Für Hobbyimker Holger Fischer fängt jetzt die Arbeit richtig an

Rödermark: Bienen bereit zum Ausschwärmen

Etwas verwundert schaut Hobbyimker Holger Fischer auf die recht dürftig besetzten Waben. Denn seine Bienen sind seit dem letzten Kontrollblick ins Untergeschoss des zweistöckigen Bienenstocks umgezogen.
+
Rödermark: Etwas verwundert schaut Hobbyimker Holger Fischer auf die recht dürftig besetzten Waben. Denn seine Bienen sind seit dem letzten Kontrollblick ins Untergeschoss des zweistöckigen Bienenstocks umgezogen.

Die warmen Tage in Rödermarkhaben die ersten Bienen ins Freie gelockt. Für den Ober-Röder Hobbyimker Holger Fischer fängt die Arbeit an. Und er lobt die Ober-Röder: In vielen Gärten blühen insektenfreundliche Pflanzen.

Rödermark – Insektenwiesen-Samen in fast jedem Gartenbedarfs-Laden, Blühstreifen allerorten vom Supermarkt-Parkplatz bis zum Straßenrand im Breidert – das klingt gut und zukunftsträchtig für Bienen. Aber merken das die Bienen auch? Und profitieren sie davon?

Auf der Suche nach Rödermarks Bienen (von denen es mittlerweile tatsächlich ausgesprochen viele gibt) landete die Offenbach-Post mitten in Ober-Roden, in der Johann-Strauß-Straße. Hier stehen zwischen gepflegten Einfamilienhäusern auf einer großen Wiese zwei Bienenstöcke, in denen derzeit noch gelassene Ruhe herrscht. Holger Fischer, der seit Dezember hier wohnende Hobbyimker, ist von dieser Ruhe leicht irritiert. Zwar hatte er seinen Völkern am Tag vor dem Fototermin extra noch eine Ladung Zuckerwasser zukommen lassen, um sie ruhig und gnädig zu stimmen. Dennoch war"s etwas viel der Ruhe in der oberen Etage.

Eine Besichtigung brachte den Beweis: Die Insekten im oberen Stock sind weitgehend ausgewandert. Anscheinend war ihnen die Königin nicht aktiv genug, drum sind sie nach unten gezogen, wo sie in großen Mengen in den Waben hängen. Die einsame Königin von oben lässt sich nicht blicken. Dafür sieht Holger Fischer aber mit der kleinen Lupe, die er immer bei sich hat, dass bereits Eier im unteren Stock abgelegt wurden – die Brut läuft also. Allerdings sind die Forsythien in den Nachbargärten kein österliches Festmahl, weil sie keine Blüten mit Stempeln und Pollen tragen. Aber viele andere blühende Büsche und Pflanzen sind für die Bienen eine Leckerei.

Wie kamen die Bienen ins Ober-Röder Ortsleben? Im Kofferraum aus Dietzenbach, erzählt der gebürtige Pfälzer Holger Fischer, der seit 1998 in Rödermark lebt. Abends im Dunkeln hatte er das Ausflug-Loch verschlossen, die Stöcke dann rasch ins Auto gepackt und am neuen Lebensmittelpunkt ausgeladen. Am nächsten Morgen kamen die Bienen erst langsam, aber dann völlig ungestört aus ihrem Ausgang und erkundeten die Umgebung.

„Hier fliegen sie nicht sehr weit, denn es gibt in allen Gärten gutes Futter; ansonsten schaffen sie schon drei bis fünf Kilometer“, erklärt Holger Fischer. Die Nachbarn haben keine Einwände – im Gegenteil, sie sind sehr interessiert und kommen immer mal wieder vorbei. Ausnahmsweise hat auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises bei so einem Umzug keine Einwände. Einzige Meldepflicht: den Standort dem Veterinäramt mitteilen. Ein Vertreter kommt dann vorbei, um sich vom Gesundheitszustand der Bienen zu überzeugen. So kann er der Ausbreitung von Krankheiten vorbeugen. Wichtig sind für Holger Fischer die Mitgliedschaft und die Kontakte mit einem Imkerverein, informationshalber und auch versicherungstechnisch.

Er empfand schon als Kind die Faszination für die emsigen Insekten. Als Ehefrau Birgit an seinem 50. Geburtstag anregte „Jetzt such dir ein Hobby!“, dachte er an die Honigbienen: „Weil"s da drin im Stock so wuselt, das find ich spannend.“

Reichlich Arbeit machen sie ja, die Tierchen, um deren Zukunft sich derzeit viele Menschen sorgen und kümmern. Gestochen wird der 53-jährige Ingenieur vielleicht zehnmal pro Jahr, aber ohne größere Folgen, höchstens mit leichten Schwellungen. Die Belohnung für seine Arbeit bekommt der Imker direkt von den Tieren geliefert. Seinen Honig schleudert er aber nicht, sondern presst ihn, wenn"s an der Zeit ist. Dann kommen die Waben in eine Presse, der Honig fließt heraus, das Wachs bleibt zurück und wird eingeschmolzen, im leuchtendsten Fall in duftende Kerzen. Holger Fischer: „So brauche ich zwar jedes Mal neue Waben, aber der gepresste Honig ist einfach besser, weil mehr Pollen darin sind. Und meiner schmeckt wirklich saugut, auch wenn er jedes Jahr anders schmeckt.“

Außerdem entstehen vor allem an den Ausgängen des Stocks kleine Mengen von Propolis-Tröpfchen, eine von den Bienen hergestellte harzartige Kitt-Masse mit antibiotischer Wirkung. Holger Fischer sammelt auch dieses Propolis, aus dem er in wochenlanger Kleinarbeit mittels Verflüssigen und Schütteln die Essenz herstellt, die er mit reinem Alkohol zu einem Natur-Medikament verarbeitet, das er gegen viele kleine Beschwerden und Verletzungen nutzt.

Auch wenn der Bienenflug noch nicht richtig eingesetzt hat: Das etwas kühlere Osterwetter jedenfalls ist für die Bienenvölker optimal, und die zunehmende Aufklärung der Menschen über den lebenswichtigen Schutz hat einen immer besser gedeckten Bienen-Esstisch zur Folge. Das lässt auf viel Honig auch im Hause Fischer hoffen, und der ist ja bekanntlich „saugut!“

Kontakt: Holger Fischer, holger.fischer@hotmail.com; www.imkerverein-maingau.net (Christine Ziesecke)

Rödermark: Die Waben sind ein Mikrokosmos, der einen Imker entzücken kann – gerade jetzt, wo die Saison losgeht und die Bienen anfangen auszuschwärmen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare