Buch über Mühlen

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Es klappert die Untermühle an der idyllischen Rodau... Friedrich Roßtäuscher hat dieses Bild 1980 gemalt und eine gehörige Portion Romantik hineingepackt. Karl Peter Sturm überließ es dem Heimat- und Geschichtsverein für seine Ausstellung, in die Norbert Cobabus (oben) es umgehend integrierte.

Rödermark ‐ Mehr als 500 Jahre lang klapperten Urberacher und Ober-Röder Mühlen an der Rodau. Doch von der viel besungenen Müller-Romantik war da nicht viel zu spüren. Der Ober-Röder Historiker Norbert Cobabus hat das Kommen und Gehen eines Handwerks aufgearbeitet, das viele nur mit verklärtem Blick sehen. Für den Heimat- und Geschichtsverein hat er eine Ausstellung im Töpfermuseum vorbereitet, im Frühjahr folgt ein Buch. Von Michael Löw

Norbert Cobabus erzählt viel von Streit um Wasserrechte, religiös motivierten Reibereien und harter, aber nicht immer einträglicher Arbeit. Cobabus‘ Fazit: „Von wegen ,Das Wandern ist des Müllers Lust!‘. Es müsste eigentlich des ,Müllers Not‘ heißen“.

Vom Mahlen allein konnte kaum eine Familie leben. Im Winter standen die Mühlräder oft still, weil der Bach zugefroren war. Im Sommer waren sie mangels Wasser zur Untätigkeit verdammt. Kein Wunder also, dass die meisten Müller auch noch Bäcker oder Bauern waren. Zu kämpfen hatten sie über Jahrhunderte hinweg gegen den Mühlenbann. Der verbot Urberacher Müllern, in Ober-Roden ihrem Handwerk nachzugehen - und umgekehrt natürlich auch. Der Bann wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts aufgehoben.

Zoff um die Wasserrechte

Vier Mühlen standen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Rödermark, insgesamt 20 waren‘s bis zur Rodau-Mündung bei Mühlheim. Straßennamen wie Am Weißen Bach oder An der Obermühle weisen heute noch auf das längst verschwundene Handwerk hin. Die Hanauer Mühle in Ober-Roden wurde 1440 erstmals erwähnt. Sie wurde aber schon im 30-jährigen Krieg aufgegeben und geriet in Vergessenheit.

Die Mainzer Mühle, die später nach ihren Besitzern Maneval‘sche Mühle hieß, war von 1569 bis 1937 in Betrieb. Dann zog der Müller die sichere Besoldung eines Reichspostbeamten vor. Zwischen 1828 und 1853 gehörte die Mainzer Mühle dem jüdischen Händler Nehm Oestreich aus Babenhausen. Der war nach Cobabus‘ Erkenntnissen der einzige Mühlenbesitzer, der das Korn der Ober-Röder Bauern von einem angestellten Müller mahlen ließ.

Sieht man einmal von diesem jüdischen Intermezzo und den 80 Jahren ab, in denen die Obermühle einer katholischen Familie gehörte, hatten die vier Rödermärker Mühlen immer evangelische Besitzer. „Das gab richtig Zoff um die Wasserrechte“, berichtet Norbert Cobabus von einer jahrelangen heftigen Auseinandersetzung zwischen Ober- und Untermühle. „Ich lasse mich nicht länger als Bürger zweiter Klasse behandeln“, schrieb Heinrich Konrad Kratz (Untermühle) empört an den damaligen Bürgermeister Wagner, als der wieder einmal allzu offensichtlich Partei für die Obermühle ergriffen hatte.

Kürze Blüte nach dem Zweiten Weltkrieg

Die kleine und nach den Erkenntnissen des Historikers wenig rentable Untermühle war so etwas wie das Schmuddelkind, während die Obermühle fast schon eine Fabrik war. Müller Georg Josef Malsi hatte nach der Rodau-Begradigung 1938 nämlich genug Geld, um sich einen Stromanschluss leisten zu können. Das Grabmal auf dem Urberacher Friedhof zeigt, wie vermögend die Familie geworden ist.

Eine kurze Blüte erlebte die Obermühle in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, weil sie die einzige weit und breit war, die noch funktionierte. Bis aus dem Frankfurter und Darmstädter Raum kamen die Bauern mit ihrem Getreide nach Urberach. Bezahlt wurde mit der damals üblichen „Ersatzwährung“ Zigaretten. Die Währungsreform 1948 machte dem Boom an der Rodau aber ein schnelles Ende.

Die Ausstellung „Mühlen in Ober-Roden und Urberach“ im Töpfermuseum in der Bachgasse ist am Sonntag, 7. März, ab 15 Uhr zum nächsten Mal geöffnet.

Quelle: op-online.de

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