Büchner-Preis würdigte schriftstellerisches Wirken

1954 ernannte die Gemeinde Urberach Nikolaus Schwarzkopf, den Träger des Büchner-Preises, zu ihrem Ehrenbürger.

Urberach - Heute vor 125 Jahren, am 27. März 1884, wurde Nikolaus Schwarzkopf im Urberacher Erbseneck geboren. Ihm hängt das Attribut „Heimatdichter“ an, doch bei aller Romantik war er auch ein kritischer Geist. 1930 wurde sein Roman „Der Barbar“ in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Der Sohn eines Pflasterers und einer Näherin wurde zunächst „Schulmeister“, doch schon bald wandelte er sich zu einem Lehrer eher moderner Prägung: Noch vor dem Ersten Weltkrieg zerbrach er im Klassenzimmer den Züchtigungsstock - das Disziplinarmittel Nummer eins dieser Tage. „Er glaubte an das Gute in seinen Schülern und daran, dass man durch Bildung die Menschen zu einem besseren Leben führen könne“, schrieb seine Tochter Hildegard Grünholz-Schwarzkopf in der Chronik „700 Jahre Urberach“.

Noch im Schuldienst fing Nikolaus Schwarzkopf an zu schreiben. Sein Lieblingsthema war das Töpferhandwerk, das damals in Urberach noch etliche Familien ernährte. 1924, gerade mal 40 Jahre jung, ging er quasi in den Vorruhestand, gab das Lehrerdasein zugunsten der Schriftstellerei auf.

Längst war er vom dörflichen Urberach ins bürgerlich-liberale Darmstadt gezogen, wo er mit jungen Leuten oft über soziale Probleme diskutierte. Nikolaus Schwarzkopf hoffte, dass der Sozialismus die Not seines „geliebten kleinen Volkes“, die er während seiner Kindheit am eigenen Leib spürte, lindern würde.

Nikolaus Schwarzkopf hegte anfangs durchaus Sympathie für den Nationalsozialismus. Doch schon eine erste Begegnung mit NSDAP-Funktionären öffnete ihm die Augen, seine Vorstellungen vom Sozialismus erkannte er in der braunen Ideologie jedenfalls nicht. Aus dem vorsichtigen Sympathisanten wurde ein bekennender Skeptiker.

Kein Wunder also, dass besorgte Freunde ihm 1937 zum Umzug nach Berlin rieten. Zumal seine erste Frau Änne Mitglied in einem pazifistischen Frauenbund und in Darmstadt schon bedroht worden war. Heimisch wurde der zwischen Rhein, Main und Rodau verwurzelte Schriftssteller dort aber nie. Hildegard Grünholz-Schwarzkopf: „Die Umsiedlung war der tiefste Einschnitt im Leben meines Vaters.“ Der Krieg kostete Nikolaus Schwarzkopf nicht nur die linke Hand, sondern auch seinen geistigen Schwung.

Ohne Ideen für neue Romane kehrte er erst nach Urberach, später nach Darmstadt zurück. Der Geschmack des Publikums war indes ein anderer geworden. Heimatkundliches wie „Der Feldhäfner“, „Der Häfner vom Erbseneck“ oder „Die Störche von Urberach“ passte nicht mehr in die Aufbruchsstimmung der fünfziger Jahre.

Sein literarisches Gesamtwerk umfasst 45 Bücher sowie Erzählungen und Kurzgeschichten. Einige davon können in der Stadtbücherei Rödermark ausgeliehen werden.

1954 verlieh die Gemeinde Urberach Nikolaus Schwarzkopf die Ehrenbürgerwürde. Auf diese Ehrung war die Familie so stolz, dass sie sie auf seinem Grabstein verewigen ließ, als Schwarzkopf am 17. Oktober 1962 starb.

Quelle: op-online.de

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