MTV bittet Mitglieder um Geld

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Mit spitzem Stift kalkulierten Ekkehard Busch, Horst Möhwald und Werner Burmeister (von links) die nötigen Investitionen für die rund 3 000 Quadratmeter Hallenfläche sowie die neun Tennisplätze und die Leichtathletik- und Beachvolleyball-Anlage durch. Geld muss und will der Vorstand auch in die vergleichsweise neue Tennishalle stecken. Denn deren Vermietung ist eine wichtige Einnahmequelle für den Verein und verhindert, dass Beiträge oder die Umlage weiter erhöht werden müssen.

Urberach - Rund 500 000 Euro muss der MTV in den kommenden 10 bis 15 Jahren investieren, um Hallen und Plätze in Schuss zu halten. Doch diese Riesensumme kann er weder durchs Plündern seiner Rücklagen noch durch Grundstücksverkäufe wie beispielsweise in Jügesheim oder schmerzhafte Sparmaßnahmen aufbringen. Von Michael Löw

Als einer der ersten Großvereine in der Umgebung bittet der MTV seine Mitglieder deshalb um Geld in Form einer Umlage. Sie soll 90 000 Euro in die Kasse spülen.

Wir wissen, dass wir unseren Mitgliedern da einiges abverlangen“, sieht Sportvorstand Horst Möhwald manchen Ärger auf die MTV-Spitze zukommen. Auch Austritte seien möglich. Allerdings hat er bei einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung überwiegend Verständnis für diese unpopuläre Sammelaktion erfahren.

Möhwald und Werner Burmeister, im Vorstand für die Verwaltung verantwortlich, legten die Bilanzen ebenso offen auf den Tisch wie sie auf noch drastischere Alternativen hinwiesen: „Einer Insolvenz muss entschlossen entgegengewirkt werden!“. Anders als Bund, Länder und Gemeinden kann Rödermarks größter Verein nicht immer neue Kredite aufnehmen - Zinsen und Tilgung würden ihm irgendwann jeden finanziellen Spielraum nehmen. Burmeister ließ zudem durchblicken, dass sich die Bereitschaft der Banken zu neuen Krediten in Grenzen hielt.

Daher will der MTV auch ein Drittel der Umlage für Sondertilgungen verwenden, um fortzusetzen, was er voriges Jahr begonnen hat. Der Verein zahlte seine Darlehen zumindest teilweise ab. Jetzt betragen die Außenstände noch etwa 300000 Euro.

STICHWORT

- Die äußerst angespannte Finanzsituation hatte bei der regulären Mitgliederversammlung am 26. März für heftige Diskussionen gesorgt. Der MTV-Vorstand suchte darauf hin nach neuen Wegen aus der Krise.

- Im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Juni stellte der Vorstand das Umlage-Modell als Alternative zu weiteren Schulden oder drastischen Einschränkungen im Sportbetrieb vor. Die Mitglieder stimmten der Satzungsänderung zu.

- Sobald das Registergericht die neue Satzung genehmigt hat, beruft der Vorstand eine weitere außerordentliche Hauptversammlung ein, bei der über die Details der Umlage abgestimmt wird.

- Der Grundsatzbeschluss sieht eine Umlage von bis zu drei Jahresbeiträgen, gedeckelt auf 500 Euro, vor.

- Soweit will der Vorstand aber nicht gehen: Die Mitglieder sollen ihren Verein mit einem halben Jahresbeitrag unterstützen.

- Bei einem erwachsenen Vollzahler beträgt die Umlage also 67 Euro. Für eine vierköpfige Familie werden 168 Euro fällig.

Die übrigen zwei Drittel will der Vorstand nutzen, um Rücklagen zu bilden und dringend nötige Investitionen zu bezahlen. „Am meisten tut uns die alte Hallenbeleuchtung weh“, sagt Möhwald. Einmal ging das Licht sogar während eines Liga-Spiels der Basketballer aus. Ersatz kostet 25 000 bis 30000 Euro.
Heizungen, Duschen und Toiletten sowie die Flachdächer der mehr als 30 Jahre alten Hallen können schnell zum nächsten Schadensfall werden, der den Sportbetrieb gefährden kann. Zumal‘s für die betagte Technik keine Ersatzteile mehr gibt, und dem MTV nur der teure Komplettaustausch bleibt.
Ratenzahlung oder Stundung, wenn Mitglieder von Hartz IV leben, sind laut Burmeister zwei Möglichkeiten, die Umlage sozial abzufedern. Außerdem räumt der Vorstand Mitgliedern ein Sonderkündigungsrecht ein, damit sich niemand über den Tisch gezogen fühlt.
Gleichzeitig rief der MTV seine 24 Abteilungen auf, die Vereinskasse zu füllen. Den Anfang macht die Tennisabteilung, die dieses Jahr ihren 40. Geburtstag feiert. Abteilungs-Vize Ekkehard Busch kündigte eine Spendenaktion, ein Jugend-Event am 27. Juni und eine italienische Nacht am 4. Juli an.

Quelle: op-online.de

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