„Brauchen dieQuereinsteiger“

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NBS-Rektor Jochen Zeller

Rödermark - (lö) Mit einem Extra-Programm lockt die Landesregierung seit 2008 Praktiker in die Schulen. Sie sollen den Mangel an Lehrern in bestimmten Fächern lindern. Wir sprachen mit NBS-Rektor Jochen Zeller über Erfahrungen mit den so genannten Seiteneinsteigern.

Seit wann unterrichten Quereinsteiger im Lehrerberuf?

Quereinsteiger gibt es seit Jahrezehnten, dies waren in der Vergangenheit allerdings immer Einzelfälle. Regelrecht explodiert ist die Zahl 2008 durch das Seiteneinsteigerprogramm der Hessischen Landesregierung, dessen Auslöser wiederum ein eklatanter Lehrermangel vor allem im Bereich vor Physik und Mathematik ist.

Aus welchen Berufen kommen diese Lehrer?

Es sind vor allem Personen mit einem abgeschlossen naturwissenschaftlichen Studium, meist auch mit einem akademischen Grad. Überwiegend waren sie in der Industrie tätig, teilweise kommen sie auch direkt aus dem Wissenschaftsbetrieb.

Wie viele sind's, und in welchen Fächern unterrichten sie?

Im Sinne des Quereinsteigerprogramms sind an der NBS sieben Personen in den Klassen und Kursen tätig, hinzu kommen noch acht, die sich auf dem Weg zu Lehrkräften mit Lehramt befinden. Dabei handelt es sich um Lehrer aus dem Ausland, die in ihrem Herkunftsland bereits unterrichtet haben und sich nachqualifizieren, oder um solche, die Lehrerfahrung haben, jedoch kein anerkannte Qualifikation besitzen. Überwiegend erfolgt der Einsatz in Chemie, Biologie Physik und Mathematik. Sie sind aber u.a. auch in den Fachschaften Kunst, Musik, Fremdsprachen und Deutsch vertreten.

Wie haben die Eltern, wie haben die verbeamteten Kollegen reagiert?

Wir setzen grundsätzlich unsere Lehrkräfte nach ihren Fähigkeiten ein und es ist nicht üblich, den Eltern oder Schülern die formalen Qualifikationen bekannt zu geben. Über den Einsatz von Quereinsteigern ist die Schulgemeinde grundsätzlich informiert. Vom Kollegium werden diese Personen mit offenen Armen empfangen. Wir haben ein allem Neuen und allen Neuen gegenüber sehr aufgeschlossenes, junges Kollegium und die angestammten Kolleginnen und Kollegen wissen, dass wir die Quereinsteiger zur Verwirklichung unseres Bildungsauftrags brauchen und unterstützen sie dementsprechend.

Aus dem Forschungslabor oder dem Kunstatelier in den Klassensaal - ging das immer gut? Oder stellte sich heraus, dass ein hochkarätiger Praktiker nicht zwangsläufig ein qualifizierter Pädagoge sein muss?

Ein solcher Quereinstieg verläuft natürlich nicht immer erfolgreich: Sei es, dass die Vorstellungen des in die Schule Eintretenden sich nicht mit der Wirklichkeit des Lehrerberufs decken, sei es, dass der geringe Kenntnis- und Praxisstand nicht in einer vertretbaren Zeit entsprechend ausgeweitet werden kann. Wenn Quereinsteiger trotz sorgfältiger Auswahl ihren Aufgaben nicht gewachsen scheinen, trennen wir uns im gegenseitigen Einvernehmen.

Wie kann man diese Fehlentwicklungen verhindern, damit auch alle Seiten von den Quereinsteigern profitieren?

Es ist auch anzumerken, dass die angebotenen Begleitmaßnahmen zur Qualifizierung dringend ausgebaut werden müssen.

Sind Quereinsteiger langfristig gesehen die richtige Antwort auf den Lehrermangel beispielsweise in den Naturwissenschaften?

Ich denke, dass es in Physik und Mathematik die einzig mögliche Antwort sein wird, es sei denn wir denken über unterschiedliche Bezahlung von Lehrkräften nach.

Quelle: op-online.de

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