Noch müssen sich einige Vorleser finden

Bibelmarathon geht an Start

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Rödermark - Ab Sonntag, 10. November, wird zum zweiten Mal nach 2005 in einer ökumenischen Aktion aller Rödermärker Gemeinden die Bibel gelesen – öffentlich und vor allem vollständig. Von Christine Ziesecke

Rund 120 Menschen, die sich wiederum Mitleser suchen, werden dann jeweils eine Stunde lang lesen – eine kleine Geste, die aber Zeit kostet. Mal werden sie zahlreiche Zuhörer haben, mal werden sie vielleicht fast alleine im Bücherturm oder im Töpfermuseum lesen.

Es bedeutet wohl Überwindung, öffentlich zu lesen und sich damit auch zur Bibel zu bekennen. Unsere Zeitung hat im Vorfeld eine kleine Umfrage gestartet, willkürlich ausgewählt 25 Personen angeschrieben und gefragt: „Lesen Sie die Bibel und welches ist ggf. Ihre Lieblingsstelle?“ Der Rücklauf war sehr viel dünner als bei anderen Umfragen. Wir bekamen nur acht Antworten – aber die mit ganz unterschiedlichen Aussagen. Ähnlich war es vor kurzem im „harten Kern“ einer Kirchengemeinde: da waren es bei Kirchenvorstehern und mit sehr viel Vorlauf auch nur sieben Antworten bei 16 Anfragen.

Offenbar kann oder möchte man diese Frage nicht auf die Schnelle beantworten, sie ist wohl sehr intim. Man spricht nicht über seinen Glauben oder Nicht-Glauben, über eigene Religiosität oder übers Praktizieren wie etwa Bibellese oder Gebet. Das Thema ist etwas Heiliges und damit Mystisches.

„Liebe und Sexualität“

„Das ist wie Liebe und Sexualität etwas ganz Persönliches, Inneres, über das man nicht spricht“, versucht Pfarrer Oliver Mattes es aus seinen zahlreichen Erfahrungen heraus zu deuten. Unabhängig von Alters- und Sozialgruppen möchte man sich nicht zwingend als gläubig – gleichbedeutend mit fromm – outen, und erst recht nicht zugeben, dass man womöglich in der Bibel liest.

Da ist aber auch die andere Gruppe, die sich nicht recht bewusst ist, wie die Mitbürger reagieren, wenn sie sich gegen oder zumindest abseits der heimischen Kirchengemeinde stellen – kommt das gut im Beruf und im Umfeld? Am leichtesten haben es sicher die Mitbürger, die bewusst und vielleicht schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten sind. Sie können laut und deutlich bekennen, dass sie keine Bibel lesen.

Zu denen gehören wohl die meisten der Leser nicht, die sich schon in die Listen eingetragen haben, um zwischen dem 10. und dem 20. November stückweise täglich von 10 bis 22 Uhr in aller Öffentlichkeit aus der Bibel zu lesen. Einmal durch, von Anfang bis Ende. Beim ersten ökumenischen Bibelmarathon 2005 konnte zu guter Letzt sogar ein ausgewähltes Stück noch ein zweites Mal gelesen werden. Man war „rechtzeitig durch“ mit dem alten und dem neuen Testament.

Anmeldung bei den Kirchengemeinden

Anmelden kann man sich in allen Rödermärker Kirchengemeinden, denen jeweils Teilabschnitte zugeordnet worden sind, unabhängig vom Leser und nur zur besseren Koordination.

In den Listen der Petrusgemeinde etwa sind noch sehr viele Vormittagstermine frei – die Listen hängen im Foyer des Gemeindehauses aus. Freie Zeiten gibt’s noch auf allen Plänen; jeder Leser sucht sich selbst Mitleser, mit denen er sich den Termin teilt oder selbst liest. In der ersten Woche wird im Lesesaal der Stadtbücherei, in der zweiten Woche im Töpfermuseum gelesen, wie schon 2005. Näheres dazu erfahren die Leser in der kommenden Woche, ehe es am Sonntag nach den jeweiligen Gottesdiensten im Bücherturm losgeht. Bis dahin gilt es aber noch Lücken zu schließen in den Listen der fünf Rödermärker Kirchengemeinden.

Quelle: op-online.de

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