Kunstprojekt verschönert die Stadt

Flammendes Gemeinschaftswerk

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Psychisch Kranke und Gesunde legen am Häfnerplatz ein Mosaik. Weitere sollen folgen.

Urberach - Psychisch kranke Menschen und Gesunde verschönern am Häfnerplatz tristen Beton. Aus hunderten Mosaiksteinen entstehen dort bunte Kunstwerke.

Die Klienten der „Brücke“, dem Psychosozialen Zentrum des Diakonischen Werks, sind buchstäblich mit Feuer und Flamme beim Kunstprojekt „Scherben bringen Glück“ dabei: Auf einem der vier riesigen Baumkübeln entsteht ein rot-gelb-orange-schwarzes Feuermosaik.

Sigrid Lang hatte die Idee schon beim Rödermark-Festival 2007 an Bürgermeister Roland Kern herangetragen. Doch die Skizzen verschwanden zunächst wieder in der Schublade; gut Ding wollte Weile haben. „Brücke“-Leiterin Gudrun Pfahl fand Anfang des Jahres mit der „Aktion Mensch“ einen Partner, der 4 000 Euro beisteuerte, und mit Ehrenbürgermeister Alfons Maurer einen Türöffner in die städtischen Gremien.

Mit Kreativität gegen das Nichtstun

In sechs Workshops hatten vier Menschen mit psychischen Erkrankungen und vier Gesunde den Umgang mit den angeblich Glück bringen Steinsplittern kennengelernt. Angeleitet wurden sie von Künstlerin Sigrid Lang, die unter Depressionen leidet, und mit ihrer Arbeit das bestätigt, was Gudrun Pfahl als Weg aus der Krankheit sieht: „Nichts ist schlimmer als nichts zu tun!“

Auf dem Häfnerplatz geschieht nämlich genau das Gegenteil. Mit eigenen Händen schaffen Behinderte und Nichtbehinderte aus Bruchstücken ein Ganzes. „Das ist gelebte Inklusion“, lobten Bürgermeister Roland Kern und Henning Merker, der Leiter des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich, unisono. Psychisch Kranke zeigen in aller Öffentlichkeit, wie „normal“ sie sind. Passanten nehmen sie mit all ihren Kompetenzen wie Konzentration, handwerklichem Geschick und Kooperationsbereitschaft wahr. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl.

Alle Beteiligten hoffen auf eine Fortsetzung

Das Flammenmosaik ist nur der Auftakt - hoffen Künstlerin, Kunstschaffende und Unterstützer gleichermaßen. Auf dem Häfnerplatz stehen vier dieser Baumkübel, auf denen Sigrid Lang außer dem Feuer auch die drei übrigen Grundelemente Erde, Wasser und Luft darstellen möchte. Um ihr Ziel zu verwirklichen, brauchen sie allerdings weitere 12. 000 Euro. Denn die Finanzspritze der „Aktion Mensch“ war eine einmalige Sache. Alfons Maurer hat schon signalisiert, seine guten Beziehungen zu potenziellen Geldgebern spielen zu lassen. 

(lö)

Quelle: op-online.de

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