Buch über Mühlen

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Am Mahlwerk der in den fünfziger Jahren aufgegebenen Urberacher Untermühle präsentierten Autor Norbert Cobabus (links) und der Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins Rödermark gestern das Buch „Mühlen an der oberen Rodau“.

Rödermark  ‐ Mehr als 500 Jahre - von 1440 bis nach dem Zweiten Weltkrieg - klapperten an der Rodau die Mühlen. Norbert Cobabus hat ihre wechselvolle Geschichte auf 120 Seiten zusammengefasst. Von Michael Löw

Nur noch Straßennamen wie „An der Obermühle“, „Am Weißen Bach“ oder „Mühlweg“ künden heute von einem Handwerk, das Generationen von Meistern und ihren Familien mehr schlecht als recht ernährte. Gestern stellte Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins sein neuestes Buch "Mühlen an der oberen Rodau" vor. Es kostet 17 Euro und ist ab morgen in den Rathäusern und im Buchhandel sowie sonntags im Töpfermuseum zu haben.

Zwei Dinge haben Cobabus bei seiner Recherche überrascht: Zum einen wunderte ihn, wie vollständig die Zeit der Mühlen entlang der Rodau über all die Jahre dokumentiert wurden. Und genau so verblüfft war er, wie wenig die Ober-Röder über die Mühlen in ihrem Ortsteil wussten, obwohl dort die erste stand: die 1440 gebaute Hanauer Mühle.

Ober-Roden war zu dieser Zeit entlang seiner Hauptstraße geteilt. Auf der einen Seite hatten die katholischen Kurmainzer das Sagen, auf der anderen die protestantischen Hanauer. Beide prozessierten fast 200 Jahre lang um die Aufteilung der Steuern. Erst 1684 sprachen die Grafen von Hessen-Darmstadt ein Machtwort.

Wer hält den Bachlauf frei von Dreck und Eis?

Zwist herrschte bis in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auch unter den Urberacher Müllern: Wer gräbt wem das Wasser ab? Wer hält den Bachlauf frei von Dreck und Eis? Cobabus beschreibt in seinem Buch detailliert, warum die Besitzer von Ober- und Untermühle einander nicht grün waren.

Was der Leser unserer Tage amüsiert zur Kenntnis nimmt, war noch vor 80 Jahren eine existenzielle Frage. Denn ohne Wasser drehte sich kein Mühlrad, und ohne Mühlrad klingelte ein Geld in der Kasse. Weshalb die meisten Müllerfamilien noch einem zweiten Broterwerb nachgingen.

Quelle: op-online.de

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