„Bücher nötiger als neue Frisur“

Dirk Holms Ladentür bleibt offen. Aber nur symbolisch, denn Buchbestellungen sind in Zeiten von Corona lediglich am Telefon oder über seine Homepage möglich.

Die Coronabeschränkungen werden immer strenger. Geschäfte, deren Angebot nicht der Grundversorgung dient, müssen schließen. Grundsätzlich stehen die Rödermärker Ladenbesitzer hinter den Maßnahmen zum Infektionsschutz. Über die Details schüttelt mancher jedoch den Kopf. VON CHRISTINE ZIESECKE

Rödermark – Corona macht Deutschland dicht – nach einer dringenden Empfehlung der Bundesregierung sollen ab heute alle Geschäfte geschlossen bleiben, die keine medizinischen oder gesundheitliche Leistungen erbringen oder den täglichen Bedarf an Lebensmitteln und Getränken abdecken. Die Offenbach-Post hat bei drei Einzelhändlern gefragt, was Sache ist: im Blumenladen Koser, in der Buchhandlung Holm und im Holzspielwarenladen Nowak.

Ein Kühlhaus voller frischer Ware, ein Laden voller duftender und leuchtender Frühlingsboten – und ab morgen das Geschäft geschlossen? Bei Elke Koser und ihrer Tochter Sarina Houben in Ober-Roden passen Frischware und Infektionsschutz so gar nicht zueinander.

„Wir wissen noch gar nichts Genaues. Wir wollen nach derzeitigem Stand versuchen, am Mittwoch noch für einen Abverkauf geöffnet zu haben und ab Donnerstag zu schließen. Doch unser Kühlhaus ist voll“, erzählt Sarina Houben ausgesprochen bekümmert. „Wir haben bis jetzt schon starke Einbußen. Es bricht uns ja alles weg – die Tischdekorationen rund um Feste, Taufen, Hochzeiten. Und sogar die Sträuße für Beerdigungen fallen weg, weil nur noch wenige Menschen teilnehmen dürfen. Nur wegen eines kleinen Sträußchens für die Nachbarin, die in Quarantäne lebt, können wir hier kein Sortiment aufrecht erhalten.“

Das bekommt auch das Personal der Blumenhandlung zu spüren. Eine Aushilfe auf 450-Euro-Basis musste Elke Koser schon vorläufig beurlauben; wie es weiter geht, ist ungewiss. „Wir sind aber absolut dafür, dass Deutschland die Situation notfalls auch durch drastische Maßnahmen möglichst gut in den Griff kommt.“

Neubestellungen fürs Wochenende wurden schon gestern nicht mehr angenommen. „Wir sind aber da; falls also etwa eine Pietät sich meldet, können wir jederzeit aus Seidenblumen oder Topfpflanzen etwas arrangieren“, versichert Elke Koser. Finanziell ist die Coronakrise für die beiden Vollblut-Floristinnen ein Problem, das ihnen noch viel Kopfzerbrechen bereiten wird.

Gar nicht glücklich mit der Situation ist der stets streitbare Buchhändler Dirk Holm, der neben dem Laden am Urberacher Gänseeck noch weitere Filialen betreibt. „Der Börsenverein des deutschen Buchhandels in Frankfurt klärt gerade, ob wirklich geschlossen werden muss. Ich warte stündlich auf die Rückmeldung“, erklärt er gegenüber unserer Zeitung.

Dirk Holm steht in der offenen Ladentür – zumindest symbolisch. Denn er wird weiter im Geschäft sein, Bestellungen entgegennehmen und gegebenenfalls ausliefern. „Denn dieser Service wurde vorerst noch nicht gestoppt. Ich habe ja Zeit zum Liefern, und ich habe eine Rufumleitung.“ Zudem hat er mit buecher-im-kreis-offenbach.buchhandlung.de einen Online-Shop. Die Logik des behördlichen Ausnahmekatalogs lässt ihn den Kopf schütteln: „Warum soll ein Friseur weiterhin offen haben? Die Menschen, die zuhause bleiben, hätte ein Buch als Ablenkung sicher nötiger als eine neue Frisur.“

Schon seit voriger Woche lassen Jürgen Nowak und Bettina Gorr die Käufer in ihren „Spielzeugladen“ nur noch einzeln herein. „Und die Kunden reagieren darauf ausgesprochen verständnisvoll“, freut sich Nowak.

Gestern Mittag war die Lage für die nächsten Tage noch nicht klar: „Die Wirtschaftsförderung Rödermark sitzt gerade zusammen; ich warte auf deren Empfehlung.“ Für ihn ist die Lage gespalten. Zum Laden gehört ein Handwerksbetrieb – die Schreinerei, die natürlich weiter arbeiten kann.

Trotzdem haben die Notfallmaßnahmen, die die Ausbreitung des Virus verlangsamen sollen, auch für sein Personal Konsequenzen. Sein Auszubildender als Einzelhandelskaufmann sollte Ende April auch Abschlussprüfung bei der Handwerkskammer haben: „Die wird nicht stattfinden.“ Jürgen Nowak hält sich strikt an die Vorgaben und Anordnungen in Sachen Corona: „Wir können hier wirklich froh sein, eine so professionelle Unterstützung wie die Wirtschaftsförderung und eine gut und rasch reagierende Verwaltungsspitze zu haben.“

Quelle: op-online.de

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