraufführung kam: „Erst hot mer dich kerzegrad gemoacht - die Äcker woarn veel zu nass … jetzt hot mer dich wirrer schee krumm gemoacht, in doim naije Bett hoste meh Platz.“

Freude wird tatsächlich auch Altbürgermeister Alfons Maurer verspüren: Er werde wie viele andere Bürger in Zukunft keine jährlichen Überschwemmungen mehr in seinem rodaunahen Garten haben, betonte Kern.

Zufriedenheit gab‘s aber auch bei vielen der Bürger, die dem kleinen Volksfest mit Brezeln und frischem Süßen beiwohnten: „Ich verspüre Genugtuung, dass nach so viel Kampf das heute geklappt hat“, freute sich AL/Grüne-Vorstand Eckhard von der Lühe und erinnerte daran, dass schon die erste Zeitung der Grünen in Rödermark in den 80er Jahren „Rodaustrand“ hieß: „Jetzt ist er da.“

Quelle: op-online.de

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