Bildhauerin Renate Golla

Kunst leidet unterm Spardiktat

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Bildhauerin Renate Golla gibt ihr Atelier in Ober-Roden auf, weil Kommune und Kirchen keine Skulpturen mehr aufstellen wollen. Jetzt konzentriert sie sich aufs Zeichnen in Frankfurt. Für Renate Golla heißt es Ende des Jahres Abschied nehmen aus Ober-Roden. Der Bildhauerin laufen die Kosten für das Atelier in der Obergasse davon.

Ober-Roden - Viele Plätze in Ober-Roden und Urberach sind eng mit dem Namen Renate Golla verbunden, überall stehen Skulpturen von ihr. Nun muss die Bildhauerin ihr Atelier schließen, weil sie es nicht länger bezahlen kann. Von Christine Ziesecke

Momentan läuft die voraussichtlich letzte Ausstellung in der Obergasse. „Leider muss ich mich aus finanziellen Gründen zum Jahresende von Ober-Roden verabschieden. Ich werde aber auf kleinem Raum weiterarbeiten.“ Mit dieser Erläuterung auf der Einladungskarte zur Vernissage überraschte Bildhauerin Renate Golla (78) Freunde und Bekannte. Viele reagierten verwundert, so mancher auch betroffen. „Früher bekam ich Aufträge von der Kommune und den Kirchen, dann kam ich so über die Runden. Aber das ist alles versiegt“, bedauert die Künstlerin und sieht damit das Ende ihres Ateliers gekommen, weil sie es sich einfach nicht mehr leisten kann.

In Kassel geboren, in Frankfurt an Städel und Hochschule für Bildende Künste ausgebildet, verschrieb sie sich anfänglich der Gestaltung von Figuren, Gruppen und Portraits. Sie zog nach Waldacker und beteiligte sich 1985 am Atelier der Schmuckdesignerin Susanne Voss in der Obergasse. In die kommenden Jahre fielen auch die großen Plastiken, die ihren Namen für immer mit Rödermark verbinden: der so genannte „Knochen“ vor dem Ober-Röder Rathaus etwa, das Denkmal für die Tschonopler Donauschwaben im heutigen Ungarn vor dem TG-Sportplatz, oder das Denkmal aus Muschelkalkstein in der Urnengräberanlage des Urberacher Friedhofs.

Eine der beeindruckendsten Stelen ist das Denkmal für ungeborene oder zu früh verstorbene Kinder: „Geborgen im Innern“ lautet die Inschrift auf der dunklen Basaltsäule, aus der eine weiße Marmorknospe mit einem sonnengelben Blütenkern erwächst. Sie steht etwas versteckt im neuen Teil des Ober-Röder Friedhofes und fordert geradezu zum Gedenken und Erinnern an Familienschicksale heraus.

Von beschaulichen Waldacker zog Renate Golla vor 13 Jahren nach Frankfurt, in der Hoffnung, dort etwas näher an Kunst und Künstler heranzurücken. „Doch es lebt natürlich auch eine Flut gerade junger Künstler in dieser Stadt!“: Die Konkurrenz wurde ihr rasch bewusst, auch wenn sie weiter in Frankfurt ihren Lebensmittelpunkt sieht. Großen Plastiken oder auch Grafiken wird sie sich nun in ihrer kleinen Wohnung nicht mehr widmen können: „Das staubt ja auch alles viel zu sehr, ich werde jetzt wohl nur noch zeichnen.“

Für ihr vorhandenes Material und vor allem für ihre Werke sucht Renate Golla noch geeignete Unterstellmöglichkeiten. Ihr wurden schon Keller angeboten, aber die waren nicht geeignet. Die Räume müssen trocken und leicht erreichbar sein. Bis zum Jahresende wird sie zu den normalen Öffnungszeiten noch in ihrer Werkstatt in der Obergasse anzutreffen sein, doch zum 1. Januar hat sie das Atelier gekündigt. Wer Renate Golla während der Ausstellung besucht, bekommt noch einmal die Fülle ihrer vor allem auf der Spannung von Sichtbarem und Verstecktem aufgebauten Werke zu sehen und kann vielleicht noch eine Erinnerung erwerben. Danach wird sie schrittweise ihr Atelier leeren müssen. Doch dank ihrer Werke wird Renate Golla unlösbar mit Rödermark verbunden bleiben. Sie hat auch sich buchstäblich Denkmäler gesetzt.

Quelle: op-online.de

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