Bolzplätze sind Mangelware

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Es geht auch ohne Rasen und fußballerisches Komplett-Outfit: Zum spontanen Kick treffen sich Linus (schwarzes Trikot), Kevin (rotes Trikot) und Jannis (im Hintergrund) einmal die Woche auf dem Bolzplatz in der Seligenstädter Straße.

Ober-Roden ‐ Wo sollen nur die Instinktfußballer herkommen, die Deutschland im Jahr 2018 zur Weltmeisterschaft dribbeln? Straßenkicker, die den Umgang mit dem Ball außerhalb der Vereinssportplätze lernen wollen, finden fast keine Trainingsmöglichkeiten mehr. Denn es gibt sie kaum noch, die guten alten Bolzplätze. Von Sascha Eyßen

Der Platz an der Seligenstädter Straße, direkt hinter dem TS-Gelände, ist ein solches Relikt. Hier ist zeitweise sogar so viel los, dass zwei mittelgroße Mannschaften gegeneinander antreten können. Sagen zumindest die Stammgäste.

Jannis Janorske und Leo Wörner, beide 13 Jahre alt, gehören zu diesen Stammgästen. Mindestens dreimal die Woche kommen sie zum Kicken hierher. Wenn nicht gerade die deutsche Mannschaft ran musste, dann hielten sie auch nicht die parallel laufenden Nachmittagssspiele der WM von einem Bolzplatz-Besuch ab. Eine Meinung zum großen Fußball in Südafrika haben sie aber natürlich schon.

Tornetze wurden durch Gitter ausgetauscht

Dem Löw-Team wünschen sie selbstverständlich eine gute WM. Topfavorit Brasilien dagegen weniger: „Die waren schon fünfmal Weltmeister, außerdem haben die gegen die Elfenbeinküste unfair gespielt“, sagt Jannis, der leider vergeblich gehofft hatte, dass Südafrika ein gutes Turnier spielt. Leo Wörner drückt neben dem deutschen Team auch der Elfenbeinküste die Daumen - auch wenn sie nur noch minimale Chancen hat. Ein Schulprojekt hatte ihm kürzlich das Land näher gebracht.

Da sie ihre Laufbahn im Verein beendet haben, sind die Spiele auf dem Bolzplatz die einzige fußballerische Betätigung für Leo und Jannis, die ganz in der Nähe wohnen. Eine kürzlich vorgenommene Veränderung auf „ihrem“ Bolzplatz kommt daher nicht besonders gut an. Die Tornetze wurden durch Gitter ausgetauscht, jetzt springt der Ball nach jedem Treffer ins Spielfeld zurück.

Deutschland wird bei der WM Zweiter

Zu den jüngsten Nutzern des Bolzplatzes gehören Linus Weber (6), Kevin Aukal (4) und Jannis (5), der seinen Nachnamen beim Fußballspielen gerade nicht parat hatte. Das Trio spielt in der G-Jugend der TS, nutzt aber auch außerhalb des Vereins alle Möglichkeiten zum Fußball spielen. „Wir müssen ja irgendwo mal üben“, sagt Jannis. Mindestens einmal die Woche wird neben dem Training im Verein gemeinsam gebolzt.

Deutschland wird bei der WM Zweiter, ist sich Jannis sicher. Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer sind seine Favoriten im DFB-Team. Linus Weber nennt neben Bayernstar Bastian Schweinsteiger noch Mittelfeldspieler Marko Marin als von Werder Bremen Vorbild.

Fakten:

  • Auf dem eingezäunten Hof der Schule an den Linden in Urberach gibt es einen offiziellen Bolzplatz. Doch den vermietet die Stadt nur an feste Gruppen, Spontankicker haben keine Chance.
  • Bedingt fußballtauglich sind die Bolzplätze auf dem Spielplatz an der Plattenhecke, hinter dem Kirchenpavillon in Waldacker und an der Helene-Lange-Schule.
  • Ähnlich dünn sieht‘s in Rodgau aus: Gekickt werden kann nur in der Werrastraße (Rollwald) und hinter der Sporthalle der Stauffenberg-Schule (Dudenhofen).

Quelle: op-online.de

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