Betty Spieß sammelt Fingerhüte

Kleine Schätze, die Finger schützen

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Den großen Setzkasten, in dem 80 Fingerhüte fast staubfrei Platz finden, hat Ferdi Mieth dem Ehepaar Betty und Karl Spieß zur Goldenen Hochzeit geschreinert. 

Ober-Roden - Der Fingerhut, vor Jahrtausenden schon als Schutz gegen unbeabsichtigtes Verletzen beim Nähen „erfunden“, ist längst zum Kult- und Sammelobjekt geworden. Von Christine Ziesecke

Die unentbehrlichen Haushaltshelfer sind wegen ihrer geringen Größe und der deshalb so einfachen Aufbewahrung höchst beliebt. Fast jeder heutigen Hausfrau riet ihre Mutter: „Kind, nimm einen Fingerhut, wenn du nähst, sonst zerstichst du dir deine Finger!“ Der Schutz gegen die pieksenden Nadeln – gerade bei der Verarbeitung schwerer Stoffe – verlor immer mehr an Bedeutung, je weniger die Frauen von Hand nähten.

In Ober-Roden besitzt Betty Spieß eine sehenswerte Sammlung dieser ehemals so nützlichen Utensilien – obwohl sie selbst noch nie einen Fingerhut benutzt hat. „Aber mein Mann war früher so viel unterwegs und wollte mir immer etwas mitbringen. Und da fing die Sammelleidenschaft an“, erzählt sie. Schnell ergab sich daraus das naheliegende Thema: Fingerhüte aus verschiedenen Städten. Seit gut 30 Jahren sammelt sie;, mittlerweile stehen 162 Modelle in ihren Vitrinen. Deutschlandweit ist sie gut sortiert, nur ausgerechnet das Frankfurter Motiv ließ lange auf sich warten. „Ich habe es dann endlich einmal auf dem Hauptbahnhof entdeckt“, freut sich Karl Spieß.

Fingerhüte als Geschenke und Mitbringsel

Aus Frankreich kamen die ersten Fingerhüte in die Breubergstraße, etwa die Schlösser an der Loire. Betty und Karl Spieß haben alle besucht und überall einen als Erinnerung mitgenommen. Auch ein Modell aus Lourdes ist dabei – natürlich mit der Abbildung der berühmten Madonnen-Grotte. Ob Ravenna oder Genua, ob Gardasee, London oder Saalfelden – alles findet sich im Spieß’schen Wohnzimmer. Bis über den großen Teich ist die Sammelleidenschaft geschwappt. Mehrere Exemplare haben Betty und Karl Spieß selbst in den USA erstanden, etwa aus Carolina. Andere haben sie von den dort lebenden Kindern geschenkt bekommen.

Denn solche Leidenschaften sprechen sich rasch herum und füllen die Regale als Geschenke oder Mitbringsel: Im Jahr 2000 hatte Inge Rebel einen Fingerhut von der Weltausstellung Expo mitgebracht. In Ober-Roden stehen sie ordentlich sortiert, weitgehend alphabetisch („in der zweiten Reihe steht Berlin!“), und Karl Spieß in seiner bekannt gründlichen Art hat natürlich nummerierte Listen angefertigt.

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Aufbewahrt werden sie in speziellen Setzkästen. Den größte hat ihnen Ferdi Mieth zur Goldenen Hochzeit vor zehn Jahren geschreinert. 80 Stück sind hier besonders gut aufgehoben, weil die Felder so eng sind, dass kaum Staub darin hängen bleibt. Doch damit ist’s nicht getan; auch auf dem Wohnzimmerschrank oder zwischen dem Geschirr sind Fingerhüte zu finden. Da steht dann der emeritierte Papst Benedikt (natürlich direkt in Rom erworben) neben der Loreley oder dem handbemalten, den ihr die Hobby-Porzellanmalerin „Frau Keck aus der Bürgermeisterei“ vor vielen Jahren einst geschenkt hat. Typisch deutsch: Auch die Euro-Einführung schlägt sich im Sammlerregal nieder. Neben dem leuchtend königsblauen Fingerhut mit goldfarbenem Aufdruck der Pfennig- und Markmünzen prangt nun der Euro-Fingerhut: garantiert nicht zur Benutzung geeignet. Ein 1-Cent-Stück erhebt sich auf dem ebenfalls blau-goldenen Porzellanmodell just an jener Stelle, die zum Abwehren der Nadelstiche dienen sollte.

Im weltweit einzigartigen Fingerhut-Museum der Familie Greif in Creglingen waren Betty und Karl Spieß noch nie, aber sie haben’s noch auf dem Programm. Schließlich sammelt „Fingerhüterin“ Betty Spieß ja weiter, auch wenn sie „inzwischen das meiste schon hat“.

Quelle: op-online.de

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