Kein Telefon: Behinderte hat Angst

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Gestern testete Telekom-Techniker Dieter Krämer die letzten der mehr als 600 gestörten Anschlüsse.

Ober-Roden (lö) - Die gute Nachricht zuerst: Die Telekom hat den Leitungsschaden behoben, der an Heiligabend Telefon und Internet von 600 ihrer Kunden überwiegend aus dem Breidert lahmgelegt hat.

Hinter Rollstuhlfahrerin Hedda Müller liegen aber bange Tage: „Ohne Telefon ist mein Haus ein Gefängnis, aus dem ich nicht raus kann!“ Sie ließ sich zwar eine Rufumleitung aufs Handy schalten, doch wirklich sicher war sie nie, ob sie im Notfall hätte Hilfe herbei telefonieren können. Zu oft war ihr Anschluss in den vergangenen Monaten gestört. Drei Mal seit September, sagt sie, das mache misstrauisch.

Funktioniert‘s oder nicht? Hedda Müller warf tagelang immer wieder bange Blicke auf Festnetz- und Mobiltelefon.

Bei einer Kur auf Gran Canaria im Frühherbst erlitt Hedda Müller eine lebensbedrohliche Hirnblutung. Damals war zum Glück ein funktionierendes Telefon greifbar. Sie hat den Anfall gut überstanden, fragte sich in den Tagen der gestörten Verbindungen immer wieder: Was wäre wenn? Sie sei ja sonst kein Angsthase, erzählte sie gestern. Doch die Vorstellung, dass sie im Rollstuhl zusammensackt und ihr Partner den Notarzt nicht erreicht, erzeuge auch im Nachhinein „noch richtige Panikattacken“.

Behinderte brauchen Telefon nötiger als gesunde Menschen

Behinderte brauchen das Telefon weit nötiger als gesunde Menschen. Hedda Müller ruft normalerweise einmal am Tag eine weitere Rollstuhlfahrerin an, die ebenfalls im Breidert wohnt. Die Gespräche sind so etwas wie eine Fernkontrolle. Doch was ist, wenn die Angerufene nicht rangeht? Ist ihr was passiert oder ist"s wie diesmal nur eine Störung im Netz?

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Kein Anschluss unter 600 Nummern

Ein Wasserschaden habe die 600 Ober-Röder Anschlüsse unterbrochen, erläuterte Telekom-Pressesprecher André Hofmann die Ursache. Die beschädigte Leitung lag unter der Bahnstrecke nach Dieburg, das hat die Reparatur schwierig gemacht. Telekom und Bahn, so Hofmann, hätten einen Termin vereinbaren müssen, an dem der Zugverkehr von den Arbeiten möglichst wenig behindert wird. Trotzdem hätte die Strecke zeitweise gesperrt werden müssen.

Hofmann wies den Vorwurf zurück, das Telekom-Netz in Rödermark sei veraltet und deshalb störanfällig: Die Kabel seien normalen Erdbewegungen oder wie im jüngsten Fall den Erschütterungen der Züge ausgesetzt. Dadurch bilden sich feine Risse in Muffen oder in der Isolierung, durch die dann Wasser eindringe. Ein Wasserschaden war auch Ursache einer weiteren Störung, die im Dezember mehr als 200 Urberacher getroffen hatte.

Quelle: op-online.de

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