Bienen leiden unterm Wetter

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Mit einer Mischung aus Neugier und Respekt umlagerten die Drittklässler den Bienenstock von Waldemar Befuß. Der Imker hatte das fast 70 000 Tiere zählende Volk zuvor mit einer Rauchwolke beruhigt.  

Urberach - Urberacher Imker erläutert Schülern, warum der sprichwörtliche Fleiß nichts bringt.

Waldemar Befuß‚ angeblich so fleißige Bienen haben dieses Jahr nur knapp ein Drittel ihrer Leistung gebracht. Der Nektar, den sie sammelten, reicht gerade für zehn Kilo Honig pro Volk - in guten Jahren schleudert Befuß die dreifache Menge.

Arbeitsbienen schuften sich zu Tode: Im Sommer werden sie nur etwa vier Wochen alt. Im Winter, wenn nichts zu tun ist, überleben sie sechs bis sieben Monate. 

Doch 2013 war kein gutes Bienenjahr, erläutert er der Klasse 3 c der Schule an den Linden, die ihm einen Besuch abstattetet. April und Mai waren zu nass und zu kalt, da konnten sich seine fünf Völker nicht richtig entwickeln. Im Juli und August bremste die Hitze den Arbeitseifer der ohnehin zu kleinen Belegschaft, was die Produktion weiter schmälerte.

Waldemar Befuß, der in seiner russischen Heimat und später in Dreieich als Tierarzt arbeitete, kann mit den Widrigkeiten des Wetters leben. Doch die zunehmende Umweltbelastung setzt seinen Bienen - und damit ihm - doch arg zu. Selbst in kleinen Gärten würde jedes Unkraut sofort mit Gift bekämpft. Dabei vergessen die Hüter der Rasensymmetrie, dass auch die Blüten von Unkraut wichtige Nahrungsquellen für Bienen sind. Mit Gift gespritzt werden sie jedoch zur Todesfalle. „Die Bienen fliegen aus dem Stock und kommen nicht zurück. Das ist ein großer Verlust“, schilderte Befuß seinen Gästen und hofft, dass die Kinder ihren Eltern beim Gärtnern künftig ein wenig auf die Finger schauen.

Noch summen viele Bienen durch die Urberacher Wohngebiete. Aber Waldemar Befuß hat eine ganz persönliche Schreckensvision: Im Imkerverein hat er einen Film über China gesehen. Viele Gebiete sind von Bienen und Hummeln entvölkert, weil die Luft dort von katastrophal mieser Qualität ist.

Befuß war aber mehr als ein Mahner für den Bienenschutz, denn er vermittelte den Kindern auch viel Wissenswertes über die Imkerei. Eine Bienenkönigin beispielsweise legt täglich 2 000 Eier - eine Menge, die ihrem eigenen Gewicht entspricht. Aus fast allen Eiern schlüpfen Arbeiterinnen. Kommt eine neue Königin zur Welt, muss die Hausherrin weichen. Sie verlässt den Stock mit ungefähr der Hälfte des Volkes. Dieser Schwarm bildet einen schützenden Klumpen um die Königin und sucht zunächst einen provisorischen Landeplatz. Von dort suchen einige wenige Kundschafter eine neue Heimat.

Die fünf Bienenstöcke, die auf Waldemar Befuß" Grundstück im Hallhüttenweg stehen, blieben bislang von der Varroa-Milbe verschont. Der Imker schöpft daraus die Hoffnung, dass seine Völker gut über den Winter kommen und nächstes Jahr wieder so bienenfleißig sind, wie das Sprichwort ihnen nachsagt.

Quelle: op-online.de

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