Ober-Roden

Billig-Tabletten als Wundermittel gepriesen

Ober Roden - (lö) Busreisen nach der Devise „einmal bezahlen, zweimal fahren“, Sauerstoffgeräte, kabellose Bügeleisen und Bratpfannen - es war ein wahres Sammelsurium, das Daniel, Timmy und Lieschen, alle natürlich ohne Nachnamen, in einer Lampertheimer Gaststätte anpriesen.

Friederike Alpers aus Ober-Roden hatte sich auf einen Abenteuerurlaub am Altrhein eingelassen und sich für die Kaffeefahrt eines Bremer Finanzdienstleisters angemeldet.

Herzhaft gelacht hat sie über die teils unfreiwillig komischen Verkaufsbemühungen des Trios für eingangs erwähnte Billigprodukte. Doch „sehr erschreckt und schockiert“ hat Friederike Alpers, wie dort für ein Wundermittel namens „Cardizym“ geworben wurde. Sie hat deshalb die Verbraucherzentrale eingeschaltet, damit die den Bremer Finanzdienstleister und seinen Vertriebspartner aus Berlin auf ihre Schwarze Liste unseriöser Unternehmen setzt.

Sauer aufgestoßen hat Friederike Alpers, selber jung und gesund, dass Daniel gezielt erkennbar kranke ältere Teilnehmer der Kaffeefahrt beackerte. „Cardizym“ senke den Blutdruck, helfe die Körperzellen zu erneuern und erspare die Einnahme von Beta-Blockern und Gerinnungshemmern. Und das nicht für die 3 900 Euro, die eine solche Therapie normalerweise kostet, und auch nicht für 1 000 Euro, sondern nur für etwas mehr als einen Hunderter. Herings-Heinz vom Jahrmarkt ließ grüßen.

Nicht auf dem Jahrmarkt, sondern im Drogeriemarkt ist „Cardizym“ für ein paar Euro zu haben, denn hinter dem hochtrabenden Namen verbergen sich frei verkäufliche „Coenzym 10“-Tabletten.

Friederike Alpers hat an der Kaffeefahrt teilgenommen, weil der Veranstalter sie seit eineinhalb Jahren mit einem Geldgewinn von 2 000 Euro nervte, der sich mit jedem Brief auf zuletzt 10 000 Euro steigerte. „Da wollte ich doch mal sehen, wie die sich aus der Affäre ziehen“, war ihre Neugier größer als die Angst, Ramsch teuer einzukaufen. Der Geldpreis entpuppte sich als Rubbellos, der auf der Einladung versprochene Präsentkorb war eine Plastiktüte mit Toastbrot und Fertig-Glühwein.

Wer wie Friederike Alpers der Dauerwerbung aufdringlicher Verkäufer widersteht, kann bei einer Kaffeefahrt durchaus Spaß haben. Allen anderen rät sie, die Veranstalter mit ihren eigenen Waffen zu schlagen: Die Einladung einfach anonym in einen möglichst großen Umschlag stecken und den unfrankiert an die angegebene Postfachadresse schicken. Die sieht war deutsch aus, ist aber eine ausländische. Und dann wird die Annahme unfrankierter Briefe für den Empfänger richtig teuer...

Quelle: op-online.de

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