Wärmedämmung der Fassaden wirkt wie Zunder

Brand verwüstet drei Reihenhäuser

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Etwa 100 Feuerwehrleute aus vier Städten bekämpften gestern den Großbrand in der Seligenstädter Straße. Der Einsatz begann gegen 5.30 Uhr, noch um 16 Uhr kontrollierte ein Trupp die Häuser letztmals mit der Wärmebildkamera.

Ober-Roden - Drei Reihenhäuser in der Seligenstädter Straße wurden gestern Morgen ein Raub der Flammen. Die elf Bewohner - darunter fünf Kinder im Alter von 5 bis 13 Jahren - konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Der Schaden geht in die Hunderttausende. Von Michael Löw

Nach ersten Ermittlungen der Kripo löste ein technischer Defekt das verheerende Feuer aus.

„Ich sah die Flammen schon von Rollwald aus“, schilderte ein Nieder-Röder Feuerwehrmann das Ausmaß des seit Jahren größten Brandes in Ober-Roden. „Die Wärmedämmung der Fassaden trieb die Flammen wie Zunder nach oben. Dann fraßen sie sich rasend in die Dächer hinein“, erläuterte Herbert Weber, seit Sonntagnacht auch formal Rödermarks neuer Stadtbrandinspektor, warum das Feuer so fatale Folgen hatte.

Um 5.23 Uhr hatte eine Nachbarin den Brand bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Kinderschreie hatten die Frau geweckt. Als sie die dramatischen Szenen auf der anderen Straßenseite sah, wählte sie nicht nur die 112, sondern klingelte auch die Bewohner weiterer Häuser heraus.

Trotz eisglatter Straßen war ein erster Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Roden mit vier Fahrzeugen wenig später an der Unglücksstelle. Auf der Rückseite standen die beiden mittleren der vier zusammenhängenden Reihenhäuser voll in Flammen, die auch auf die Nachbarhäuser übersprangen. Selbst ein Löschangriff aus allen Rohren konnte nicht verhindern, dass das Feuer auch das dritte Haus verwüstete. „Wenigstens das vierte konnten wir retten“, sagte Weber. Es wurde nur leicht in Mitleidenschaft gezogen.

Der Stadtbrandinspektor alarmierte umgehend Kräfte aus Urberach, Rodgau und Dietzenbach, aus Neu-Isenburg rückte der Nachschubtrupp an und brachte frische Atemschutzgeräte. Alles in allem waren rund 100 Feuerwehrmänner und -frauen im Einsatz. Rotes Kreuz, Johanniter und Malteser waren mit zwei Betreuungszügen vorOrt. Sie versorgten die Feuerwehrleute mit heißen Getränken und Brötchen.

Kurz vor halb acht kam die Meldung „Feuer aus!“. Bis 9.30 Uhr suchten Feuerwehrleute vom Teleskopmastfahrzeug nach versteckten Glutnestern unter den Dächern. Ein Zimmermann sicherte die drei Häuser notdürftig, gegen 16 Uhr kontrollierte die Feuerwehr noch einmal mit der Wärmebildkamera.

Die Brandermittler der Kriminalpolizei begannen gegen 11 Uhr mit der Suche nach der Unglücksursache. Nach Auskunft von Polizeisprecher Ingbert Zacharias war möglicherweise eine Heizdecke schuld. Mit 500.000 Euro sei der Schaden eher vorsichtig geschätzt; er könne noch höher werden.

Großbrand: Häuser in Flammen

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Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wurden die drei Familien zunächst in einem Feuerwehrbus betreut und vom Rettungsdienst auf mögliche Rauchvergiftungen untersucht. Doch die Sanitäter gaben schnell Entwarnung.

Noch im Bus bot Bürgermeister Roland Kern den zumindest vorläufig Obdachlosen die Hilfe der Stadt an: „Durch einen glücklichen Zufall haben unsere Kommunalen Betriebe gerade zwei Vier-Zimmer-Wohnungen frei. Dann hätten wir zumindest Notunterkünfte.“ Die Malteser wollen schnellstens Feldbetten dorthin bringen.

Schon während der Löscharbeiten kümmerten sich Nachbarn um ihre Nachbarn. Kleidung und Shampoo, so Bürgermeister Kern, trafen als erste Spontanspenden ein. 

  • Die evangelische Kirchengemeinde Ober-Roden hat noch gestern ein Spendenkonto eingerichtet: Sparkasse Dieburg, Konto 49105141, BLZ 508 526 51, Stichwort: „Hilfe Seligenstädter Straße“. Ansprechpartner sind die Gemeindepädagogen Britta und Frank Daxer, daxer@gockel.info.

Quelle: op-online.de

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