Was bleibt, ist große Ungewissheit

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Zum Abschied überreichte Marlon kleine, zarte Pflänzchen an die scheidende Leiterin Petra Müller-Wittmann und Erzieherin Manuela Frank-Hohn, die den Kindergarten St. Gallus ebenfalls verlassen wird.

Urberach (chz) - Rente ist, wenn man den Badeanzug auspacken kann, Tochter und Enkelkind nicht nur auf dem Fotopapier anschauen kann, wenn man Musik machen und ins Theater gehen kann und vor allem: Wenn der Wecker nicht mehr morgens um 5.15 Uhr klingelt!

Petra Müller-Wittmann, seit 1991 Leiterin des Kindergartens St. Gallus, ist jetzt Rentnerin. Sie geht zu einer Zeit in den Ruhestand, in der der katholische Kindergarten vor einer ungewissen Zukunft steht. Denn außer der Chefin haben in den vergangenen Wochen schon fünf Erzieherinnen die Einrichtung verlassen beziehungsweise haben ihren Abschied angekündigt.

An ihrem letzten Arbeitstag erklärte Petra Müller-Wittmann den derzeit 70 Kindern, was Rente und Ruhestand bedeuten. Sie zeigte ihnen auch Stück für Stück, was in Kürze aus der Kita verschwinden wird: ihre „Chefin“-Tasse aus der Küche, ihr Kissen für den gelegentlichen Mittagsschlaf und natürlich auch ihr Stehpult – das wird nun zuhause in ihrem Garten andere Dienste leisten.

Vor dem großen Abschiednehmen hatten sich Petra Müller-Wittmann und ihre Kolleginnen extra den Rat einer Psychologin der Caritas-Erziehungsberatungsstelle geholt. Sie wollten vor allem wissen, wie sie den Verlustängsten der Kinder entgegentreten können. Nach vielen langen Jahren als Erzieherin in der St. Gallus-Kita kämpften aber auch die Frauen gegen den Trennungsschmerz.

Mit Liedern, einem kleinen Auftritt und mit Geschenken wie einer Kette aus von jedem Kind einzeln ausgesuchten Wunschperlen und einem Beutel mit den passenden Wünschen sowie Blümchen verabschiedeten sich die Kinder von ihrer „Petra“ und bekamen noch einmal erzählt, dass sie die Schlüssel nun an „Gudrun“ übergeben wird. So heißt die neue Leiterin, die am 1. Juni angefangen hat.

Mit einem Basketballkorb und einem Motorikspiel möchte Petra Müller-Wittmann in den Herzen der Kinder bleiben – typisch für sie: Spiele, in denen es notwenig ist, gemeinsam etwas zu erreichen, in eine Richtung zu ziehen, sich abzusprechen. Der Abschied ins Privatleben fällt der Leiterin trotz aller gesundheitlichen und zwischenmenschlichen Belastungen sehr schwer, zumal sie eine ganze neue Ära in der Kita eingeläutet und gegen viele Widerstände vertreten hat: die kindzentrierte offene Pädagogik, zu der auch Großprojekte wie die grundlegende Umgestaltung des Außengelände gehörten. Gerne denkt sie auch an den 100. Geburtstag der Kita im Jahr 2002 zurück und dankt den Generationen von Eltern, die sie gemeinsam mit den Kolleginnen in ihrer Arbeit unterstützt haben, aber „stets werden mir vor allem wunderbare Kinderpersönlichkeiten in Erinnerung bleiben!“

Wie es mit der Kita St. Gallus weitergeht, erscheint im Moment noch offen: Bislang ist trotz fünf Abgängen in den Sommermonaten außer der neuen Leiterin und einem Erzieher, der zum 1. Juli für 34 Wochenstunden beginnen wird, noch kein weiteres Personal in Sicht: „Seit dem 1. Juni herrscht hier absoluter Personalmangel für unsere 70 Kinder, darunter 30 Essenskinder – wir können eigentlich die Aufsichtspflicht nicht mehr gewährleisten.“ Das Bischöfliche Ordinariat in Mainz hat auf Anfrage der Kita-Leitung noch nicht reagiert; als beste Lösung erscheint den Erzieherinnen eine Übernahme durch die Stadt.

Quelle: op-online.de

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