Auf Bühne steht die Welt Kopf

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Auf der Bühne scheut Alina Müller auch Kopfstände nicht. Im Wohnzimmertheater der Nedelmanns spielt sie ihre eigene Geschichte. Eine Vorstellung weitere ist am Donnerstag, 27. Mai, ab 20 Uhr in der Ober-Rodener Straße 5a zu erleben. Bis dahin gilt es allerdings neue Vorsprechtermine zu bewältigen und das Abitur zu packen.

Waldacker ‐ Am 3. Dezember 2009 begann für Alina Müller ein Bewerbungsmarathon, dessen Ende nicht absehbar ist. An der Ernst-Busch-Schule, der führenden Hochschule für Schauspielkunst in Berlin stand die Abiturientin aus Waldacker zum ersten Mal mit 2000 weiteren Bewerbern zum Vorsprechen vor einem Dozenten. Von Christine Ziesecke

Mit einem Monolog aus der Rolle der Agafja aus „Die Hochzeit“ von Nikolai Wassiljewitsch Gogol begann sie ihre nervenaufreibende Suche nach einem Platz an einer Schauspielschule.

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Lehrerstudium als „Plan B“

Alina Müller hat seit ihrer ersten kleinen Rolle als Hase Müffel im MTV-Theater bei Gertrud Schulze gerne auf der Bühne gestanden, egal ob im Englisch-Schultheater am Heusenstammer Adolf-Reichwein-Gymnasium, in der „Freak Show“ mit der damaligen städtischen Theaterbeauftragten Angela Bauer-Oberwalder oder im Musical-Theater während ihres einjährigen Amerika-Aufenthalts. Seit gut einem halben Jahr ist sie sich ihres Berufswunsches sicher und klappert Schauspielschule um Schauspielschule ab – bisher ohne Erfolg.

Beim ersten Versuch in Berlin kam sie zwar in die zweite Runde der besten 24. Dann war aber Schluss mit den Worten: „Das ist gut, arbeiten Sie weiter daran und kommen Sie nächstes Jahr wieder!“ Acht weitere Versuche quer durch Deutschland und in Wien scheiterten. Einen Platz hätte sie in Anklam, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, bekommen. Da sie zu den Menschen keinen Zugang fand, sagte sie ab. Jetzt kommen noch sieben Vorsprechtermine. Sollte alles nicht klappen, will die junge Frau es im nächsten Durchgang in den Schulen noch einmal probieren, die sie jetzt dazu ermuntert haben wiederzukommen.

Ausverkauftes Theater

Der Marathon kostet Geld. Bislang haben Alinas Eltern schon weit über 1 000 Euro in Flug- und Fahrtkosten, Übernachtungen und Bearbeitungsgebühren investiert. Der widersprüchliche Absagendauerlauf – mal spiele sie zu wenig von innen heraus, mal zuviel – kostet die 20-Jährige aber vor allem Nerven, nicht zuletzt durch den Stress, ganz nebenbei auch noch ihr Abitur zu absolvieren und manchmal zwei, drei Termine in einer Woche abzuklappern. Es liegt nicht an ihrer Leistung, es sind einfach die Zahlen, die für sich sprechen: 2 000 Interessenten kommen in Berlin auf 15 freie Plätze, wobei Männer die besseren Chancen haben. In Frankfurt etwa, wo Alina Müller am 2. Juli vorsprechen wird, sind derzeit 22 Männer und elf Frauen im Ensemble – es liegt an den Rollen.

Im Doku-Theaterstück „Wie werde ich Schauspielerin?“ hat Oliver Nedelmann das Klinkenputzen fürs Wohnzimmertheater umgeschrieben mit der jungen Frau in ihrer eigenen Hauptrolle. Zur Premiere waren die Gäste im ausverkauften Theater sehr bewegt – nicht nur wegen der Leistungen Alina Müllers, sondern auch vom Schicksal der Menschen, die den Herzenswunsch Schauspieler zu verwirklichen suchen.

Quelle: op-online.de

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