Betten und Balsam für die Seele Kleines Feuer richtet großen Schaden an

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Im frisch renovierten Treppenhaus hatten die Familie Braunsdorf und ihre Nachbarn gut Lachen: Reinhold und Gabi Rickert, Norbert und Anita Braun, Christiane, Oswald, Klothilde und Barbara Braunsdorf (von rechts). Nur noch böse Erinnerung sind die Bilder des Brandes vom 8. April, der die Braunsdorfs neun Wochen lang heimatlos machte.

Urberach ‐ Wohl dem, der solch uneigennützige Nachbarn hat. Anita und Norbert Braun und Gabi und Reinhold Rickert nahmen ohne auch nur einen Moment zu zögern die Familie Braunsdorf auf, deren Haus nach einem Brand im Keller unbewohnbar war. Von Michael Löw

Was Mitte April nach einer Sache von zwei, drei Nächten aussah, wurde zu einer fürsorglichen neunwöchigen Dauer-Beherbergung, von der Norbert Braun nur sagt „Das war für uns doch selbstverständlich!“. Und Gabi Rickert versichert: „Das würden wir jederzeit wieder machen.“ Oswald Braunsdorf hofft jedoch inbrünstig, sich „nie im Leben bei ihnen nach sowas revanchieren zu müssen.“

In diesem Stromverteilerkasten nahm das Unglück am 8. April um 22 Uhr seinen Anfang.

So einen Brand (Lesen Sie dazu auch „Kleines Feuer richtet großen Schaden an“) wünscht man nicht einmal seinen Feinden, geschweige denn lieben Nachbarn wie den Brauns und Rickerts. Denn kaum hatten sich Oswald und Christiane Braunsdorf (53 und 49), Tochter Barbara (21) und Oma Klothilde (83) ins Freie gerettet, erfuhren sie sofort, was Nachbarschaftshilfe heißt. Während Oswald Braunsdorf die Feuerwehr einwies, holte Gabi Rickert die Frauen zu sich in die Wohnung. „Natürlich könnt ihr heute Nacht bei uns schlafen“, bekamen die Braunsdorfs gleich mehrfach zu hören.

Am Morgen danach teilte sich die Familie auf. Barbara zog bei ihrer älteren Schwester ein, Oswald und Christiane Braunsdorf gegenüber bei Norbert und Anita Braun. Die betagte Hausherrin übernachtete abwechselnd bei mehreren Angehörigen, kehrte aber tagsüber immer zur Familie Rickert zurück, um die Renovierung zu verfolgen.

Saubermänner, Handwerker und Versicherung taten ihre Pflicht, die Nachbarn viel mehr als das. „Sie waren unser großes Glück!“, „Uns blieb so das Hotel erspart.“, „All-inklusive-Verpflegung vom Feinsten!“ - die heimatlos gewordene Familie schwärmte nur so von der gelebten Solidarität. Nicht einmal als klar war, dass ihre Gäste länger bleiben, fiel ein Wort der Ungeduld. Im Gegenteil, die Brauns und Rickerts litten mit. „Wir haben manche Träne miteinander vergossen“, erzählt Christiane Braunsdorf. Gerade dieser seelische Beistand tat gut. Denn dumme Sprüche auf der Straße wie „Ihr kriegt doch euer Haus renoviert!“ setzten ihr arg zu.

Der Brand

Der Einsatzbericht der Urberacher Feuerwehr liest sich ganz unspektakulär: Im Keller eines Mehrfamilienhauses in der Friedhofstraße fing ein Stromverteilerkasten Feuer, Ruß und Rauch zogen die Treppe hinauf, Bewohner brachten sich rechtzeitig in Sicherheit, geschätzte 40 000 Euro Schaden.

Die Flucht

„Wir waren gerade ins Bett gegangen, da roch meine Frau den Qualm. Ich ging raus, da war das ganze Treppenhaus schon schwarz“, schildert Oswald Braunsdorf heute die dramatischen Minuten. Er weckte seine Mutter, seine Frau holte die schlafende Tochter aus dem Bett. Christiane Braunsdorf hat die paar Treppenstufen „wie einen Abstieg von Mount Everest“ in Erinnerung. Tochter Barbara krallte sich so fest in ihren Arm, dass der blaue Fleck noch tagelang zu sehen war.

Das Aufräumen

Zunächst rückten Reinigungsspezialisten an. Alles, was eine harte Oberfläche hat, nahmen sie zum Säubern mit. Bettdecken, Polster, Gardinen und viele Kleider waren nicht mehr zu retten - zu tief hatte sich der giftige Qualm in den Stoff gefressen. Nach drei Wochen gab die Versicherung grünes Licht für die Handwerker. Der Schaden an Haus und Inventar hatte sich inzwischen auf etwa 120 000 Euro summiert.

Quelle: op-online.de

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