Bildungspaket: Empfänger gesucht

Rödermark (lö) - Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und kommunale Spitzenverbände diskutierten gestern in Berlin über das Bildungspaket für knapp 2,5 Millionen bedürftige Kinder.

Bisher haben bundesweit nur 25 bis 30 Prozent der Familien Geld für Nachhilfe, Vereinsbeiträge, Mittagessen in der Schule oder Musikschulunterricht beantragt. Politik, Schulen, Kindergärten, Vereine und Sozialverbände überlegen auch in Rödermark, wie das Bildungspaket umgesetzt werden kann. Der SPD-Vorsitzende Hidir Karademir gibt die Zahl bedürftiger Kinder mit mehreren Hundert an. Auch davon hat erst ein Bruchteil Hilfe beantragt. Im Kreis leben rund 7000 Kinder in Familien, die jeden Euro zwei Mal umdrehen müssen.

Die zentrale Frage lautet: Wie bekommen diese Kinder das Mittagessen in der Schule, ohne sich als arm outen zu müssen? Die CDU hatte kurz vor der Sommerpause eine Initiative in der Stadtverordnetenversammlung gestartet und regte eine Chipkarte für alle Rödermärker Schüler an: Bei Familien, die von Hartz IV leben müssen, zahlt der Kreis Geld auf den Chip. Alle übrigen laden ihn selbst.

Chipkarten-System funktioniert an der Nell-Breuning-Schule

Eine solche Chipkarte müsse natürlich im ganzen Kreis eingeführt werden. Intern funktioniert das bereits an der Nell-Breuning-Schule. Hier stehen alle Kinder mit einem einheitlichen Ausweis an der Kasse. Niemand wird diskriminiert, da nur der Förderverein weiß, wer das Geld eingezahlt hat.

Der Kreis hat nach Auskunft seines Sozialdezernenten Carsten Müller (SPD) 6,5 Millionen Euro vom Bund fürs Bildungspaket erhalten. Bei einer Veranstaltung der Rödermärker Genossen machte er aber deutlich, dass er das Geld lieber in den Ausbau der Ganztagsschule oder die Objektförderung investiert hätte. Der bürokratische Aufwand ist laut Müller immens: Anträge müsste in Anlaufstellen in Rödermark, Dietzenbach oder Hanau gestellt werden. Der Kreis habe sechs neue Stellen schaffen müssen, die ihn jedes Jahr rund 400.000 Euro kosten.

Das Bildungspaket, in Berlin als der große Wurf gegen soziale Ausgrenzung gepriesen, bereitet auch Rödermärker Vereinen einiges Kopfzerbrechen. Viele Vorstände wollen Kindern aus Hartz-IV-Familien die Teilnahme am Fußballtraining, an Turnstunden oder Orchesterproben ermöglichen, fühlen sich aber schlecht informiert. Mit Hans-Dieter Scharfenberg gibt es nur bei der Turngemeinde Ober-Roden einen Ansprechpartner, der Eltern seine Unterstützung bei der Antragstellung anbietet.

Quelle: op-online.de

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